Tafeln registrieren mehr Nachfrage als Lebensmittel

Folge der Energiekrise

Den Tafeln in Deutschland machen rückläufige Lebensmittelspenden zu schaffen. "Es gibt einen spürbaren Rückgang", sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Mitarbeiterin bei den Tafeln trägt einen Korb mit Lebensmitteln / © Felix Kästle (dpa)
Mitarbeiterin bei den Tafeln trägt einen Korb mit Lebensmitteln / © Felix Kästle ( dpa )

Handelsunternehmen versuchten, weniger zu verschwenden und ihre Ware kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch zu verkaufen.

Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel / © Oliver Mehlis (dpa)
Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Tafel / © Oliver Mehlis ( dpa )

Prinzipiell habe er dafür zwar Verständnis, sagte Brühl. Die Tafeln treffe das aber in der herausforderndsten Situation seit ihrer Gründung vor fast 30 Jahren: "Wir verzeichnen seit Jahresbeginn 50 Prozent mehr Kundinnen und Kunden."

Zwei Millionen Menschen regelmäßig unterstützt

Derzeit würden rund zwei Millionen Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützt. Jede dritte Tafel habe bereits einen Aufnahmestopp verhängen müssen.

"Der Andrang wurde mancherorts zu groß. Wir können ja nur das, was wir gerettet oder gespendet bekommen haben, verteilen", sagte Brühl.

Folgen der Energiekrise

Durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten infolge der Energiekrise kämen nun auch Menschen zu den Tafeln, die vor der Krise halbwegs finanziell über die Runden gekommen sind.

 Einkaufstrolleys vor der Essensausgabe einer Tafel / © Harald Oppitz (KNA)
Einkaufstrolleys vor der Essensausgabe einer Tafel / © Harald Oppitz ( KNA )

Auch das Bürgergeld werde da keine Abhilfe schaffen. "Die Erhöhung der Regelsätze ist unzureichend. Mit etwa 50 Euro mehr pro Monat können Sie nicht mal die Inflation ausgleichen." Deutschland brauche eine soziale Zeitenwende, forderte Brühl.

Ende November hatten Bundestag und Bundesrat die Bürgergeld-Reform beschlossen. Das Bürgergeld soll die bisherigen Hartz-IV-Leistungen ablösen. Die Regelsätze für Erwachsene steigen zum Jahreswechsel um 53 Euro.

Tafeln in Deutschland

Die bundesweit agierenden Tafeln haben sich in den vergangenen 20 Jahren zu einer der größten sozialen Bewegungen in Deutschland entwickelt. Waren es 2002 noch gut 300, gibt es heute bundesweit etwa 900 Tafeln mit rund 2.100 Tafel-Läden und Ausgabestellen. Bei ihnen engagieren sich circa 60.000 ehrenamtliche Mitarbeiter. Alle zusammen versorgen sie mehr als 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln, die sie als Spenden im Handel und bei Herstellern gesammelt haben.

Helfer sortieren  Salat bei der Lebensmittelausgabe in der Kirche Sankt Karl Borromäus in Köln / © Harald Oppitz (KNA)
Helfer sortieren Salat bei der Lebensmittelausgabe in der Kirche Sankt Karl Borromäus in Köln / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
epd