Theologe zu neuem Vatikan-Papier: "Gardinenpredigt für Banker"

 (DR)

Als "Gardinenpredigt für Banker" wertet der Frankfurter Theologe und Ökonom Bernhard Emunds das vorgestellte Finanzmarkt-Papier aus dem Vatikan. Das Schreiben, in dem der Vatikan Ungerechtigkeit und Unmoral in der Finanzwirtschaft anprangert, liege "ganz auf der Linie der päpstlichen Sozialverkündigung", betonte der Leiter des Nell-Breuning-Instituts der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen.

Mit Blick auf "die Missstände in der Finanzindustrie" werde das Papier "überraschend konkret", so Emunds. "Es dürfte das erste Mal sein, dass Fehlentwicklungen in einer einzelnen Wirtschaftsbranche Gegenstand eines ausführlichen offiziellen Schreibens der römischen Kirchenleitung sind." Mit der vorgelegten Agenda stemme sich der Vatikan gegen aktuelle finanzmarktpolitische Tendenzen, die Banken wieder von den etwas strafferen Regeln zu "befreien", die nach der globalen Finanzkrise eingeführt worden waren.

Dabei ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung für Emunds kein Zufall. Denn in vier Monaten jähre sich zum zehnten Mal der Tag, an dem die globale Finanzkrise mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte. Emunds sagte, mit dem Schreiben dränge der Vatikan auf eine konstruktive Debatte in der Weltöffentlichkeit - "mit dem Ziel, die längst wieder wild gewordenen Finanzmärkte an die enge Leine zu legen". (kna)