So wollen die Kirchen im Winter für die Menschen da sein

Heißgetränke, Hilfsangebote und Herzenswärme

Die beiden großen christlichen Kirchen und ihre Sozialverbände warnen vor den sozialen Herausforderungen des kommenden Winters. Doch sie alarmieren nicht nur, sondern bereiten auch konkrete Unterstützung vor.

Obdachloser Mann / © Halfpoint (shutterstock)

Der Kälte begegnen, das wollen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie mit ihrer Aktion #wärmewinter. Konkrete Hilfen wie warme Mahlzeiten und Beratungsangebote verspricht der #wärmewinter ebenso wie zwischenmenschliche Wärme. "Wir wollen damit ein Zeichen setzen, dass Kirche und Diakonie niemanden alleine in der Kälte stehen lassen", sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie zum Start der Aktion. So öffnen beispielsweise in Bremen beheizte Gemeindehäuser ihre Türen für alle Menschen, die in ihren Wohnungen frieren. Auch wird es Heißgetränke, Seelsorge und kulturelle Angebote geben.

Ulrich Lilie / © Harald Oppitz (KNA)
Ulrich Lilie / © Harald Oppitz ( KNA )

Ein Klima der Angst vor Herbst und Winter beobachtet die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus in der Gesellschaft. "Und wenn ich selbst Angst habe und es an meine Grundbedürfnisse geht, dann kommen die Ellbogen raus", sorgt sich die Bischöfin. Ihr Anliegen: Als Kirche alles dafür zu tun, "dass wir verbunden durch den Winter kommen". Auch die katholischen Bischöfe rufen zum Zusammenhalt auf.

Zahlreiche kirchliche Angebote

Mit der Kampagne #wärmewinter soll auch auf längst bestehende Angebote aufmerksam gemacht werden. "Jeder und jede Einzelne soll wissen, wohin er sich wenden kann, wenn er Hilfe braucht", sagte Lilie. In Gemeinden wie auch von Verbänden gibt es zahlreiche Angebote. Aber: "Wir haben kirchlicherseits Luft nach oben, zu zeigen, wofür wir stehen", so Kurschus.

Annette Kurschus / © Paolo Galosi (epd)
Annette Kurschus / © Paolo Galosi ( epd )

Und es gibt originelle Ansätze: Der Berliner katholische Generalvikar Manfred Kollig rief in einem Interview des Portals katholisch.de dazu auf, in Pfarreiräumen oder Schulhorten die Küchen zur Verfügung zu stellen und einzuladen, für- und miteinander zu kochen und zu essen. So würden Begegnungen ermöglicht; außerdem könne man Energie sparen, weil nicht jeder den eigenen Herd anstellen müsse.

Steigender Bedarf

Mit einem steigenden Bedarf an Unterstützung rechnet auch der Deutsche Caritasverband. "Wir bereiten uns gerade darauf vor, dass die Nachfrage nach Schuldnerberatung weiter drastisch ansteigt", sagte Caritas-Sprecherin Anja Stoiser. "Schon im ersten Quartal dieses Jahres haben unsere Schuldnerberatungsstellen von 30 Prozent mehr Nachfrage berichtet, nun wird es voraussichtlich noch einmal mehr."

Berliner Kältehilfe startet mit 1.000 Notübernachtungsplätzen

Die Berliner Kältehilfe startet am Samstag in die diesjährige Wintersaison. Geplant ist, dass bis zu 1.000 Menschen jede Nacht mit einem Schlafplatz versorgt werden können und warmes Essen erhalten, teilte die Liga der Wohlfahrtsverbände am Mittwoch mit. Finanziert werde die Kältehilfe, genauso wie die medizinische Versorgung von Obdachlosen, in hohem Maße durch Spenden.

Lodges als Notschlafstelle für Obdachlose / © Jannis Chavakis (KNA)
Lodges als Notschlafstelle für Obdachlose / © Jannis Chavakis ( KNA )

Für zahlreiche Herausforderungen bietet die Caritas passende Angebote und Projekte. Der Bedarf steige an vielen Stellen - zum Beispiel beim bundesweiten Stromspar-Check, der durch das Bundeswirtschaftsministerium finanziert wird. "Die Kommunen stehen bei uns Schlange, um die Stromsparberatungen anbieten zu können", sagte die Sprecherin. In mehr als 150 Städten und Landkreisen gibt es das Angebot für Menschen mit geringem Einkommen bereits.

Energiepauschale spenden

Caritas wie auch andere kirchliche Sozialverbände riefen dazu auf, die Energiepauschale von 300 Euro zu spenden, wenn man selbst nicht darauf angewiesen ist. Die einmalige Leistung wird im September an Angestellte, Beamte und andere Personengruppen ausgezahlt.

Diese Pauschale ist einkommenssteuerpflichtig, beschert also auch Kirchensteuer-Mehreinnahmen. Beide Kirchen haben gemeinsam angekündigt, dass sie diese Mittel sozialen Projekten zuführen werden. Auch zahlreiche Landeskirchen und Bistümer leisten ihren Beitrag: Bistum Mainz sollen beispielsweise Kirchen im Winter gar nicht beheizt werden; in vielen kirchlichen Bürogebäuden werden die Heizkörper nur mäßig aufgedreht.

Zwiespalt zwischen Sparsamkeit und Hilfe

Kirchen und soziale Einrichtungen sind in einem Zwiespalt - einerseits ist Sparsamkeit geboten, andererseits werden sie wohl in diesem Winter besonders gebraucht werden. "Uns erreichen täglich Notsignale, dass unsere Pflegeeinrichtungen und Kindergärten, aber auch Beratungsstellen und Betreuungsdienste die explodierenden Betriebskosten nicht mehr bezahlen können und im schlimmsten Fall ihren Betrieb einstellen müssten", sagt Diakonie-Präsident Lilie.

Allen Hindernissen zum Trotz: Die Kirchen wollen auch in der dunklen Jahreszeit für die Menschen da sein - und hoffen, dass viele mitmachen, gleich welcher Konfession, Weltanschauung, und ob mit oder ohne Hashtag. Kurschus: "Wir sind in unserer christlichen Verantwortung dazu gerufen, der Kälte mit Herzenswärme zu begegnen".

Autor/in:
Nicola Trenz
Quelle:
KNA