Zum traditionsreichen Blutritt werden am Freitagmorgen im oberschwäbischen Weingarten 1.800 Reiter und Reiterinnen sowie mehrere Tausend Besucher erwartet. Die Reiterprozession ist die größte ihrer Art in ganz Europa und hat eine jahrhundertelange Geschichte.
In diesem Jahr trägt der Benediktinermönch Pater Pirmin Meyer die Blutreliquie, um die Pilger zu segnen. Meyer vertritt den angestammten "Blutreiter", den Weingartener Pfarrer Ekkehard Schmid, der vor einigen Wochen beim Probereiten vom Pferd gestürzt war. Ehrengast ist der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU). Die Festtagspredigt am Donnerstagabend hält der Rottenburger Bischof Klaus Krämer.
Reliquie auf verschlungenen Wegen
Der Legende nach enthält das goldene, mit Edelsteinen besetzte Reliquiengefäß Blut des gekreuzigten Jesus. Es soll direkt nach der Kreuzigung von einem römischen Soldaten aufgefangen worden sein. Über verschlungene Wege gelangte die Reliquie ins italienische Mantua und schließlich im 11. Jahrhundert nach Weingarten.
Der Reliquie werden heilende Kräfte zugeschrieben. Nach Berichten über die Wunderkraft des Blutes Christi kamen immer mehr Pilger in der Hoffnung auf Genesung nach Weingarten. So entstand auch die Reiterprozession, an der zum Höhepunkt im 18. Jahrhundert bis zu 7.000 Reiter teilnahmen. Jahrhundertelang durften nur Männer mitreiten. Für Frauen öffnete sich die Prozession nach heftigen Debatten erst 2022.