In Südkorea gibt es immer mehr Christen

"Asiatischer Tiger der Kirchen Christi"

In Südkorea sind rund 30 Prozent der Bevölkerung Christen, mehr als die buddhistische Bevölkerung im Land. Die Kirchen haben sich unter anderem durch ihre Kritik an der Militärdiktatur das Vertrauen der Bevölkerung erworben. 

Bischöfe in Südkorea / © Hans Knapp (KNA)
Bischöfe in Südkorea / © Hans Knapp ( KNA )

Der 6. Asiatische Jugendtag ist offizieller Anlass für die am Mittwoch beginnende Südkorea-Reise des Papstes. Mit seinen rund 6.000 Teilnehmern hält sich das Treffen freilich in einem überschaubaren Rahmen - vergleicht man es mit dem Millionenpublikum der Weltjugendtage, aus denen heraus es Anfang der 1990er Jahre entwickelt wurde. Aber Franziskus dürfte bei der Wahl des ersten päpstlichen Reiseziels in Fernost seit 25 Jahren noch weitere Aspekte im Blick haben: Etwa die politische Situation des geteilten Landes, das zudem an der geografischen Nahtstelle politischer Blöcke und Kulturen liegt. Und sicher auch die Erfolgsgeschichte einer Ortskirche, die mit ihrer Dynamik und ihrem Image dem Trend anderer Länder entgegenläuft.

Die katholische Kirche besteht in Korea erst seit 230 Jahren. In ihren ersten hundert Jahren war sie schweren Verfolgungen ausgesetzt und verzeichnete rund 10.000 Märtyrer. Denn die Christen standen in Opposition zur vorherrschenden Kultur, lehnten die Ahnenverehrung und die Verehrung des Konfuzius ab und galten für die Joseon-Dynastie als "gefährliche Religion" - und somit als Staatsfeinde. Diese Märtyrer will der Papst nun mit seiner Reise ehren, indem er in Seoul 124 von ihnen seligspricht, und zwar Opfer aus der Gründergeneration zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bereits Johannes Paul II. hatte bei seiner ersten Koreareise 1984 - zu den 200-Jahrfeiern der Kirche - 103 Märtyrer heiliggesprochen, die aus einer späteren Verfolgungswelle stammten.

Christentum kam durch Laien nach Südkorea

Mit der jetzigen Ehrung trägt der Papst zugleich der Besonderheit Rechnung, dass das Christentum in Korea nicht durch ausländische Missionare Fuß fasste. Es kam durch Laien ins Land, die in Peking mit Christen in Kontakt gekommen waren. Sie brachten deren Schriften mit, studierten und überprüften sie bei ihrer Suche nach Wahrheit. Als 1794 der erste ausländische Priester das Land betrat, fand er bereits 4.000 Gläubige vor. Bis heute spielen katholische Laien eine wichtige Rolle im Leben der südkoreanischen Kirche.

Und diese Kirche hat insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Koreakrieg (1950-53) eine beispiellose Blüte erlebt, bei der ausländische Missionare heute kaum noch eine Rolle spielen. Der koreanische Kirchenhistoriker Tong-Ill Han spricht analog zum Wirtschaftsboom des koreanischen "Tigerstaats" von einem "asiatischen Tiger der Kirchen Christi".

In den vergangenen 60 Jahren verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Südkoreas, während sich die Zahl der Katholiken vervielfachte: von 500.000 auf 5,3 Millionen - davon 41,5 Prozent Männer und 58,5 Prozent Frauen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Priester von 200 auf 4.600, die der Ordensleute von 400 auf über 11.650. Seit Jahren entsendet Korea Missionare ins Ausland. Innerhalb der Gesamtbevölkerung erhöhte sich der Anteil der Katholiken zwischen 2000 und 2012 von 8,8 auf 10,4 Prozent. Der Anteil der Christen insgesamt beträgt in Südkorea 30 Prozent, ähnlich wie der der Religionslosen. Der der Buddhisten beträgt 23 Prozent.

Kirchen haben sich durch Kritik der Diktatur Vertrauen erarbeitet

Jährlich lassen sich in Südkorea über 100.000 Erwachsene taufen, vor allem in den Städten und aus den aktiven, den "modernen" Schichten der Gesellschaft. Als Grund gilt die christliche Botschaft von der Gleichheit aller Menschen. Zudem habe sich die Kirche durch ihre Kritik und Opposition in der Zeit der Militärdiktaturen (1961-87) hohe Anerkennung und großes Vertrauen in der Bevölkerung erworben. Allerdings stößt der Boom inzwischen auch an Grenzen. Zwar steigen die Mitgliederzahlen weiter, aber die Dynamik ist abgeflaut.

Keine zuverlässigen Angaben gibt es über die Lage der Kirche in Nordkorea, wo kirchliche Strukturen nach dem Koreakrieg offiziell verschwanden und jede Religionsausübung verfolgt wird. Zwar gibt es inzwischen in Pjöngjang wieder drei Kirchen, zwei protestantische und eine katholische, die jedoch für ausländische Besucher bestimmt sind.

Neuerdings trat eine staatsnahe Vereinigung nordkoreanischer Katholiken in Erscheinung, die ihre Mitgliederzahl selbst mit 3.000 angibt. Nach anderen Quellen sollen es 800 sein, insgesamt Personen, die vor dem Koreakrieg 1950 getauft worden waren. Die Diözese Seoul hatte Katholiken aus Nordkorea zur Papstmesse eingeladen. Von "nordkoreanischen Stellen" sei jedoch eine Absage gekommen, hieß es aus südkoreanischen Kirchenkreisen.

 

Katholische Priester in Südkorea  (dpa)
Katholische Priester in Südkorea / ( dpa )
Autor/in:
Johannes Schidelko
Quelle:
KNA