Debatte um Bischof Kohlgraf und seine Anrede

Tach! Ei Gude! Peace, Herr Bischof!

Wie sollte ein Bischof richtig grüßen? Ein "Guten Tag" des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf sorgte für Kritik in den sozialen Netzwerken. Kohlgraf griff den Faden auf und sucht nun selber nach "bischofsgerechten Begrüßungsformeln".

Bischof Peter Kohlgraf / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Peter Kohlgraf / © Harald Oppitz ( KNA )

Was macht man, wenn man einen Bischof auf der Straße trifft? Vermutlich: einfach nett grüßen. Das ist ja schließlich höflich. Ein „Hallo“ oder „Guten Tag“ ist da immer recht unverdächtig – sollte man zumindest meinen.

Für einen Gruß ist Bischof Kohlgraf aus dem Bistum Mainz jetzt kritisiert worden – und zwar bei Facebook. "Ein katholischer Bischof, der 'Guten Tag' sagt? Das lässt schon tief blicken!", kommentierte ein Facebook-User auf Kohlgrafs Seite – was den Mainzer Bischof recht erstaunte. "Was es nicht alles an Kommentaren gibt", schrieb Kohlgraf – und bat um "bischofsgerechte Grußformeln in der Begegnung mit normalen Leuten".

Kreative Vorschläge kamen schnell

Die Antworten seiner Follower ließen nicht lange auf sich warten, auch wenn die Vorschläge zumeist nicht ohne ein großes Augenzwinkern daherkamen. Gleich mehrere User merkten an, dass ein "Guten Tag" wohl durchaus nichts Schlimmes sein, wenn wir im Moment schon einen Papst hätten, der sein Pontifikat mit "Buona Sera" begonnen hatte – also mit "Guten Abend."

Und schließlich sei der Wunsch nach einem guten Tag auch besser als der Wunsch nach einem schlechten Tag – das sei schließlich unhöflich. Und ein Priester merkte an, dass er sich tagelang Mühe gegeben hätte, einen Witz für das traditionelle Osterlachen am Ende der Osternacht zu finden, aber dass dieser Kommentar noch viel lustiger sei.

Was ist denn jetzt bischofsgerecht?

Was die "bischofsgerechten" Grußformeln angeht, so gab es viele kreative Vorschläge. "Hallo, grüß Gott, ahoi", war dabei, auch der Vorschlag, einfach mit "Peace" zu grüßen – den Frieden zu wünschen sei schließlich nie verkehrt. Auch "Tach, wie isset?" und der in Hessen verbreitete Gruß "Ei Gude" waren unter den Vorschlägen.

Jemand anders schrieb, die zeitgemäße Variante wäre wohl "Ey Alter, was geht?" Und schließlich merkte ein User an, eine wirklich bischofsgerechte Grußformel sei wohl sowas wie "Grüße er seinen Bischof, Unwürdiger!"

Und welcher Gruß wird es nun?

Die Kritik des ursprünglichen Kommentators an sich stieß auf viel Unverständnis. Nicht nur die Frage, ob die katholische Kirche im Moment keine anderen Probleme habe, kam auf. Viele erinnerten sich auch an Zeiten, in denen es üblich war, Geistliche zum Beispiel mit "Gelobt sei Jesus Christus" zu grüßen – diese Zeiten seien aber Gott sei Dank vorbei.

Und fast durchgehend wurde angemerkt, dass es wohl wenig angemessen sei, wenn jemand meine, einen Bischof für ein einfaches "Guten Tag" zu kritisieren – schließlich hätte der Knigge auch nichts dagegen.

Welche dieser Vorschläge Bischof Kohlgraf jetzt umsetzen wird, wird sich wohl noch zeigen. Aber eines ist sicher: Über mangelnde Kreativität seiner Facebook-Follower kann er sich nicht beklagen.

Händeschütteln zur Begrüßung (KNA)
Händeschütteln zur Begrüßung / ( KNA )
Autor/in:
Hannah Krewer
Quelle:
DR