Theologe Beinert kritisiert Angst vor Veränderungen

Ausrichtung auf die Zukunft bereits bei Jesus

Der Theologe Wolfgang Beinert sieht als Hauptproblem der katholischen Kirche ihre Angst vor Veränderungen. Doch schon Jesus sei auf die Zukunft ausgerichtet gewesen, sagte Beinert. Hoffnung hat er mit Blick auf die Weltsynode.

Jugendlicher mit einem Holzkreuz-Anhänger / © Daniel Jedzura (shutterstock)
Jugendlicher mit einem Holzkreuz-Anhänger / © Daniel Jedzura ( shutterstock )

Gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betonte Wolfgang Beinert: "Wer nicht zukunftsgerichtet ist, ist gegen die Tradition des Christentums." Die Kirche müsse durch die Zeit gehen und nicht schweben; dabei gelte es die "Zeichen der Zeit" zu erkennen, wie es das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) fordere. Der Professor lehrte von 1978 bis 1998 Dogmatik an der Universität Regensburg. Er wird am 4. März 90 Jahre alt.

Wolfgang Beinert, Theologe, emeritierter Professor und Publizist, in Pentling am 20. Januar 2023. / © Barbara Just (KNA)
Wolfgang Beinert, Theologe, emeritierter Professor und Publizist, in Pentling am 20. Januar 2023. / © Barbara Just ( KNA )

Eine Frage der Perspektive

Beinert kritisiert, dass die sogenannten Konservativen den Begriff Zeit meist negativ sähen: "Was ist denn der Geist der Zeit? Da mögen böse Geister mitmischen, aber vielleicht auch der Heilige Geist." Es gelte das Wort des Apostel Paulus. Dieser habe geraten, alles zu prüfen und das Gute zu behalten. Angesichts des derzeitigen Zustands der Kirche ergänzte der Theologe: Wenn man wie die Kirche über die Jahre nicht wirklich nach dem Wort Gottes handle, gehe man eben in den Abgrund. 

Mit Blick auf den von Papst Franziskus angestoßenen weltweiten synodalen Prozess erklärte der Dogmatiker, die Umfragen in den Ländern seien viel wert. Es müsse sich aber zeigen, ob die Synode nur eine "Quasselstube" sei, bei der die Kinder mal sagen dürften, wo sie der Schuh drücke, oder ob ein solches Gremium am Ende auch Entscheidungsbefugnis habe. Um Fragen zum Zölibat oder der Frauenweihe zu klären, könnte wohl nur ein neues Konzil helfen, gab Beinert zu bedenken. Aber die Kurie in Rom fürchtet so etwas mehr "als der Teufel das Weihwasser".

Wolfgang Beinert

Beinert stammt aus Breslau. Er studierte Philosophie und Theologie in Bamberg, Rom, Tübingen und Regensburg. 1959 empfing er in Rom die Priesterweihe. Seinen Doktortitel erwarb er an der Päpstlichen Universität Gregoriana, seine Habilitation betreute in Tübingen und Regensburg Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. (1927-2022). Bei ihm war Beinert auch wissenschaftlicher Assistent.

Der Bamberger Diözesanpriester ist seit 1978 als Seelsorger an seinem Wohnort Pentling bei Regensburg tätig.

Seine wissenschaftliche Laufbahn führte den Theologen nach Freiburg im Breisgau, an die Ruhr-Universität Bochum, auch an die Bamberger Universität und die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und wieder zurück nach Regensburg. Aus seiner Feder stammen Standardwerke wie das Handbuch der Marienkunde sowie das Lexikon der Katholischen Dogmatik. Seit einigen Jahren produziert Beinert auf YouTube auch Videos mit Sonntags-Meditationen zum Tagesevangelium.

Theologen: Synodaler Weg muss tiefgehende Probleme mehr beachten

Aktuelle katholische Reformfragen müssen sich aus Sicht der Theologen Karl-Heinz Menke und Magnus Striet stärker auf grundlegende Probleme fokussieren. "Es geht um die Frage, welches Menschenrecht, welche Vorstellung von Freiheit darf im Raum der katholischen Kirche sein? Das ist der entscheidende Punkt", sagte Striet am Dienstagabend in der Universität Bonn bei einer Debatte zum Reformprozess der katholischen Kirche, dem Synodalen Weg. Es habe Gründe, dass der Vatikan die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen bis heute nicht unterzeichnet hat.

Befürworter des Synodalen Weges / © Elena Hong (DR)
Befürworter des Synodalen Weges / © Elena Hong ( DR )
Quelle:
KNA