Themenwoche zeigt Vielfalt religiöser und anderer Überzeugungen

Einendes Moment

"Woran glaubst Du?", fragt 3sat und widmet religiösen, aber auch anderen Überzeugungen eine Themenwoche. Sie wird am Sonntag Abend von Hajo Schomerus' bildgewaltiger Produktion um 21.45 Uhr eingeläutet.

3sat-Themenwoche: "Woran glaubst Du?" (DR)
3sat-Themenwoche: "Woran glaubst Du?" / ( DR )

Der griechische Patriarch verteilt in der Grabeskirche von Jerusalem - jenem Ort, wo Jesus Christus beigesetzt worden sein soll - das Osterfeuer an seine Gläubigen. Menschen stehen dicht an dicht, Schulter an Schulter, die Flamme hüpft von einem zum nächsten - ein intensiver und gefährlicher Moment in dem Dokumentarfilm "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" des israelischen Filmemachers Hajo Schomerus. Es ist ein Wunder, dass bei dieser alljährlichen Zeremonie noch keine furchtbaren Unfälle geschehen sind. Oder ist es einfach nur Glück? Das hängt wohl vom Glaubenssystem ab, mit dem man dieses Phänomen und die Welt überhaupt betrachtet.

"Glaube ist etwas, was uns alle vereint", sagt Anja Fix, die Leiterin der Subkoordination Dokumentationen und Wirtschaft bei 3sat, dem Internetportal katholisch.de. "Auch wenn nicht jeder Mensch religiös ist, so verbindet uns in den dunkelsten Stunden doch der Glaube an etwas, das uns stärkt und von dem wir uns Kraft erhoffen - dies mag ein höheres Wesen sein, eine Energie oder auch der Glaube an die Menschlichkeit."

Lebensweltliche Aspekte im Vordergrund

Die einzelnen Beiträge zur Themenwoche orientieren sich dementsprechend eher an lebensweltlichen denn an dogmatisch-theologischen Aspekten oder an den Frontlinien der aktuellen politischen Konflikte. Hajo Schomerus etwa beschreibt in seinem Film auf eindringliche, aber auch humorvolle Weise die Reibereien zwischen den christlichen Glaubensrichtungen, die spirituell genauso wie ganz profan räumlich ein Stück der Grabeskirche für sich beanspruchen.

Sein niederländischer Kollege Victor Vroegindeweij fand sich mit Anfang 30 in einer Lebenskrise wieder und dokumentiert im Film "Der Prediger und ich", der am Montag um 21.00 Uhr ausgestrahlt wird, die Begegnung und gemeinsame Sinnsuche mit seinem Freund, einem evangelikalen Priester, dessen Frau schwer erkrankt. Ein Ereignis, das seinen so unerschütterlichen Glauben womöglich auf die Probe stellen wird.

Vielfältiges Programm

Neben Gesprächsrunden und Dokumentationen zu spezifischen Themen wie dem Wunderglauben ("Wunder - das Unglaubliche erklären", Do 26. März, 20.15 Uhr) oder dem gespannten Verhältnis von Religion und Sexualität ("Glaube Liebe Lust", Di 24. März, in drei Teilen ab 22.25 Uhr) präsentiert 3sat auch fiktionale Arbeiten, deren Aufgabe es ja stets ist, den Glauben zumindest an die eigene entworfene Welt entstehen zu lassen.

Womöglich am komplexesten setzt sich die österreichische Regisseurin Jessica Hausner in ihrem Spielfilm über den berühmten Wallfahrtsort Lourdes mit den Hoffnungen, der Sehnsucht und der Desillusionierung auseinander, die entstehen müssen, wo erwartet wird, dass sich das Allmächtige im Alltag manifestiert. Zu sehen ist der Film am 26. März um 22.25 Uhr.

Zuschauer dürfen mitmischen

Zentrales Scharnier der Themenwoche zugleich ist die 3sat-Eigenproduktion "Glaube A-Z", die am Montag um 20.15 Uhr in 26 einzelnen Beiträgen ein Panorama moderner Überzeugungssysteme auffächert, in dem neben den großen Weltreligionen auch obskurere Glaubensarten wie die Ufologie ihren Platz haben. Glaube, so zeigt es auch diese abwechslungsreiche Auswahl an Fernsehbeiträgen, hat immer eine zwingend individuelle Komponente.

Seit mehr als einer Woche bereits dürfen interessierte Zuseher dem Projekt ihre eigene Perspektive hinzufügen: Auf der Website 3sat.de/glaube stellt der Sender die Titelfrage seiner Themenwoche ganz konkret an jeden User, der sich an dieser Umfrage beteiligen möchte. Aus den Antworten soll eine Online-Welt entstehen, in der sich die Vielfalt der Überzeugungen spiegelt und für jeden Besucher nachrecherchieren lässt. Schließlich ist für viele Menschen der virtuelle Raum des Internets längst der wichtigste Wallfahrtsort geworden.

Autor/in:
Tim Slagman
Quelle:
KNA