Mann mit jüdischer Kippa bei Angriff schwer verletzt

Staatsschutz ermittelt in Köln

Ein 18-Jähriger mit jüdischer Kippa ist bei einem mutmaßlichen antisemitischen Angriff in Köln schwer verletzt worden. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki drückte sein Entsetzen aus. Für Antisemitismus dürfe es keinen Platz geben.

Mann mit Kippa in einer deutschen Innenstadt / © Harald Oppitz (KNA)
Mann mit Kippa in einer deutschen Innenstadt / © Harald Oppitz ( KNA )

Der Mann wurde am späten Freitagabend im Kölner Kaiser-Wilhelm-Park von Mitgliedern einer Gruppe geschlagen und getreten, wie die Polizei Köln am Wochenende mitteilte. Einer aus der Gruppe habe dem Opfer zudem seine Kippa vom Kopf geraubt. Rettungskräfte hätten das schwerverletzte Raubopfer unter anderem mit einem Jochbein-Bruch in eine Klinik gebracht.

Tatverdächtige wieder auf freiem Fuß

Die Polizei nahm noch am Samstag kurz nach dem Vorfall zwei mutmaßliche Angreifer im Alter von 18 und 19 Jahren vorübergehend fest. Die beiden Tatverdächtigen seien inzwischen wieder auf freiem Fuß, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Ermittlungen dauerten an. Wegen eines anzunehmenden antisemitischen Hintergrunds der Tat hat der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Der Tat sei nach ersten Ermittlungen eine antisemitische Beleidigung gegen den jungen Kölner vorausgegangen, erklärte die Polizei weiter. Beamte der Leitstelle hätten anhand von Videoüberwachung zwei der mutmaßlichen Tatbeteiligten erkannt und darauf Streifenteams dorthin entsandt.

Woelki: Kein Platz für Antisemitismus

Auf Facebook drückte der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki am Sonntagabend seine Betroffenheit und sein Mitgefühl aus. Der Angriff entsetze ihn zutiefst. "Meine Gedanken und Gebete sind bei dem verletzten jungen Mann und seinen Angehörigen", so Woelki. Es sei "beschämend, dass antisemitisches Gedankengut und Gewalt gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger noch immer an der Tagesordnung sind."

Kirche und der Gesellschaft komme eine besondere Verantwortung für die Sicherheit der "jüdischen Schwestern und Brüder" zu. "Für Antisemitismus darf bei uns kein Platz sein", so der Kölner Kardinal.

Stadtdechant Kleine zeigt sich bestürzt

Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine reagierte mit Bestürzung auf die Nachricht. "Wir blicken in diesem Jahr mit unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern auf 1.700 Jahre jüdisches Leben in unserer Stadt und in unserem Land. Und dann ein solcher antisemitischer Überfall und Angriff", sagte Kleine gegenüber DOMRADIO.DE.

"Das erschüttert mich umso mehr als wir am vergangenen Sonntag zusammen mit Abraham Lehrer von der Synagogengemeinde und vielen anderen aus der Stadtgesellschaft ein großes Plakat am Domforum enthüllt haben, auf dem steht: 'Shalom + Frieden für alle'"

In den vergangenen Monaten und Jahren habe es immer wieder antisemitische Anschläge in Deutschland und antisemitische Übergriffe auch in Köln gegeben, so der Kölner Stadtdechant weiter. "Als katholische Kirche, als christliche Kirchen und als Stadtgesellschaft müssen wir immer wieder klarmachen: Wir stehen an der Seite der Jüdinnen und Juden."

Mit aller Härte des Gesetzes müsse gegen die Täter vorgegangen werden. Aber auch das Gift in den Köpfen der Menschen, das zu solchen Übergriffen führe, müsse bekämpft werden.

Dem jungen Mann wünscht Stadtdechant Robert Kleine alles Gute, "dass er bald das Krankenhaus verlassen kann und dass er ohne Angst in unserer Stadt weiter seinen Glauben bekennen kann."

Oberbürgermeisterin Reker entsetzt

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärte, dass antisemitische Übergriffe in der Stadt nicht geduldet würden. "In unserer Stadt muss jeder und jede angstfrei leben können, egal welcher Religion man angehört, welche Weltanschauung man hat und wie man lebt und liebt", erklärte Reker am Sonntag. Diese Weltoffenheit gehöre zu Köln und mache diese Stadt aus. "Daher schmerzen solche Übergriffe hier bei uns ganz besonders und als Stadtgesellschaft müssen wir deutlich machen, dass wir dies nicht dulden", betonte sie.

Charlotte Knoblauch fordert harte Strafen

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat nach dem antisemitischen Angriff harte Strafen für die Täter gefordert. "Wenn jüdisches Leben nur versteckt in unserem Land möglich ist, dann hat es keine Zukunft. Harte Strafen gegen die Angreifer sind jetzt das Mindeste", schrieb sie am Sonntag auf Twitter.

Rainer Maria Kardinal Woelki / © Reiner Diart (Erzbistum Köln)
Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine ist Mitinitiator des Telefon-Projektes. / © Beatrice Tomasetti (DR)
Dom- und Stadtdechant Msgr. Robert Kleine ist Mitinitiator des Telefon-Projektes. / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, spricht bei einer Corona-Impfaktion vor dem Kölner Dom / © Thomas Banneyer (dpa)
Henriette Reker, Oberbürgermeisterin von Köln, spricht bei einer Corona-Impfaktion vor dem Kölner Dom / © Thomas Banneyer ( dpa )
Charlotte Knobloch / © Peter Kneffel (dpa)
Charlotte Knobloch / © Peter Kneffel ( dpa )
Quelle:
epd , DR , KNA
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