Soziologe beklagt Instrumentalisierung des Glaubens in den USA

Schaden für die Kirche?

Religion kehrt in die Politik zurück, vor allem in den USA. Religionssoziologe Pollack warnt: Das stärke den Glauben nicht, im Gegenteil. Die Politisierung verursache hohe Kosten und beschleunige den Niedergang der Kirche massiv.

Katholizismus in den USA / © Victor Moussa (shutterstock)
Katholizismus in den USA / © Victor Moussa ( shutterstock )

Die Rückkehr von Religion ins Politische, wie sie derzeit zum Beispiel in den USA zu erkennen ist, kann den Rückgang eines Glaubens an Gott nach Expertenmeinung in der Gesellschaft nicht aufhalten. Bei einem Vortrag im österreichischen Linz sagte der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack, die plötzliche Sichtbarkeit und neue politische Relevanz von Religion verursache im Gegenteil zahlreiche "negative Folgekosten". 

Religionssoziologe Detlef Pollack (WWU – MünsterVIEW)

Letztlich beschleunigt diese vermeintliche "Hochphase" den Niedergang. Wie die Linzer Katholische Privat-Universität mitteilte, stellte der Religionssoziologe neben einem Rückgang des wöchentlichen Kirchgangs (bei Katholiken in Deutschland von rund 50 Prozent 1950 auf unter 6 Prozent 2022) auch eine Verflüchtigung des Glaubens an einen Gott und eine Gleichgültigkeit gegenüber Kernfragen des Glaubens fest. 

Leben von positiv besetzten Werten Doch trotz eines anhaltenden Relevanzverlusts bleiben die Kirchen laut Pollack auch in säkularen Gesellschaften wichtige Orte der Regeneration gemeinschaftsstiftender Werte. Obwohl die Kirchen immer seltener "Player der Tagespolitik" oder "gesellschaftliche Dominanzfaktoren" seien, lebten ihre Mitglieder doch gesellschaftlich positiv besetzte Werte wie Solidarität und Fairness. Außerdem genießen laut Pollack die Kirchen in den Bereichen ehrenamtlicher und sozialer Arbeit weiterhin eine hohe Anerkennung. "Die Formen gelebter Gemeinschaftlichkeit sind eine Qualität, die in vielen anderen gesellschaftlichen Kontexten gebraucht wird."

Quelle:
KNA