Bistum Osnabrück plant Predigtwerkstatt für Laien

"Überwiegend positive Reaktionen"

Im Bistum Osnabrück sollen Mitte September eine Woche lang Laien in Gottesdiensten predigen. Zur Vorbereitung der Haupt- und Ehrenamtlichen gibt es dazu eigens eine Predigtwerkstatt. Die Reaktionen darauf sind nicht nur positiv.

Die Kanzel: Häufig der Ort der Predigt / © Patrick Post (KNA)
Die Kanzel: Häufig der Ort der Predigt / © Patrick Post ( KNA )

DOMRADIO.DE: Ihre Predigtwerkstatt für Laien sorgt für ordentlich Furore. Es gibt aber auch viel Gegenwind und Proteste. Können Sie ganz grundsätzlich erklären, was das genau ist?

Martina Kreidler-Kos (Leiterin Abteilung Seelsorge im Bistum Osnabrück): Das ist am Ende eine ganz ernsthafte und auch innere Vorbereitung auf den Dienst, zu predigen. Nicht grundsätzlich, sondern ganz klar ausgerichtet auf die Predigpraxis an einem einzigen Tag. Wir haben den um das Fest der heiligen Hildegard am 17. September gelegt. Der Sonntag davor, der Sonntag danach oder am Fest der Heiligen selber.

Hildegard kann eine große Patronin für das ganze Unternehmen sein, eine Kirchenlehrerin, eine Frau, die Theologie betrieben hat, die gehört worden ist. Das wollten wir aufnehmen.

DOMRADIO.DE: In der katholischen Kirche ist die Predigt zumindest in der Eucharistiefeier einem Diakon oder einem Priester vorbehalten. Momentan gibt es zu diesem Thema viele Proteste. Bekommen Sie auch Gegenwind?

Kreidler-Kos: Aus unserer Erfahrung muss man sagen, dass es überwiegend positive Reaktionen waren vom Kirchenvolk, also von der Basis, die das als sehr wohltuend empfunden haben und auch im besten Sinne inspirierend, geistgewirkt und wirksam.

Es tat gut, dass sie Frauen - so war es im letzten Herbst, im nächsten Herbst sollen es Frauen und Männer sein - gehört haben, die als ganz normale Menschen predigen. Wie sie erzählen, wie sie das Wort Gottes berührt, wie sie das einschätzen, wie sie das verkünden, dass Lebenswirklichkeiten abgebildet werden, Hintergründe zur Sprache kommen, die ja ganz, ganz viele normale Menschen auch bewegen. Das wurde als wohltuend empfunden.

DOMRADIO.DE: Aber Gegenwind und Protest gab es trotzdem?

Kreidler-Kos: Ja, wobei wir hier im Bistum sagen können: Diese Aktion ist vom Bischof unterstützt worden, im Gehorsam dem Bischof gegenüber ausgeführt worden. Er hat im Vorfeld an alle Priester einen Brief geschrieben mit der Bitte, dass sie diese Aktion begleiten und unterstützen mögen. Das haben sie auch überwiegend getan.

Ich kann eine ganz eindrückliche Reaktion erzählen. Es gab in einer Gemeinde spontan einen Wechsel. Nicht der Priester, mit dem das abgesprochen war, sondern ein alter Pensionär wurde eingesetzt. Die Frau, die gepredigt hat, stand wahnsinnig unter Druck während dieser Predigt, weil sie nicht wusste, wie er diese Aktion einschätzt. Und dieser alte, wirklich sehr alte Priester sagt am Schluss: "Dass ich das noch erleben darf, dass eine Frau am Ambo steht."

DOMRADIO.DE: Gibt es auch Menschen an der Basis, die sagen: "Also das finde ich nicht richtig so, die Predigt sollte immer noch dem Priester vorbehalten sein"?

Kreidler-Kos: Klar, es gibt natürlich Irritationen diesbezüglich. Das ist ja auch die Praxis der Kirche. Trotz allem wird durch diese Aktion nochmal gestärkt und auch in Erinnerung gerufen, dass alle Getauften und Gefirmten einen Auftrag haben, auch am Verkündigungsdienst der Kirche, und zwar eben qua Taufe. Und das hat schon auch Nachdenklichkeit ausgelöst.

Wir delegieren die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes und das, was es in mein Leben oder in unser Leben hinein zu sagen hat, an die geweihten Personen und nehmen gar nicht mehr ernst, dass das Wort Gottes auch in meinem Leben wirken will. Dafür war es eine gute Aktion, an diesen gemeinsamen Sendungsauftrag nochmal zu erinnern.

DOMRADIO.DE: Es ist ja auch die Frage, wieviel ein Theologiestudium bringt, um dann in einer Predigt die Thematik oder die Bibelstelle so auszulegen, dass die Menschen es auch verstehen.

Kreidler-Kos: Es haben ja Frauen mit verschiedenen Hintergründen gepredigt. Es ging nicht darum, an und für sich predigen zu können, sondern tatsächlich an diesem einen Tag. Das heißt, die Frauen haben sich ganz konkret mit einem Bibeltext auseinandergesetzt und auch nochmal ganz ernsthaft mit der Frage: Warum will ich das eigentlich? Was ist meine persönliche Motivation dazu? Und wie gehe ich auch mit dem Druck der Situation um? Der entsteht auf diese Ernsthaftigkeit.

Eine Predigt ist ja kein Vortrag. Da muss man auch nicht exegetisch irgendwas erklären, sondern eine Predigt ist Verkündigung. Und das bedeutet, die Leute nehmen das ernst, was ich sage. Und im besten Fall wollen sie auch ihr Leben danach ausrichten. Also wie gehe ich mit der Situation um? Wie werde ich der gerecht? Und das heißt, die Frauen haben sich mit diesem einen Bibeltext ganz intensiv und konkret auseinandergesetzt.

DOMRADIO.DE: Kann das ein besonderes und auch ein wichtiges Signal für die ganze Kirche sein?

Kreidler-Kos: Davon bin ich fest überzeugt. Wir erhoffen uns Sichtbarkeit und Hörbarkeit von Frauen. So war es im Herbst. Und die große oder die positive Resonanz und auch die Reaktion vieler Laienmänner, die gesagt haben "Das wollen wir auch" zeigt, dass man über diesen gemeinsamen Sendungsauftrag Menschen nochmal aktivieren kann und sagen: Ja, dann probe auch mal den Ernstfall.

Was bedeutet das, wenn das Wort Gottes in dein Leben spricht? Und was kannst du davon an andere weitergeben? Und ich glaube, dieser belebende, erfrischende oder inspirierende Impuls, der täte auch der ganzen Kirche gut, da bin ich sehr sicher.

Quelle:
DR