Tausende Pilger bei Blutritt in Weingarten erwartet

Blutreliquie zieht Tausende nach Oberschwaben

Bei Europas größter Reiterprozession dreht sich alles um eine geheimnisvolle Reliquie mit angeblichen Heilkräften. Ehrengast ist Günther Oettinger. Und: Erstmals seit Jahren ein anderer Blutreiter.

Blutritt in Weingarten / © Silas Stein (dpa)
Blutritt in Weingarten / © Silas Stein ( dpa )

Zum traditionsreichen Blutritt werden am Freitagmorgen im oberschwäbischen Weingarten 1.800 Reiter und Reiterinnen sowie mehrere Tausend Besucher erwartet. Die Reiterprozession ist die größte ihrer Art in ganz Europa und hat eine jahrhundertelange Geschichte.

Blutritt in Weingarten / © Felix Kästle (dpa)
Blutritt in Weingarten / © Felix Kästle ( dpa )

In diesem Jahr trägt der Benediktinermönch Pater Pirmin Meyer die Blutreliquie, um die Pilger zu segnen. Meyer vertritt den angestammten "Blutreiter", den Weingartener Pfarrer Ekkehard Schmid, der vor einigen Wochen beim Probereiten vom Pferd gestürzt war. Ehrengast ist der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Die Festtagspredigt am Donnerstagabend hält der Rottenburger Bischof Klaus Krämer.

Reliquie auf verschlungenen Wegen

Der Legende nach enthält das goldene, mit Edelsteinen besetzte Reliquiengefäß Blut des gekreuzigten Jesus. Es soll direkt nach der Kreuzigung von einem römischen Soldaten aufgefangen worden sein. Über verschlungene Wege gelangte die Reliquie ins italienische Mantua und schließlich im 11. Jahrhundert nach Weingarten.

Der Reliquie werden heilende Kräfte zugeschrieben. Nach Berichten über die Wunderkraft des Blutes Christi kamen immer mehr Pilger in der Hoffnung auf Genesung nach Weingarten. So entstand auch die Reiterprozession, an der zum Höhepunkt im 18. Jahrhundert bis zu 7.000 Reiter teilnahmen. Jahrhundertelang durften nur Männer mitreiten. Für Frauen öffnete sich die Prozession nach heftigen Debatten erst 2022.

Was sind Reliquien?

Reliquien - vom lateinischen "reliquiae" abgeleitet - sind die sterblichen Überreste von als heilig verehrten Personen. Primäre Reliquien sind dabei die Leichname von Seligen oder Heiligen, größere Körperteile von diesen oder die komplette Asche ihrer verbrannten Körper.

Ein Reliquiar in Gestalt einer Reliquienprozession aus dem Jahr 1893 / © Oliver Berg (dpa)
Ein Reliquiar in Gestalt einer Reliquienprozession aus dem Jahr 1893 / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
KNA