Ordensmann kritisiert Polens Bischöfe

"Sie fürchten, sich die Hände schmutzig zu machen"

Was soll mit Bischöfen geschehen, die Missbrauch vertuscht haben und Täter nur versetzt haben? Der polnische Dominikaner Ludwig Wisniewski hat eine klare Meinung: Sie sollen mutig sein und zurücktreten. Die Bistümer weisen das zurück. 

Polnische Bischöfe / © Paul Haring (KNA)
Polnische Bischöfe / © Paul Haring ( KNA )

Der polnische Ordensmann Ludwig Wisniewski spricht sich im Skandal um den sexuellen Kindesmissbrauch durch katholische Geistliche für den Rücktritt von Bischöfen aus.

"Bischöfe, die dieses Verbrechen vertuscht und pädophile Priester von Ort zu Ort versetzt haben, sollten beim Papst den Rücktritt von ihrem Amt einreichen", verlangt der 82 Jahre alte Dominikaner in einem Gastbeitrag für die katholische Wochenzeitung "Tygodnik Powszechny".

"Emeritierte Bischöfe, die das auch gemacht haben, sollten es mutig und öffentlich eingestehen."

Bistümer weisen Vorwürfe zurück

Die Kirche in Polen habe zunächst so getan, als betreffe sie der Missbrauch nicht, kritisierte Wisniewski. Jetzt benehme sie sich wie jemand, "der sich vor Beginn der unerlässlichen Arbeit davor fürchtet, C".

Die Bistümer haben bisher die Vorwürfe des Opfervereins "Fürchtet Euch nicht" zurückgewiesen. Sie seien gegen die Täter vorgegangen, wie es das polnische Recht und der Vatikan verlangt hätten, betonten sie.

Polnische Bischöfe gaben Studie in Auftrag

Laut einer von der Polnischen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie registrierte die Kirche in ihren Akten von Januar 1990 bis Juni 2018 insgesamt 284 Priester und 98 Ordensmänner als mutmaßliche Täter. Sie hätten 625 Minderjährige sexuell missbraucht.

Wisniewski hatte sich vor der politischen Wende 1989 als Studentenseelsorger und Unterstützer der demokratischen Opposition einen Namen gemacht. Der damalige Geheimdienst zählte ihn zu den wichtigsten Gegnern des kommunistischen Regimes. In den vergangen Jahren protestierte der Dominikaner gegen Fremdenfeindlichkeit in der Kirche und Werbung von Geistlichen für Parteien.

Quelle:
KNA