Theologe fordert von Kirche keine Angst vor Veränderungen

Synode nur eine "Quasselstube"?

Der Theologe Beinert sieht als Hauptproblem der katholischen Kirche eine Angst vor Veränderungen. Schon Jesus sei auf die Zukunft ausgerichtet gewesen. "Wer nicht zukunftsgerichtet ist, ist gegen die Tradition des Christentums."

Symbolbild: Reformen und Veränderungen. / © sulit.photos (shutterstock)
Symbolbild: Reformen und Veränderungen. / © sulit.photos ( shutterstock )
Wolfgang Beinert, Theologe, emeritierter Professor und Publizist, in Pentling am 20. Januar 2023. / © Barbara Just (KNA)
Wolfgang Beinert, Theologe, emeritierter Professor und Publizist, in Pentling am 20. Januar 2023. / © Barbara Just ( KNA )

Die Kirche müsse durch die Zeit gehen und nicht schweben, so Wolfgang Beinert gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) weiter. Dabei gelte es die "Zeichen der Zeit" zu erkennen, wie es das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) fordere. Der Professor lehrte von 1978 bis 1998 Dogmatik an der Universität Regensburg. Er wird am 4. März 90 Jahre alt.

Beinert kritisierte, dass die sogenannten Konservativen den Begriff "Zeit" meist negativ sähen: "Was ist denn der Geist der Zeit? Da mögen böse Geister mitmischen, aber vielleicht auch der Heilige Geist." Es gelte das Wort des Apostels Paulus, der geraten habe, alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Angesichts des derzeitigen Zustands der Kirche ergänzte der Theologe: Wenn man wie die Kirche über die Jahre nicht wirklich nach dem Wort Gottes handle, gehe man eben in den Abgrund.

Synode nur eine "Quasselstube"?

Mit Blick auf den von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozess sagte der Dogmatiker, die Umfragen in den Ländern seien viel wert. Es müsse sich aber zeigen, ob die Synode nur eine "Quasselstube" sei, in der die Kinder sagen dürften, wo sie der Schuh drücke - oder ob ein solches Gremium am Ende Entscheidungsbefugnis habe. Um Fragen zum Zölibat oder der Frauenordination zu klären, könne wohl nur ein neues Konzil helfen, so Beinert. Aber die Kurie in Rom fürchte dies mehr "als der Teufel das Weihwasser".

Beinert stammt aus Breslau (Wroclaw). Er studierte Philosophie und Theologie in Bamberg, Rom, Tübingen und Regensburg. 1959 empfing er in Rom die Priesterweihe. Seinen Doktortitel erwarb er an der Päpstlichen Universität Gregoriana, seine Habilitation betreute in Tübingen und Regensburg Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. (1927-2022). Bei ihm war Beinert auch wissenschaftlicher Assistent. Der Bamberger Diözesanpriester ist seit 1978 als Seelsorger an seinem Wohnort Pentling bei Regensburg tätig.

Seine wissenschaftliche Laufbahn führte den Theologen nach Freiburg im Breisgau, an die Ruhr-Universität Bochum, die Bamberger Universität, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und wieder zurück nach Regensburg. Aus seiner Feder stammen Standardwerke wie das Handbuch der Marienkunde sowie das Lexikon der Katholischen Dogmatik. Seit einigen Jahren produziert Beinert auf YouTube auch Videos mit Sonntags-Meditationen zum Tagesevangelium.

Deutsche Katholiken setzen bei Synodalem Weg weiter auf Reformen

Mitten in einer der schwersten Krisen geht das Reformprojekt der katholischen Kirche in Deutschland in eine vorentscheidende Runde. Von Donnerstag bis Samstag treffen sich 230 Bischöfe und Laien zur vierten Vollversammlung des sogenannten Synodalen Wegs in Frankfurt. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit Macht, die Rolle von Frauen, das Leben der Priester und um eine mögliche Neuausrichtung der katholischen Sexualmoral.

Teilnehmer bei der dritten Synodalversammlung in Frankfurt
Teilnehmer bei der dritten Synodalversammlung in Frankfurt
Quelle:
KNA