Sonntagsfrage: Was lernt man in der Sonntagsschule?

Unterricht zum Gottesdienst

Eigentlich ist der Sonntag ein freier Tag. Ein Tag, an dem man nicht zur Arbeit geht und Kinder nicht die Schule besuchen. Doch mit der Sonntagsschule ist das anders. Die ist fest an den ersten Tag der Woche gebunden. Aber wieso? Und was macht man da eigentlich?

Sonntagsschule? / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Sonntagsschule? / © Elisabeth Schomaker ( KNA )

Die Sonntagsschule dient in vielen, vor allem protestantischen Kirchen der sonntäglichen Katechese von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen. Sie hat sich heute häufig zum sogenannten Kindergottesdienst entwickelt. Damals allerdings hatte sie ander Aufgaben:

Alphabetisierung in Elendsvierteln

Gründungsdatum der ersten Sonntagsschule war das Jahr 1780. Der englische Zeitungsverleger und Sozialreformer Robert Raikes begann, am Sonntagmorgen in einem Elendsviertel von Gloucester verwahrloste Kinder anhand der Bibel im Schreiben und Lesen zu unterrichten. Seine eigentliche Absicht war es aber, die Kinder zum christlichen Glauben zu erziehen. Die Sonntagsschule breitete sich in England und kurze Zeit später in Amerika schnell aus und gehörte bald schon zum festen Programmangebot der meisten Kirchen und der Freikirchen. Im Jahr 1803 wurde in London eine interdenominationelle Sonntagsschulunion gegründet.

Graf Adalbert von der Recke-Volmerstein regte in einer Denkschrift aus dem Jahr 1820 den Aufbau von „Sonntagsschulen in den Städten und auf dem Lande“ an. Seine Sorge galt vor allem den „ganz oder halb verwaisten Verbrecher- und Vagabundenkindern beiderlei Geschlechts“.

Der entscheidende Durchbruch der Sonntagsschularbeit gelang allerdings erst 1825. In diesem Jahr erfolgte – inspiriert durch den späteren Gründer der kontinentaleuropäischen Baptistenkirche Johann Gerhard Oncken – die Gründung der Sonntagsschule Hamburg-St. Georg. Oncken hatte die Idee aus England mitgebracht, wo er einige Jahre als Kaufmann tätig gewesen war. Die Hamburger Sonntagsschule wurde zur Keimzelle der Inneren Mission und des Kindergottesdienstes.

Prominente Sonntagsschüler und Sonntagsschullehrer

Zu den bedeutenden Personen, die sich gegenwärtig als Sonntagsschullehrer engagieren, gehört der vormalige US-Präsident Jimmy Carter. An den von ihm gestalteten Sonntagsschulstunden für Erwachsene, die in seiner Heimatgemeinde stattfinden, nehmen jährlich bis zu 12000 Schüler teil.

Zu den bekanntesten deutschen Sonntagsschülern zählt der Komiker Otto Waalkes, dessen Mutter Adele Waalkes Mitglied der Emder Baptistengemeinde war und die ihren Sohn regelmäßig zum Sonntagsschulunterricht schickte.

Sonntags in der Schule / © Marijan Murat (dpa)
Sonntags in der Schule / © Marijan Murat ( dpa )