Syrische Christen feiern Ostern in Angst vor Gewalt

Osterfeiern nur in Kirchen-Innenräumen

Syrische Kirchen reagieren alarmiert auf Berichte über neue Gewalt gegen Christen. Schaut der islamistisch durchsetzte Staat weg? Auch in Deutschland gibt es Kritik. Dort ist Syriens Interimspräsident Ahmed al-Scharaa zu Gast.

Ein Mitglied der syrischen Sicherheitskräfte sitzt auf einem Fahrzeug, das vor einer Kirche in der überwiegend von Christen bewohnten Stadt Suqailabiyya geparkt ist / © Omar Albam/AP (dpa)
Ein Mitglied der syrischen Sicherheitskräfte sitzt auf einem Fahrzeug, das vor einer Kirche in der überwiegend von Christen bewohnten Stadt Suqailabiyya geparkt ist / © Omar Albam/AP ( dpa )

Mehrere Kirchen in Syrien haben angekündigt, die Osterfeierlichkeiten in diesem Jahr auf die Kirchen oder Innenräume kirchlicher Einrichtungen zu beschränken. Sonst übliche öffentliche Prozessionen oder Feierlichkeiten, etwa mit Kundgebungen und Pfadfinderumzügen, wurden aus Sicherheitsgründen vielfach abgesagt.

Als erste Konfession hatte das melkitisch-katholische Patriarchat in Damaskus diesen Schritt am Wochenende verkündet, weitere Kirchen folgten kurz danach "aus Sorge um die Sicherheit der Gläubigen", wie es in mehreren offiziellen kirchlichen Erklärungen heißt.

 Einschusslöcher sind in einer Wand neben einem Kruzifix / © Omar Albam/AP (dpa)
Einschusslöcher sind in einer Wand neben einem Kruzifix / © Omar Albam/AP ( dpa )

Unmittelbarer Auslöser der Maßnahmen waren Berichte über einen bewaffneten Angriff auf die vor allem von Christen und Alawiten bewohnte Stadt Sukajlabijah im Zentrum Syriens. Medien berichteten von Attacken bewaffneter Personen aus umliegenden muslimischen Dörfern auf Häuser und Geschäfte, ohne dass staatliche Sicherheitskräfte eingegriffen hätten. Zuvor soll es zu Streitigkeiten gekommen sein. Belastbare Angaben zu Opfern gibt es bisher nicht.

An Orten in Syrien kam es in der Folge zu größeren Protesten, bei denen ein Ende der Gewalt, Gerechtigkeit sowie eine Bestrafung der Angreifer gefordert wurden. An den Protesten beteiligten sich laut örtlichen Medien breite Bevölkerungsgruppen. Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochien mit Sitz in Damaskus verurteilte den Angriff und forderte Ermittlungen.

Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht Berlin / © Sebastian Christoph Gollnow (dpa)
Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa besucht Berlin / © Sebastian Christoph Gollnow ( dpa )

Kritik am Staatsbesuch

Mit Blick auf den derzeitigen Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin übten Menschenrechtler und Stimmen aus der Politik auch in Deutschland scharfe Kritik an der als islamistisch geltenden Regierung in Syrien und an wiederholter Gewalt gegen Minderheiten durch radikale Muslime.

Christen in Syrien

Syrien gilt als Wiege des Christentums. Vor dem 2011 ausgebrochenen Bürgerkrieg waren laut Daten der Linzer "Initiative Christlicher Orient" etwa 7 Prozent der damals 21 Millionen Syrer christlich. Aktuelle Zahlen sind schwer zu ermitteln, auch weil mindestens 5,5 Millionen Syrerinnen und Syrer aus dem Land geflohen sind. Nach verschiedenen Schätzungen soll es noch maximal 500.000 Christen in Syrien geben.

Außenansicht der Kirche Sankt Georg in Izra (Syrien) / © Karin Leukefeld (KNA)
Außenansicht der Kirche Sankt Georg in Izra (Syrien) / © Karin Leukefeld ( KNA )


 

Quelle:
KNA