US-Kardinal ruft Italiens Bischöfe zu Aufarbeitung auf

Das Böse zugeben

Der Leiter der päpstlichen Kinderschutzkommission hat Italiens Bischöfe zu einem offenen Umgang mit kirchlichem Kindesmissbrauch aufgerufen. Dabei forderte Kardinal Sean Patrick O'Malley von den Bischöfen "entschiedene Schritte".

Symbolbild Missbrauch in der Kirche / © Annnna_11 (shutterstock)
Symbolbild Missbrauch in der Kirche / © Annnna_11 ( shutterstock )
Kardinal Sean Patrick O Malley / © Paolo Galosi/Romano Siciliani (KNA)
Kardinal Sean Patrick O Malley / © Paolo Galosi/Romano Siciliani ( KNA )

"Wir dürfen uns nicht scheuen, das Böse, das so vielen unserer Brüder und Schwestern angetan wurde, zuzugeben", sagte Bostons Kardinal Sean Patrick O'Malley am Mittwoch in einer Videobotschaft an die Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz. Einsicht könne ein sehr guter Richter sein, so O'Malley weiter. Nur wenn man den Opfern Gerechtigkeit widerfahren lasse, könne Heilung erreicht werden. Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" veröffentlichte den Text seiner Ansprache. 

"Auf Ihrem Weg in die Zukunft", so O'Malley weiter, "wird die Geschichte des Missbrauchs in der Kirche zunehmend ans Licht kommen. Das ist in jedem Land, in dem der Prozess begonnen hat, geschehen." Er forderte von den Bischöfen "entschiedene Schritte", um "Personen, die ihre Pflicht nicht erfüllt haben" zur Rechenschaft zu ziehen. Werde den Opfern die Gerechtigkeit vorenthalten, sei es schwierig, eine Lösung für das Problem zu finden.

Anstehende Aufarbeitung von Missbrauch in Italien

Die Vollversammlung der Italienischen Bischofskonferenz tagt seit Montag in Rom. Dabei wird auch über die anstehende Aufarbeitung von Missbrauch gesprochen. Bisher wehren sich Italiens Bischöfe gegen eine unabhängige staatliche Kommission. Betroffene haben daher in einem Offenen Brief erneut eine unabhängige Aufarbeitung gefordert. Zudem erscheinen dieser Tage zwei Bücher über Missbrauch in der katholischen Kirche Italiens.

Kardinal O'Malley sagte in seiner Botschaft, die Bischöfe hätten die "außerordentliche Chance" zu einem ehrlichen und nicht defensiven Dialog mit allen Beteiligten. Auf nationaler wie lokaler Ebene könne man mit allen, die bereit seien, "einen konstruktiven Prozess der Überprüfung, Reform und Versöhnung einleiten".

Quelle:
KNA