Über heiße Tage, kühle Kirchen und die Tracht von Ordensleuten

Abkühlung gesucht

Für viele Biergartenbesitzer und Freibadbetreiber dürfte dieser Sommer ein Segen sein. Doch nicht jeder ist für Hitze und Dauer-Sonnenschein gemacht. Dabei beginnen an diesem Dienstag die richtig heißen Tage. Hilft eine kühle Kirche?

Autor/in:
Joachim Heinz
Ordenstracht auch bei Hitze / © N.N. (KNA)
Ordenstracht auch bei Hitze / © N.N. ( KNA )

"Wetter in Deutschland: Jetzt kommen subtropische Nächte" schlagzeilt Spiegel Online. Die Hundstage stehen ins Haus. Und nach einem in weiten Teilen Deutschlands ohnehin schon sonnigen - und zu trockenen - Sommerauftakt kommt nun eine echte Hitzewelle mit Temperaturen über 30 Grad. Abkühlung tut Not, ein wenig Schatten auch. Das Problem: An Badeseen oder Freibädern wird der Platz allmählich knapp. Wie wäre es alternativ mit einem Gang in die Kirche?

Dort gibt es Stille, bei Bedarf ausweitbar auf innere Einkehr, und - so zumindest will es der Volksmund - drinnen deutlich niedrigere Temperaturen als draußen. Wobei die Rechnung nicht immer aufgeht, wie Kunsthistoriker Matthias Deml zu bedenken gibt. Seine Faustregel: "Je dicker das Mauerwerk, je tiefer der Bau in der Erde steckt, desto kühler."

Nur 22,3 Grad im Kölner Dom

Hinzu kämen dann freilich noch andere Faktoren, etwa "wie viele Kerzen brennen und wie viele Besucher kommen". Der Insider-Tipp des Experten: "Die besten Chancen haben Sie, wenn Sie in eine schöne alte romanische Kirche in die Krypta gehen."

Doch auch große Kathedralen mit viel Publikumsbetrieb können Gutes bewirken - zum Beispiel der Kölner Dom, in dessen Dombauhütte Deml als Pressereferent arbeitet. Auf der Homepage des weltbekannten Gotteshauses wird die aktuelle Innentemperatur mit 22,3 Grad angegeben - deutlich weniger als in der Beton- und Asphaltwüste drumherum, auch "Domplatte" geheißen.

Hohenzollerngruft unter dem evangelischen Dom

In Berlin sind vergleichbare klimatische Bedingungen in der Hohenzollerngruft unter dem evangelischen Dom anzutreffen. Ein Besuch der Grablege, die laut Website zu den bedeutendsten dynastischen Grablegen Europas zählt, steht aber dann vielleicht doch dem Bild vom lebensprallen Sommer arg entgegen.

Zweifellos besser passt ein schattiger Biergarten mit einem kühlen Getränk. Derartiges findet sich vor allem in Deutschlands Süden - praktischerweise recht oft in der Nähe von kühlen Kirchen und Klöstern. Bekannt ist etwa die Schenke von Kloster Weltenburg an der Donau mit der ältesten Klosterbrauerei der Welt, wo es auch ein Eis gibt - allerdings nur bis 19 Uhr. Das "Andechser Bräustüberl" auf Bayerns "Heiligem Berg" ist in diesen Tagen ebenfalls stark nachgefragt und hat wenigstens eine Stunde länger auf als Weltenburg.

Kirchsee oder Biergarten

Im nahen Kirchsee auf den kühlen Grund tauchen und danach noch bis Mitternacht die eine oder andere frische Maß einschenken lassen kann man sich im Biergarten der Reutberger Klosterbrauerei nahe Bad Tölz.

Die dortige Niederlassung der Franziskanerinnen wird es nicht mehr lange geben, wegen Nachwuchsmangels. Das Erzbistum München will das Kloster als geistliches Zentrum erhalten und weiterentwickeln. Die Zukunft der vom Kloster unabhängigen Brauerei gilt dagegen als gesichert.

Hitze und die Kleigung der Ordensleute

Wo wir aber gerade bei Ordensleuten sind: Alle Jahre wieder taucht in interessierten Kreisen die Frage auf, wie Schwestern und Patres und Brüder die heißen Tage überstehen. Die meist brauen oder schwarzen Gewänder, die den Großteil des Körpers verhüllen, erscheinen dem Laien bei großer Hitze eher unkommod.

Irrtum, sagt Pater Andreas, Prior des Benediktiner-Klosters Maria Laach. "Wissen Sie eigentlich, wie die Leute in der Wüste mit der Hitze umgehen? Die mummeln sich ein." Es sei ein Irrtum zu glauben, "dass man hitzemäßig besser davon kommt, wenn man mehr oder weniger unbekleidet durch die Gegend läuft!"

Schwester Praxedis, Generaloberin der Neusser Augustinerinnen, räumt freilich ein: "Mir ist es auch heiß." Bei hohen Temperaturen greifen sie und ihre Mitschwestern auf einen grauen oder weißen Habit zurück, der ein "bisschen dünner" sei.

Praxis im Urlaub

Im Sommerurlaub können Ordensleute auch schon mal ganz auf die ihre Tracht verzichten, ergänzt Pater Bruno, Prior des Zisterzienserklosters Langwaden. Dann unterscheidet sich der Mönch kaum von seinen Mitmenschen. T-Shirts, Shorts und "ein paar Latschen" - das geht schon klar, meint der Ordensmann. Allerdings: "Die sollen vernünftig rumlaufen." Was sich bekanntlich nicht von allen Zeitgenossen in diesen heißen Tagen sagen lässt.

Sonnenglast / © St.Q.
Sonnenglast / © St.Q.
Quelle:
KNA