Trotz Vollzeitjob

Immer mehr Menschen von Armut bedroht

Trotz eines Aufwärtstrends am Arbeitsmarkt steigt in der Europäischen Union (EU) der Anteil der Menschen, die von Armut bedroht sind, obwohl sie einen Vollzeitjob haben.

Alleinerziehende: Besonders armutsgefährdet  / © Marcel Kusch (dpa)
Alleinerziehende: Besonders armutsgefährdet / © Marcel Kusch ( dpa )

Außerdem profitierten insbesondere Kinder und Jugendliche zu wenig von der wirtschaftlichen Erholung nach der Finanzkrise, heißt es in einer Studie der Bertelmann Stiftung.

In dem Gerechtigkeitsindex, der die Teilhabechancen der Menschen misst, belegt Deutschland demnach in diesem Jahr wie im Vorjahr Rang sieben unter den 28 EU-Staaten - an der Spitze liegen Schweden, Finnland und Dänemark, das Schlusslicht ist Griechenland.

Armut trotz Aufschwung

2015 waren laut der Studie 65,6 Prozent der EU-Bürger erwerbstätig, ein Anstieg um fast ein Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Arbeitslosenquote ging von 10,4 auf 9,6 Prozent zurück, liegt aber immer noch deutlich über dem Vorkrisenniveau (7,1 Prozent im Jahr 2008). Diese Entwicklung gehe jedoch nicht einher mit einem deutlich sinkenden Armutsrisiko, hieß es. Noch immer sei fast jeder vierte EU-Bürger von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dabei seien die Werte im Süden und Südosten Europas besonders hoch, so in Griechenland (35,7 Prozent), Rumänien (37,3) und Bulgarien (41,3).

Den Autoren der Untersuchung zufolge ist es auffällig, dass die Anzahl der Menschen weiter steigt, die zwar voll erwerbstätig, aber dennoch von Armut bedroht sind. 2015 waren dies 7,8 Prozent der Vollzeitbeschäftigten in der EU gegenüber 7,2 Prozent zwei Jahre zuvor. Als Grund dafür nennt die Bertelsmann Stiftung unter anderem den wachsenden Niedriglohnsektor. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Aart De Geus, äußerte sich besorgt: "Ein steigender Anteil von Menschen, die dauerhaft nicht von ihrer Arbeit leben können, untergräbt die Legitimität unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung."


Quelle:
epd