Sri Lanka: Hilfsorganisationen rechnen mit Flüchtlingsströmen - Mehr als 20 Tote bei Anschlag auf Bus

Am Rande des Bürgerkrieges

Sri Lanka steht erneut am Rande des Bürgerkrieges. Viele internationale Beobachter erwarten für die nächsten Tage eine Großoffensive des Militärs gegen das von der LTTE, der tamilischen Rebellenorganisation, kontrollierte Gebiet im Nordosten des Inselstaates. Anfang des Monats hatte die Regierung in Colombo den seit 2002 geltenden Waffenstillstand offiziell aufgekündigt. Mit dem heutigen Tag müssen auch die unabhängigen Beobachter der UN endgültig das Land verlassen. Dieses Gremium hatte den Auftrag, alle Verstöße gegen den Waffenstillstand genau zu dokumentieren.

 (DR)

"Für den Fall einer militärischen Eskalation bereiten wir uns auf große Flüchtlingsströme vor", sagt die Geschäftsführerin von Aktion Deutschland Hilft, Manuela Roßbach. Bereits im vergangenen Jahr kümmerten sich die Mitgliedsorganisation des Hilfsbündnisses neben dem Tsunami-Wiederaufbau um die Versorgung und Betreuung von Tausenden Flüchtlingen im Osten des Landes. "Besonders in Gebieten um die Stadt Batticaloa im Osten tobten monatelang schwere Kämpfe", berichtet Christoph Ernesti von Aktion Deutschland Hilft. Ernesti war bis Ende Dezember vor Ort und leitete das Verbindungsbüro von Aktion Deutschland Hilft in Colombo.

Mehr als 20 Tote bei Anschlag auf Bus
Bei einem Sprengstoffanschlag auf einen voll besetzten Bus im Südosten Sri Lankas sind am Mittwoch mindestens 23 Menschen getötet worden. Das Militär machte die tamilische Rebellenbewegung "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) für den Anschlag verantwortlich. Am Mittwoch endete offiziell die 2002 vereinbarte Waffenruhe, die von der Regierung einseitig aufgekündigt worden war. Nun wird eine Eskalation der Gewalt befürchtet.

Zunächst war unklar, ob eine Bombe in dem Bus versteckt war oder ob das Fahrzeug auf eine Mine gefahren war. Augenzeugen berichteten von Gewehrfeuer nach der Explosion. Fast 70 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Armeesprecher in Colombo mit.

Der Waffenstillstandsvertrag war in der Vergangenheit schon mehrfach von beiden Seiten gebrochen worden. Über die Kündigung von Seiten der Regierung äußerte sich die LTTE schockiert und enttäuscht, obwohl auch sie das Abkommen schon vor Monaten für tot erklärt hatte.

Ebenfalls am Mittwoch endete das Mandat der skandinavischen Beobachter-Mission zur Waffenruhe. Durch ihre Präsenz trugen sie dazu bei, einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen zu verhindern.

Sri Lanka gehört mit zu den vom Tsunami am schwersten betroffenen Ländern. Auch für Aktion Deutschland Hilft ist es ein Schwerpunkt des Wiederaufbaus. Noch immer sind sieben Mitgliedsorganisation im Land präsent. Während es in Indonesien in der Provinz Aceh in Folge der furchtbaren Verwüstungen des Tsunami zu einer Einigung der Konfliktparteien kam, haben sich diese Hoffnungen für Sri Lanka nicht bestätigt. Mit der Ermordung des Außenministers im August 2005 eskalierte der Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen bereits wenige Monate nach der Katastrophe. Bereits im vergangen Jahr hatten die Kämpfe im Norden und Osten des Landes tausende von Toten gefordert. Mehr als 300.000 Menschen begaben sich auf die Flucht. Roßbach: "Wir befürchten, dass jetzt alles noch viel schlimmer wird."