Spannung vor der zweiten Synodalversammlung in Frankfurt

Stehen Richtungsentscheidungen an?

Eine Woche nach der Versammlung beraten Deutschlands Bischöfe erneut über die Zukunft der Kirche. Diesmal beim Synodalen Weg, gemeinsam mit Laien, Priestern und Professoren. Richtungsentscheidungen stehen an.

Auftakt der Beratungen der Synodalversammlung am 31. Januar 2020 im Dominikanerkloster in Frankfurt / © Harald Oppitz (KNA)
Auftakt der Beratungen der Synodalversammlung am 31. Januar 2020 im Dominikanerkloster in Frankfurt / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Synodale Weg ist wieder da. Das katholische Reformprojekt, das monatelang im Schatten der Corona-Pandemie stand, nimmt einen neuen Anlauf. Die zweite Synodalversammlung beginnt an diesem Donnerstag in Frankfurt und soll erstmals an konkreten Beschlussvorlagen arbeiten. 14 Textvorschläge aus den Arbeitsgruppen ("Foren") liegen vor. Das Präsidium steuert eine Präambel und einen Orientierungstext bei.

Trotz der Mahnung von Papst Franziskus, der jüngst bei einer ähnlichen Veranstaltung in Rom sagte, Synoden sollten nicht Texte produzieren, sondern Hoffnungen wecken, tun die deutschen Synodalen genau das: Sie arbeiten an Texten. Jeweils 40 Seiten lang sind einige der bislang vorgelegten "Grundtexte", hinzu kommen konkrete Handlungsempfehlungen.

Viel Arbeit für die 230 Synodalen, die bis zum Einsendeschluss am 20. September mehr als 100 Änderungsvorschläge einreichten.

Antragskommissionen sollten die Änderungswünsche aufbereiten. Was dabei herauskam, wird in Frankfurt präsentiert und vermutlich kontrovers diskutiert werden.

Debatte über weitere Marschrichtung

Die Debatte über die weitere Marschrichtung beim Synodalen Weg hatte bereits Anfang September an Fahrt gewonnen, als der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und andere konservative Vertreter eine eigene Homepage mit alternativen Texten freischalteten. Eine spannende Frage ist nun, ob und wie diese Kritik in den Dialog einfließt.

In Fulda haben sich die Bischöfe ausgiebig mit dem offiziellen "Macht-Papier" befasst, das den Synodalen in Frankfurt zur Ersten Lesung vorliegt. Etliche Oberhirten äußerten Unbehagen an einem neuen Kirchenbild, das zwar mehr Demokratie und Kontrolle ermöglicht, nach Meinung der Kritiker aber zu wenig in der kirchlichen Lehre und insbesondere in den verbindlichen Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 - 1965) verwurzelt ist.

Einige der vorgeschlagenen demokratischen Strukturen und Verfahrensweisen seien dem "Wesen der Kirche fremd", hieß es in einem Bericht der Glaubenskommission der Bischofskonferenz zu diesem Thema.

Bemängelt wird auch, dass die Reformer eine weitgehende Trennung von bischöflichem Weihe-Amt und der Autorität in der Kirche anstreben. Auch dies sei von der geltenden Lehre so nicht gedeckt.

Wieviele Bischöfe sagen "Nein"?

Noch ist nicht klar, wie viele Bischöfe das Macht-Papier in seiner Grundausrichtung ablehnen. Wären das 23 oder mehr Bischöfe und Weihbischöfe, hätte der Text nicht die nötige bischöfliche Zweidrittelmehrheit hinter sich und müsste weitgehend umgeschrieben werden.

Nicht nur deshalb liegt Spannung in der Luft. Frankfurts katholischer Stadtdekan Johannes zu Eltz, quasi der lokale geistliche Gastgeber der Versammlung, plädierte vorab für dogmatisch-theologische Abrüstung. Es müssten sich "alle noch einmal darauf verständigen, dass wir bei den vier Feldern des Synodalen Weges - Macht, Frauen, Zölibat und Sexualität - über Themen reden, bei denen es nicht gleich um letzte Wahrheiten geht", sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Davon unabhängig stellt sich die Frage, wie die Synodalen in zweieinhalb Tagen die Fülle an Material diskutieren wollen. Nach der Ersten Lesung der vorhandenen Texte können laut Satzung noch zwei weitere Lesungen folgen. Zwei weitere Synodalversammlungen stehen 2022 noch aus, doch sogar eine weitere Verlängerung der Initiative scheint möglich. Er könne sich das "gut vorstellen", sagte etwa der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.

Und dann ist da noch die internationale Dynamik, die Papst Franziskus ins Spiel gebracht hat. Er hat auf Ebene der Weltkirche einen synodalen Prozess angestoßen, der im Oktober 2023 in eine Weltbischofssynode münden soll. Nur wenn die deutschen Synodalen bis dahin Ideen formuliert haben, die auch in anderen Ländern und Erdteilen Hoffnung wecken und neue Aufbrüche möglich machen, könnten sie - ähnlich wie beim großen Reformkonzil in Rom vor 60 Jahren - erneut Impulsgeber für Veränderungen in der gesamten katholischen Kirche sein.

Autor/in:
Ludwig Ring-Eifel und Joachim Heinz
Quelle:
KNA
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