Trotz des neuen Vorstands bleibt bei der Ditib alles beim Alten

Umstrittene Konferenz und neue Führung in der Kritik

Die Ditib gilt als verlängerter Arm der Erdogan-Regierung. Die deutsche Politik begegnet dem früheren Integrationspartner seit Jahren mit Misstrauen. Und der islamische Verband tut alles dafür, dass es so bleibt.

Symbolbild Islam / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Islam / © Harald Oppitz ( KNA )

Die türkisch-islamische Ditib arbeitet weiter an ihrem schlechten Image. Gleich zu Beginn des Jahres lieferte der bundesweit größte Moscheeverband ein neues Beispiel an Intransparenz und mangelhafter Kommunikation. Drei Tage lang trafen sich vergangene Woche rund 100 Teilnehmer aus 17 Ländern in der Kölner Zentralmoschee zu einem "II. Treffen der europäischen Muslime". Angekündigt hatte die Ditib vorab nichts zu dem Treffen unter Federführung der türkischen Religionsbehörde Diyanet.

Umstrittenene Islamkonferenz

Oberbürgermeisterin Henriette Reker fühlt sich übergangen. Noch dazu nahmen an der Konferenz zum Thema "Die Zukunft der Muslime in Europa" offenbar Vertreter der vom Verfassungsschutz beobachteten Muslimbrüder teil. Die Fundamentalisten hetzen gegen Demokratie und freiheitliche Werte.

Auf Kritik stoßen auch der Ablauf und die von der Ditib veröffentlichten Ergebnisse der Konferenz. Die Hauptrede hielt Diyanet-Chef Ali Erbas. Er beklagte "Islamfeindlichkeit" in Europa und wetterte gegen eine Assimilierung der hiesigen Muslime. Es sei "unmenschlich", wenn Einwanderer sich von ihren Herkunftsländern lossagen sollten. Nationale Bezeichnungen wie "deutscher Islam" seien mit der Universalität ihres Glaubens nicht vereinbar, heißt es in den Ergebnissen. Bei der Deutschen Islamkonferenz Ende November hatte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) genau einen solchen "Islam in Deutschland und für Deutschland" gefordert.

Weiter formulierte die Konferenz als Zielvorstellung die Gründung eines kontinentalen "Koordinierungsrats" - dem Wunsch nach offenbar eine Art Generalvertretung für Europas Muslime - und eines Sekretariats für regelmäßige Konferenzen europäischer Muslime, das der Diyanet in Ankara angeschlossen sein soll. Kritiker wie der Grünen-Politiker Volker Beck sehen darin einen Versuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, seinen Einfluss auf dem Kontinent auszudehnen. Zudem will der autoritäre Herrscher offenbar gezielt die Bemühungen von Ländern wie Deutschland unterlaufen, die Islamverbände vom Ausland abzukoppeln. Der Integration von Muslimen dient er damit nicht.

Damit steht die aus Ankara gesteuerte Ditib einmal mehr im Zwielicht.

Wahl eines neuen Vorstandes

Umso unglaubwürdiger klingt nach diesem Vorspiel die Beteuerung, man wolle mit der "Wahl" des neuen Vorstands am vergangenen Wochenende "die seit nahezu drei Jahren andauernden Debatten entschärfen und einen Neuanfang starten". Zum einen handelt es sich dabei kaum um eine Wahl, denn der Vorsitzende des Ditib-Bundesverbands ist qua Amt der jeweilige türkische Botschaftsrat für Religionsangelegenheiten.

Zweitens soll der im Amt bestätigte Vizevorsitzende Ahmet Dilek nach dem Putschversuch im Juli 2016 als damaliger Religionsattache Informationen über Erdogan-Gegner nach Ankara weitergeleitet haben.

Zudem tauschen der neue Generalsekretär des Verbands und seine Stellvertreterin lediglich ihre Funktionen. Vertrauensbildung gegenüber der deutschen Öffentlichkeit sieht anders aus.

Verband kein homogenes Gebilde

Yunus Ulusoy, Wissenschaftler der Essener Stiftung Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung, warnt jedoch trotz aller erneuten Querelen vor Alarmismus. Zwar werde sich mit dem neuen Vorstand nichts an der Erdogan-treuen Linie der Ditib ändern, sagte Ulusoy der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Allerdings sei der Verband kein homogenes Gebilde.

Ulusoy geht davon aus, dass an der Ditib-Basis immer noch eine nennenswerte Zahl von Mitgliedern pragmatisch denkt und weitere Konfrontationen mit der deutschen Politik vermeiden will: "Und in den Regionalverbänden werden die Funktionäre demokratisch gewählt." Immerhin zeigte im November der Rücktritt der gesamten Ditib-Führung in Niedersachsen - aus Frust über den Einfluss Ankaras, dass eine Gleichschaltung des früher eher unpolitischen Verbands nicht so einfach ist.

Auch mit Blick auf die umstrittene Kölner Konferenz empfiehlt Ulusoy Gelassenheit. Allmachtsfantasien Erdogans, nach denen er sich zum Führer der europäischen Muslime aufschwingt, scheiterten schon an den wachsenden ethnischen Unterschieden in Europa. "Arabische Muslime werden ihn nicht als ihren Held akzeptieren. Die Möglichkeiten der Türkei sind begrenzt."

Autor/in:
Christoph Schmidt
Quelle:
KNA