Trauerfeier für Mario Adorf in Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael

Abschied vom "verhinderten Gläubigen"

Schlussvorhang für einen der Großen der Schauspielkunst. In der Münchner Jesuitenkirche nahmen Familie, Freundinnen und Weggefährten in einem Gedenkgottesdienst auf bewegende und aufrüttelnde Weise Abschied von Mario Adorf.

Autor/in:
Barbara Just
Adorf ist tot. Er starb am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris. Das Bild wurde am Rande einer Bambi-Verleihung aufgenommen, am 17. Februar 1978. / © Istvan Bajzat (dpa)
Adorf ist tot. Er starb am 8. April 2026 im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris. Das Bild wurde am Rande einer Bambi-Verleihung aufgenommen, am 17. Februar 1978. / © Istvan Bajzat ( dpa )

Der Trauergottesdienst für Hannelore Elsner in der Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael muss Mario Adorf als Besucher 2019 sehr bewegt haben. Sieben Jahren später trafen sich an diesem Samstag nun in dem imposanten Renaissance-Gotteshaus in der Innenstadt seine Familie, Freunde und Weggefährten; auch die Münchner Bevölkerung konnte teilnehmen. Denn es galt Abschied zu nehmen von einem ganz Großen des deutschen, ja des europäischen Films: dem Schauspieler Mario Adorf (1930-2026).

Der Altarraum war geschmückt mit üppigen Sträußen von weißen Lilien sowie einem Kranz des bayerischen Ministerpräsidenten. Dazu kamen zwei riesige Schwarz-Weiß-Bilder. Sie zeigten den Star, wie man ihn in Erinnerung hat: Mit weißem, vollen Haar und seinem bekannten, stets verschmitzten Blick. Für die Musik sorgten die Orgel, ein Streichquartett und Startenor Klaus Florian Vogt, der Schuberts "Des Baches Wiegenlied" aus "Die schöne Müllerin" sang.

Der Sterblichkeit bewusst

Im Alter von 95 Jahren war Adorf am 8. April in Paris gestorben. Dabei hatten viele in seinem Umfeld noch geglaubt, er müsse eigentlich unsterblich sein. Aus den Abschiedsworten war das immer wieder herauszuhören. Adorf selbst war sich seiner Sterblichkeit sehr wohl bewusst, wie Jesuitenpater Martin Stark berichtete.

So hatte der Künstler mit dem ihm üblichen Schmunzeln über den eigenen Tod einmal gesagt: "Diese Rolle spielt jeder Mensch in seinem Leben nur einmal. Niemand kann sich darauf vorbereiten. Aber ich hoffe, ich bin gut." Wer den prominenten Rednern zuhörte, bekam in der Tat den Eindruck, dass da einer auch seinen Abgang perfekt hingelegt hat. In Briefen an einige seiner Freunde hatte er mit Blick auf sein nahendes Ende zuletzt sehr deutlich niedergeschrieben, was ihm wichtig war.

Moses-Figur als Erinnerung

Iris Berben überraschte der vielseitige Adorf mit einem Paket, in dem sich eine Bronzefigur des Berliner Bildhauers Fritz Reuter aus seiner Sammlung fand. Den Moses, der die Tafeln mit den Zehn Geboten hält, wolle er bewusst an die Kollegin weitergeben, offenbarte er im beiliegenden Brief. Berben ist bekannt für ihr gesellschaftliches Engagement und wird nicht müde, immer wieder an die Verbrechen der Nazis an den Juden zu erinnern. Nun sei es an ihr, nicht nachzulassen in dieser Gesellschaft, wachsam zu sein und Haltung zu zeigen.

Axel Milberg erzählte, wie er und seine Frau Judith im Dezember 2024 sich zum Mittagessen in einem Pariser Lokal mit dem Ehepaar Adorf trafen und sich in allerlei Sprachen unterhielten. Ein Genießer sei Adorf gewesen, vor allem aber ein guter Unterhalter. Am Set von "Rossini" sei man in den Pausen zusammengesessen und habe seinen Witzen und Geschichten gelauscht. Anekdoten habe Adorf immer parat gehabt.

Sorge wegen politischer Entwicklung

Auch wenn er ein pointierter und witziger Erzähler gewesen sei, "Selbstbeweihräucherung war ihm ein Gräuel", betonte Tochter Stella Adorf. Sein Spiel sei letztlich so einprägsam gewesen, weil es auf einem genaues Hinschauen beruhte. Und dann wurde die 62-Jährige, ebenfalls Schauspielerin, noch persönlich. Sie sei sehr dankbar, dass ihr Vater von schweren Krankheiten verschont geblieben sei und sie ihn so lange gehabt habe.

Vor allem in den vergangenen Jahren habe sie ihn als Gesprächspartner zu schätzen gelernt, den die politische Entwicklung hierzulande und in Europa besorgt habe. "Er war ein überzeugter Weltbürger." Das vereinigte Europa habe er für eine großartige Errungenschaft gehalten. Ihren Vater habe umgetrieben, dass es bald immer weniger Zeitzeugen gebe, die von den schrecklichen Erfahrungen der Nazi-Zeit berichten könnten.

"Großer Gott, wir loben dich"

Sie sehe es deshalb als sein Vermächtnis an sich und "uns alle" an, sehr aufmerksam zu beobachten, wo Freiheit und Frieden sowie der gesellschaftliche Zusammenhalt gefährdet seien. In solchen Momenten gelte es nicht abzuwarten, sondern Verantwortung zu übernehmen. Alles hat seine Zeit, heißt es im Buch Kohelet. Während die menschliche Zeit immer weiterlaufe, sei die Zeit Gottes die Ewigkeit, sagte Pater Stark. Das Diesseits habe für den katholisch erzogenen Adorf gezählt, der sich selbst als "verhinderten Gläubigen" bezeichnet habe. Denn die Erziehung durch böse Nonnen und einen häufig betrunken Priester hätten ihm den Glauben verleidet.

Adorf habe seine begrenzte Lebenszeit annehmen können als eine Zeit, "die ihm geschenkt und gewährt wurde von dem, der ihm auch die Ewigkeit ins Herz gelegt hat". Am Ende stand dann das gemeinsame Gebet des Vaterunser und das Lied "Großer Gott, wir loben dich". Nach den Worten von Jesuit Stark ist Adorf katholisch aufgewachsen, hat sich aber stets als einen fragenden und zweifelnden Christen beschrieben. "Das finde ich ehrlich." Der Schauspieler hatte 1990 für eine Fernsehproduktion des Ersten mit dem Titel "Prozesse der Weltgeschichte" in einer Folge über Galileo Galilei auch mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., über diesen Fall gesprochen.

Redaktioneller Hinweis: Der Artikel wurde um 18:20 Uhr aktualisiert.

Schauspiellegende Mario Adorf ist gestorben

Schauspieler Mario Adorf ist am Mittwoch im Alter von 95 Jahren gestorben. Die Schauspiellegende sei nach kurzer Krankheit am Mittwochvormittag in seiner Wohnung in Paris eingeschlafen.

Adorf hat im Laufe seiner fast sieben Jahrzehnte währenden Karriere an zahlreichen Produktionen für Theater, Film und Fernsehen mitgewirkt. Er spielte in über 200 Film- und TV-Produktionen mit. Auch als Sprecher und Autor machte er sich einen Namen.

Mario Adorf / © Fredrik von Erichsen (dpa)
Mario Adorf / © Fredrik von Erichsen ( dpa )
Quelle:
KNA