Theologe Sellmann von Austrittszahlen nicht überrascht

Situation der Kirche wie beim Dieselskandal

Der Bochumer Pastoraltheologe Matthias Sellmann kommt das Rekordhoch bei Austritten aus der katholischen Kirche nicht unvermittelt. "Es wäre überraschend, wenn die Zahlen nicht so hoch wären", sagt er. Ein Ausweg sei der Synodale Weg.

Symbolbild Leere Kirchenbänke / © Ralph Lear (shutterstock)
Symbolbild Leere Kirchenbänke / © Ralph Lear ( shutterstock )

Das sagte er am Mittwoch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Die Kirche hat durch Missbräuche und vor allem durch Vertuschung in einer Flächenbrand-mäßigen Weise das Organisationsvertrauen verloren." Bevor sie über Inhalte ihrer Verkündigung diskutiere, müsse sie daran arbeiten, dieses Vertrauen wiederherzustellen.

Matthias Sellmann / © Julia Steinbrecht (KNA)
Matthias Sellmann / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet aus Sellmanns Sicht der Reformprozess Synodaler Weg. "Sein Ziel ist, strukturelle Missstände abzustellen." Erst wenn diese Hausaufgabe gemacht sei, lohne sich ein Nachdenken der Kirchenverantwortlichen, wie sie in der heutigen Zeit von Gott erzählen wollen.

Wie beim Dieselskandal

Der Theologe verglich die Situation der katholischen Kirche mit dem Dieselskandal. "Wenn ich nicht sicher darauf vertrauen kann, dass ein Auto gut funktioniert, dann kann der Hersteller an der Armatur oder am Lenkrad tun was er will - die Menschen werden nicht in das Auto einsteigen."

Die deutschen Bistümer hatten am Mittwoch ihre Mitgliederstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Demnach traten bundesweit 522.821 Menschen aus der Kirche aus - so viele wie nie zuvor.

Kirchenstatistik 2022 für das Erzbistum Köln veröffentlicht

Die neuen Zahlen der kirchlichen Statistik für das Erzbistum Köln sind veröffentlicht: Ende 2022 gehörten in der Gesamtschau 1.738.011 Katholiken zum Erzbistum Köln. Das sind 67.419 weniger als im Jahr davor. Der Rückgang setzt sich vor allem zusammen aus 51.345 Kirchenaustritten (2021: 40.772) sowie der Differenz zwischen der Anzahl der Sterbefälle (28.695 / 2021: 27.503) und den Taufen (12.571/ 2021: 10.286). Im Jahr 2022 sind im Erzbistum somit 16.124 katholische Personen mehr verstorben, als im selben Zeitraum durch die Taufe in die Kirche aufgenommen wurden.

Generalvikariat des Erzbistums Köln (DR)
Generalvikariat des Erzbistums Köln / ( DR )
Quelle:
KNA