Tausende bei "Marsch für das Leben" in Berlin und Köln

Proteste für das Lebensrecht und Gegendemos

Mehrere tausend Menschen demonstrierten am Samstagnachmittag in Berlin und erstmals auch in Köln bei einem "Marsch für das Leben" gegen Abtreibung und aktive Sterbehilfe. In beiden Städten gab es zudem Gegenkundgebungen.

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Gregor Krumpholz und Andreas Otto
Demonstranten sammeln sich zum "Marsch für das Leben" in Köln / © Theodor Barth (KNA)
Demonstranten sammeln sich zum "Marsch für das Leben" in Köln / © Theodor Barth ( KNA )

Nach Angaben des Veranstalters demonstrierten insgesamt rund 6.000 Menschen gegen Abtreibung und aktive Sterbehilfe. In beiden Städten seien es jeweils rund 3.000 gewesen, erklärte der Bundesverband Lebensrecht (BVL), ein Zusammenschluss von 15 Vereinen und Initiativen, der beide Märsche organisierte. Nach Schätzung der Berliner Polizei waren es in der Hauptstadt rund 2.000. Die Kölner Polizei machte keine Angaben.

Laut BVL ist der jährliche Marsch die bundesweit größte Kundgebung für den Schutz des Lebens. Dagegen gab es in beiden Städten Protestveranstaltungen.

Gegendemonstration zum "Marsch für das Leben" in Berlin / © Gregor Krumpholz (KNA)
Gegendemonstration zum "Marsch für das Leben" in Berlin / © Gregor Krumpholz ( KNA )

Dagegen gibt es erneut Protestveranstaltungen, unter anderem von einem "Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung", dem Grüne, Linkspartei und die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen angehören. Sie fordern eine unbeschränkte Freigabe von Schwangerschaftsabbrüchen. Beim Demonstrationszug durch die Berliner Innenstadt konnte die Polizei Störversuche nach eigenen Angabenweitgehend verhindern. In Köln geriet der Marsch dagegen ins Stocken. Die Abschlusskundgebung auf dem Heumarkt konnte nicht stattfinden, weil Gegner den Platz besetzten.

Mehrere Bischöfe vor Ort

Beim Berliner Auftakt vor dem Brandenburger Tor begrüßte die BVL-Bundesvorsitzende Alexandra Maria Linder den Berliner Erzbischof Heiner Koch sowie Bischof Rudolf Voderholzer und Weihbischof Josef Graf, die aus Regensburg kamen. Unter den Teilnehmenden waren auch die Weihbischöfe Florian Wörner (Augsburg) und Matthias Heinrich (Berlin).

Demonstranten halten ein großes Banner beim "Marsch für das Leben" am 16. September 2023 am Brandenburger Tor in Berlin / © Gregor Krumpholz (KNA)
Demonstranten halten ein großes Banner beim "Marsch für das Leben" am 16. September 2023 am Brandenburger Tor in Berlin / © Gregor Krumpholz ( KNA )

Bei der Kundgebung auf dem Kölner Heumarkt sprachen die Bundesvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), Susanne Wenzel, und der Vorsitzende des Vereins "Ärzte für das Leben", Paul Cullen. Unter den Zuhörern war auch der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp.

Kritik an der Politik und der Streichung von Paragraf 219 a

Die BVL-Bundesvorsitzende Linder warf der Politik vor, sich für die steigenden Abtreibungszahlen nicht zu interessieren. Sie kritisierte, dass der Bundestag im vergangenen Jahr das sogenannte Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche, den Paragrafen 219 a im Strafgesetzbuch, aufgehoben hatte.

Zusammen mit den rückläufigen Beratungsmöglichkeiten für Schwangere sei dies "frauenfeindlich", sagte die BVL-Bundesvorsitzende. Sie warnte auch vor Bestrebungen, Beihilfe zur Selbsttötung gesetzlich zu erlauben.

Erfahrungen aus anderen Ländern

Marsch für das Leben 2023 in Köln / © Johannes Schröer (DR)
Marsch für das Leben 2023 in Köln / © Johannes Schröer ( DR )

Der Direktor der Organisation "Schreeuw om Leven" (Schrei nach Leben), Arthur Alderliesten, sagte, in den Niederlanden spiele der gesetzlich festgeschriebene Schutz ungeborener Kinder "in der Abtreibungspraxis kaum eine Rolle". Er rief dazu auf, sich für eine europaweite "Pro-Life-Bewegung" zu engagieren.

Der Gründer und Geschäftsführende Direktor der kanadischen "Euthanasie Prevention Coalition" (Koalition zur Euthanasie-Prävention), Alex Schadenberg, warnte mit Blick auf assistierten Suizid vor einer Entwicklung wie in seinem Land. Seit der Legalisierung werde eine solche Beihilfe nicht nur bei unerträglichem Leiden, sondern auch bei Einsamkeit oder Depressionen in Anspruch genommen.

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 17.09.2023 um 8:00 Uhr aktualisiert. 

Mehr Abtreibungen im zweiten Quartal

Die Zahl der Abtreibungen ist im zweiten Quartal 2023 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte, erhöhte sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland von April bis Juni um 4,5 Prozent auf rund 26.700. Damit setzte sich der seit dem 1. Quartal 2022 beobachtete Anstieg im Vorjahresvergleich fort. Die Ursachen für diese Entwicklung seien anhand der Daten nicht bewertbar, hieß es.

Symbolbild Abtreibung / © Andrii Yalanskyi (shutterstock)
Symbolbild Abtreibung / © Andrii Yalanskyi ( shutterstock )
Quelle:
KNA