US-Supreme Court befasst sich mit religiösem Footballtrainer

Wegen Gebeten am Spielfeldrand gefeuert

Der Footballtrainer einer öffentlichen Schule betete nach jedem Spiel mit seiner Mannschaft an der Seitenlinie. Die Schulbehörde ermahnte und feuerte ihn schließlich. Nun beschäftigt er das Oberste Gericht der USA.

Supreme Court: Oberster US-Gerichtshof (DR)
Supreme Court: Oberster US-Gerichtshof / ( DR )

Joseph Kennedy wollte einfach nicht aufhören, öffentlich zu beten. So wie er es seit 2008 machte, als der religiöse Sportsmann den Job als Trainer des Football-Teams der "Bremerton High School" im Bundesstaat Washington angenommen hatte. Nach jedem Spiel beugte er auf Höhe der 50-Yard-Linie am Spielfeldrand das Knie und dankte Gott für die Gesundheit der Spieler und den Sportsgeist auf dem Feld.

2015 beschwerte sich der Trainer eines gegnerischen Teams über die Praxis, die aus dessen Sicht einen Verstoß gegen die Trennung von Religion und Staat in öffentlichen Einrichtungen darstellte. Die Schulbehörde erinnerte den Coach an eine Richtlinie, die es dem Schulpersonal untersagt, Schüler direkt oder indirekt zu religiösen Aktivitäten zu ermutigen.

Schulleiter untersagte Zeremonie

Denn seine Gebetspraxis als Trainer an einer staatlichen Schule sei alles andere als privat, erklärte die Behörde. Der Schulleiter Bremertons sah sich schließlich genötigt, den Widerspenstigen anzuweisen, die religiöse Zeremonie nach Abpfiff der Spiele einzustellen.

Kennedy fügte sich jedoch nicht: Im Oktober 2015 kniete er erneut an der 50-Yard-Linie nieder und überschritt damit die rote Linie der Schulbehörde. Ein Foto hält fest, wie nicht nur er, sondern die Spieler seiner Mannschaft zusammen beteten. "Dieser einfache Akt der Dankbarkeit kostete mich ich den Job, den ich liebe", sagt Kennedy. Kurz darauf verlor er seine Anstellung; Sein Vertrag lief ohne Verlängerung aus.

Fall für den US-Supreme Court

Mit der "Causa Kennedy" wird sich nun der US-Supreme Court beschäftigen, der den Fall voraussichtlich im April anhören will.

Supreme Court

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten ist das oberste rechtsprechende Staatsorgan der Vereinigten Staaten. Neben diesem obersten Bundesgericht existieren auch Supreme Courts in jedem einzelnen Bundesstaat. Der Supreme Court ist das einzige amerikanische Gericht, das explizit in der Verfassung der Vereinigten Staaten vorgesehen ist. Der Supreme Court tagt in Washington, D.C., die anderen Bundesgerichte sind landesweit verteilt.

Justitia (dpa)
Justitia / ( dpa )

Damit ist eine Klage Kennedys von vor knapp sieben Jahren nun vor dem Obersten Gericht angekommen. Der Trainer wird dort vom "First Liberty Institute" vertreten. Die religiöse Organisation weist darauf hin, dass Lehrkräfte ihr Recht auf freie Religionsausübung nicht verlieren, wenn sie das Schulgebäude oder das Sportfeld betreten.

Kennedys Klage machte schon einmal landesweit Schlagzeilen, als Donald Trump mitten im US-Wahlkampf Partei für den Trainer ergriff. Dessen Behandlung durch die Schulbehörde sei "sehr, sehr traurig und empörend", beschwerte er sich.

Zunächst lehnte das Oberste Gericht ab

2019 lehnte es der Supreme Court ab, sich mit Kennedys Fall zu befassen. Allerdings erklärten vier der neun Richter, sie benötigten noch weitere Informationen. Die Richter Samuel Alito, Neil Gorsuch, Brett Kavanaugh und Clarence Thomas hielten die Entscheidung eines US-Berufungsgerichts für fragwürdig, das der Schule Recht gegeben hatte. Besonders beunruhigend sei eine Formulierung, die so verstanden werden könnte, dass es die Pflicht eines vorbildlichen Trainers sei, "jede Bekundung seines Glaubens zu unterlassen".

In dem Vorverfahren vor dem US-Berufungsgericht in Kalifornien ging es um die Frage, ob Kennedys Gebete eine staatliche Handlung darstellen oder privater Natur seien. Die Schulbehörde argumentierte, es gehe um den Schutz der Schüler, die sich durch Kennedys gefaltete Hände auf dem Spielfeld gedrängt fühlen könnten, an einem öffentlichen Gebet teilzunehmen. "Kein Kind, das eine öffentliche Schule besucht, sollte beten müssen, um am Schulsport teilzunehmen", unterstrich Rachel Laser, Präsidentin von "Americans United for Separation of Church and State".

Kontroverse Positionen

Der Präsident des "First Liberty Institute", Kelly Shackelford, sieht es genau andersherum:

Kelly Shackelford, Präsident des "First Liberty Institute"

"Kein Lehrer oder Trainer sollte seinen Job verlieren, nur weil er seinen Glauben in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringt."

Im ersten Verfassungszusatz von 1791 heißt es, der Staat dürfe keine Religion bevorzugen. Kennedys Anwälte verweisen darauf, dass der Supreme Court seit langem die Auffassung vertritt, dass Lehrer und Schüler nicht auf den Schutz des ersten Verfassungszusatzes verzichten müssen, wenn sie in der Schule sind.

Analysten sehen in der Annahme der "Causa Kennedy" keinen Zufall. Bei ihrer Auswahl für die laufende Sitzungsperiode ließ das mehrheitlich konservativ besetzte Richtergremium andere Rechtsstreitigkeiten links liegen. "Durch die Annahme dieses wichtigen Falles", so Shackelford, "kann der Oberste Gerichtshof das Recht jedes Amerikaners schützen, sich privat religiös zu äußern, einschließlich des Betens in der Öffentlichkeit, ohne Angst vor Bestrafung." Die Entscheidung im Fall "Kennedy vs. Bremerton School District" wird Ende Juni erwartet.

Autor/in:
Thomas Spang
Quelle:
KNA