US-Amerikanerin verlässt Aufsichtsrat der Vatikanbank

"Mehr Zeit für andere katholische Projekte"

Der Aufsichtsrat der Vatikanbank hat ein Mitglied weniger. Die US-Amerikanerin Mary Ann Glendon hat das "Institut für die religiösen Werke" verlassen. Sie war die erste Frau, die im Aufsichtsrat der Bank gesessen hatte. 

Hauptsitz der Vatikanbank  / © Romano Siciliani (KNA)
Hauptsitz der Vatikanbank / © Romano Siciliani ( KNA )

Die US-Amerikanerin Mary Ann Glendon (79) hat den Aufsichtsrat der Vatikanbank IOR verlassen. Das gab das "Institut für die religiösen Werke" zum Wochenende auf seiner Internetseite bekannt. Glendon habe entschieden, "mehr Zeit in andere katholische Projekte zu investieren", heißt es in der knappen Mitteilung (Freitag). Das IOR dankt der Juristin besonders für ihren Beitrag zur "Definition des juristischen Rahmens" des Instituts. Glendon war unter US-Präsident George W. Bush von 2008 bis 2009 US-Botschafterin beim Heiligen Stuhl. 2014 wurde sie Mitglied des Aufsichtsrats des IOR.

Das italienische Internetportal "Vatican Insider" schrieb am Samstag unter Berufung auf nicht genauer genannte interne Quellen, es habe Uneinigkeiten zwischen Glendon und der aktuellen Leitung des IOR bezüglich einiger jüngst getroffener Entscheidungen gegeben, weshalb sie das Gremium verließ. Seit Juli 2014 gehörte Glendon dem Aufsichtsrat des IOR an.

Warum es Ärger gab

Die sogenannte Vatikanbank, das Institut für die religiösen Werke (IOR), so die offizielle Bezeichnung, hat dem Vatikan wegen mangelnder Transparenz ihrer Aktivitäten oft negative Schlagzeilen eingebracht. Erst Anfang Februar hatte der Zivilgerichtshof des Vatikan zwei ehemalige leitende Manager des Missmanagements für schuldig befunden.

Für Aufsehen sorgten auch mehrere Personalien, so die Entlassung von Giulio Mattietti, Assistent und De-facto-Vize des Vatikanbankdirektors Gian Franco Mammi im November 2017. Grund soll mangelndes Vertrauen gewesen sein. Mattietti sagte hingegen, er wisse nicht, warum ihm so plötzlich gekündigt worden sei. Auch die Kündigung des Generalrevisors Libero Milone im Sommer 2017 sorgte für Schlagzeilen. Ende Januar kündigte von sich aus der IT-Experte Sandro Mirabelli, nach nur einem Jahr beim IOR. Dies habe allein private Gründe, teilte er der Zeitung "La Stampa" mit.

Über die Vatikanbank

Als "Vatikanbank" wird landläufig das «Institut für die religiösen Werke» mit Sitz im Vatikanstaat bezeichnet. Der Vatikan betont jedoch, dass das "Istituto per le Opere di Religione" (IOR) einige banktypische Dienstleistungen wie Kredite nicht anbietet. Die Vatikanbank wurde mehrere Male von Skandalen erschüttert.

Hauptzweck des 1942 gegründeten Instituts ist laut den Statuten die Verwaltung von Kapital, dessen Erträge "für Werke der Kirche und für christliche Wohltätigkeit in allen Teilen der Welt bestimmt sind".


Quelle:
KNA