Theologe Kranemann sieht Kirche in Liturgie-Krise

Riten vielen Menschen fremd

Nach Ansicht des Theologen Benedikt Kranemann braucht es neue Formen, wie Menschen heute Gottesdienste feiern können. "Die Krise der Kirche ist auch eine Krise der Liturgie", sagte er auf den Salzburger Hochschulwochen.

Priester während der Niederwerfung bei der Karfreitagsliturgie / © Harald Oppitz (KNA)
Priester während der Niederwerfung bei der Karfreitagsliturgie / © Harald Oppitz ( KNA )

Dieser Niedergang sei unübersehbar und wohl unvermeidbar, eventuell aber auch heilsam. Die Kirche müsse sich dieser Krise stellen, weil sie andernfalls "schlicht existenzgefährdend" sei. Für die katholische Kirche hätten Gottesdienste in langer Tradition eine immense Bedeutung, so der Erfurter Liturgiewissenschaftler.

Prof. Benedikt Kranemann / © Harald Oppitz (KNA)
Prof. Benedikt Kranemann / © Harald Oppitz ( KNA )

Jedoch besuchten nur noch sehr wenige Katholikinnen und Katholiken sonntags eine solche Feier. Diese Entwicklung spiele sich in einem Umfeld ab, in dem Rituale und Feste eigentlich einen hohen Stellenwert hätten. Doch die Strukturen, Riten und Sprache katholischer Liturgie bliebe vielen Menschen fremd und verschlossen.

Bezug zu eigenen Nöten

Auch seien viele Menschen sensibler geworden für ausgrenzende Machtstrukturen, sagte Kranemann. Viele vermissten im Gottesdienst den Bezug zu ihren eigenen Sorgen und Nöten.

Der Theologe kritisierte zudem, dass Liturgie immer noch auf Eucharistiefeiern eng geführt werde. Diese sei jedoch nicht die einzige Form, in der Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenslagen der Begegnung mit Gott nachgehen könnten.

Liturgie

Liturgie bezeichnet im Christentum und Judentum das Verständnis und die Ordnung der Zeremonien des Gottesdienstes. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt öffentlicher Dienst. Neben der Heiligen Messe gehören dazu beispielsweise Taufe, Trauung oder Bestattung. Die Formen, Regeln und Vorschriften der römischen Liturgie haben sich im Lauf der Jahrhunderte verändert; grundsätzlich legt der Papst sie fest. Dazu zählen etwa die Vorgabe bestimmter Gebete oder Regeln zum Ablauf des Gottesdienstes sowie Form und Farbe von Messgewändern.

Hochgebet auf deutsch / © Harald Oppitz (KNA)
Hochgebet auf deutsch / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA