Die Geschichte des Valentinstags führt zurück in die Frühzeit des Christentums, durch mittelalterliche Dichtung – und hinein in die Kirchen von heute, in denen Liebende einen Segen zugesprochen bekommen.
Ein Heiliger mit vielen Gesichtern
Wer nach dem "heiligen Valentin" sucht, stößt schnell auf ein Rätsel. Unter diesem Namen werden mehrere frühchristliche Märtyrer gefunden. Am bekanntesten sind Valentin von Rom, ein Priester, und Valentin von Terni, ein Bischof. Beide sollen im 3. Jahrhundert während der Christenverfolgungen unter Kaiser Claudius II. hingerichtet worden sein. Verlässliche historische Quellen über ihr Leben gibt es kaum. Vieles, was wir heute erzählen, stammt aus späteren Legenden.
Der 14. Februar gilt als überlieferter Gedenktag des heiligen Valentin und taucht spätestens im 5. Jahrhundert in römischen Heiligenverzeichnissen auf. Ein häufig genannter, aber nicht eindeutig belegter Zusammenhang führt zu heidnischen Fruchtbarkeitsfesten wie den Lupercalien, die Mitte Februar gefeiert wurden. Möglich ist, dass der christliche Gedenktag solche Feste überlagerte. Ein Vorgehen, das in der frühen Kirche durchaus üblich war.
Von Märtyrern zur Romantik
Die Verbindung des Valentinstags mit Liebe und Romantik ist keine ursprünglich christliche Tradition. Sie entsteht erst viele Jahrhunderte später. Legenden erzählen, Valentin habe Liebespaare trotz Heiratsverbot getraut oder Verliebten Blumen und Briefe geschenkt. Historisch belegt sind diese Geschichten nicht – doch sie prägen bis heute die Vorstellung vom "Liebesheiligen".
Den entscheidenden Impuls liefert das Mittelalter. Ab dem 14. Jahrhundert, vor allem in England und Frankreich, verbinden Dichter den Valentinstag erstmals ausdrücklich mit romantischer Liebe und Partnerwahl. Ein damals verbreiteter Naturmythos spielt dabei eine zentrale Rolle: Am 14. Februar, so glaubte man, beginnen die Vögel, sich zu paaren. Dichter wie Geoffrey Chaucer greifen diese Vorstellung auf und verknüpfen sie literarisch mit dem Valentinstag.
Im Mittelalter tauschen Menschen Liebesgedichte und sogenannte "Valentine"-Botschaften aus. Später kommen Karten und Geschenke hinzu. Im 20. Jahrhundert wird der Valentinstag stark kommerzialisiert, besonders in den USA, und verbreitet sich von dort weltweit.
Die katholische Kirche selbst hat diesen Tag jedoch nie als Fest der romantischen Liebe etabliert. Im Gegenteil: 1969 wird der Gedenktag des heiligen Valentin wegen der unsicheren historischen Quellenlage sogar aus dem allgemeinen römischen Kalender gestrichen.
Valentin von Terni: Zwischen Glaube und Legende
Valentin von Terni gilt der Überlieferung nach als Bischof der italienischen Stadt Interamna, dem heutigen Terni. Während der Christenverfolgungen im Römischen Reich soll er unter Kaiser Claudius II. verhaftet, misshandelt und schließlich enthauptet worden sein. Sein Todestag wird traditionell auf den 14. Februar datiert, daher der Gedenktag.
Zahlreiche Wundertaten werden ihm zugeschrieben, etwa die Heilung eines blinden Mädchens oder missionarisches Wirken in Rom. Diese Erzählungen stammen aus späteren hagiographischen Texten und sind historisch nicht überprüfbar. Hinzu kommt, dass Valentin von Terni im Laufe der Zeit häufig mit Valentin von Rom gleichgesetzt oder vermischt wurde. Wahrscheinlich handelt es sich ursprünglich um zwei unterschiedliche Personen, deren Lebensgeschichten später ineinander übergingen.
In der kirchlichen Tradition wird der heilige Valentin als Schutzpatron der Jugendlichen, Reisenden und Imker verehrt. Er wird bei Krankheiten wie Epilepsie angerufen und soll zur Bewahrung der jungfräulichen Unschuld ebenso wie zu einer guten Verlobung und Heirat verhelfen.
Der Valentinstag heute: Segen statt Kitsch
Auch heute wird der Valentinstag kirchlich begangen, nicht aber als romantisches Hochfest, sondern als Anlass, Liebe und Beziehungen unter einen besonderen Segen zu stellen.
In Köln sind Paare und Liebende am Valentinstag beispielsweise zu einem Mittagsgebet im Kölner Dom eingeladen. Am Heiligenschrein wird um 12 Uhr gebetet, anschließend wird ein persönlicher Segen gespendet.
In der Düsseldorfer Altstadt laden die Kirchen zum Valentinstag zu einer "Nacht der Liebenden" ein. Kostüme sind dabei in diesem Jahr ausdrücklich erwünscht.
In Essen gibt es rund um den 14. Februar mehrere Angebote: In Essen-Steele steht am Samstag eine grüne Fahrrad-Rikscha. unter dem Motto "Liebe verbindet, Segen begleitet" wird zu einem mobilen Segensangebot eingeladen. Am Abend, nach einem Segensgottesdienst im Essener Dom, tritt ab 20 Uhr der A-cappella-Chor "Ruhrschrei" auf, der Eintritt ist frei.
Ein Tag mit vielen Schichten
Der Valentinstag ist damit ein Datum mit überraschender Tiefe. Er erzählt von Märtyrern und Legenden, von mittelalterlichen Liebesvorstellungen und moderner Kommerzialisierung. Und er bietet bis heute Raum für eine andere Perspektive: Liebe nicht nur zu feiern, sondern sie unter den Segen Gottes zu stellen – leise, persönlich und jenseits aller Klischees.