Erstes Regionalforum im Erzbistum Köln

"Sehr wohlwollendes Streiten um die Zukunft"

Wie geht es weiter mit der katholischen Kirche im Erzbistum Köln? Darüber wurde auf dem ersten Regionalforum des pastoralen Zukunftswegs diskutiert. 500 Gläubige haben sich dafür in Köln zusammengesetzt. Das Fazit fällt positiv aus.

Eindrücke vom ersten Regionalforum des pastoralen Zukunftswegs im Erzbistum Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Eindrücke vom ersten Regionalforum des pastoralen Zukunftswegs im Erzbistum Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )

DOMRADIO.DE: 500 gläubige Katholiken treffen sich und diskutieren über die Zukunft des Erzbistums Köln. Wie war die Atmosphäre am Samstag?

Florian Wallot (Ansprechpartner für die Erwachsenen- und Familienbildung im Erzbistum Köln, Mitorganisator und Begleiter der Regionalforen): Wir sind wirklich sehr glücklich und zufrieden darüber, wie es in Köln gelaufen ist. Es war eine lebendige, offene und sehr klare Diskussion, aber auch eine sehr konstruktive und wertschätzende Atmosphäre.

500 Leute waren da und haben sich beteiligt. Das war eine großartige Resonanz, die uns sehr gefreut hat. Jeder und jede konnte sagen, was ihr oder ihm wichtig war.

DOMRADIO.DE: Es war also nicht ein Meckern und Stänkern über die Kirche, sondern es waren ernstzunehmende, gutgemeinte Vorschläge?

Wallot: Es war ein sehr wohlwollendes Streiten um die Zukunft des Erzbistums. Es gab keine einstimmige Meinung dazu, wie es weitergehen soll. Aber es ging ja darum, die vielen Stimmen zu hören und sie in die Diskussion um die Zukunft des Erzbistums mit einzubeziehen.

DOMRADIO.DE: Waren die Menschen alle in einem Raum oder haben sie sich in Arbeitsgruppen aufgeteilt? Wie muss man sich das vorstellen?

Wallot: Sowohl als auch. Wir haben Plenumsanteile gehabt, bei denen alle zusammen saßen. Nach der Feier der heiligen Messe wurde die Zielskizze 2030 vorgestellt. Das sind die Vorschläge der fünf Arbeitsfelder, die sich in der aktuellen Etappe des pastoralen Zukunftweges zu wichtigen Themen Gedanken machen.

Diese Zielskizze sollte diskutiert werden. Dann gab es mit allen eine große Runde, bei der Rückfragen gestellt und Einschätzungen abgegeben werden konnten. Am Nachmittag gab es in 19 Workshops die Möglichkeit, zu Detailfragen intensiver ins Gespräch zu kommen und Rückmeldung zu geben.

DOMRADIO.DE: Wie offen darf man in einer Runde von 500 Leuten überhaupt sein?

Wallot: Es war eine offene Diskussion. Es gab keine Tabus oder Verbote. Jeder sollte sagen, was ihm wichtig ist für die Zukunft des Erzbistums. Ich mache das mal an einem Beispiel fest: Wir von der Organisationseite waren natürlich interessiert daran, dass der Zeitplan funktioniert.

Das Mittagessen sollte beginnen. Es gab aber noch Menschen, die an Mikrofonen standen und ihre Meinung sagen wollten. Der Erzbischof selbst ist dann aufgestanden und hat interveniert, weil es ihm wichtig war, alle zu hören. Alle sollten zu Wort kommen - und so kam es dann auch.

DOMRADIO.DE: In letzter Zeit wird viel über das Thema "Frauen in der Kirche" gesprochen. Waren die Mitglieder der Initiative "Maria 2.0" auch da?

Wallot: Sie waren dabei. Sie haben sich auch beteiligt und auch am Mikrofon gestanden. Natürlich kam das ganze Meinungsspektrum zur Sprache und so sollte es ja auch sein.

DOMRADIO.DE: Auf den Regionalforen werden keine Beschlüsse gefasst. Mit was geht man jetzt nach Hause? Was passiert mit den vielen Vorschlägen?

Wallot: Der Generalvikar hat den Anwesenden zugesagt, dass alles - sowohl die Wortbeiträge im Plenum als auch die Beiträge in den Workshops - dokumentiert wird. Und so werden wir es auch machen. Die Beiträge werden gesammelt und auch veröffentlicht.

Sie werden den Arbeitsfeldern auf den weiteren Weg mitgegeben. Sie fließen also verlässlich in die weitere Beratung über die Zukunft des Erzbistums ein. Auf diesem weiteren Beratungsweg - bis zum Sommer des nächsten Jahres - wird es auch weitere Beteiligungsformen geben, damit sich noch mehr Menschen an dieser Diskussion beteiligen können.

DOMRADIO.DE: Das war eins von drei Regionalforen. Zwei werden noch stattfinden und zwar in Düsseldorf und in Euskirchen. Erwarten Sie dort auch wieder so eine konstruktive Stimmung, wie Sie es eben beschrieben haben?

Wallot: Ich würde mir wünschen, dass diese Regionalforen genauso offen, konstruktiv und ehrlich sind, wie das Forum in Köln es war. Wenn wir auf diesen beiden Foren wieder eine solche Stimmung, eine solche Beteiligung und ein solches Engagement erleben, dann würde mich das wirklich sehr froh machen.

DOMRADIO.DE: Kann zu den Foren jeder einfach hingehen?

Wallot: Prinzipiell sind alle eingeladen gewesen, mussten sich aber anmelden, weil wir natürlich in den Veranstaltungsräumen polizeiliche Höchstgrenzen der Teilnehmerzahlen haben. Wir hätten es gerne größer gehabt. Aber wir sind schon sehr zufrieden, dass wir es geschafft haben, dass sich fast 1.500 Menschen an diesen drei Foren beteiligen können.

DOMRADIO.DE: Sie haben es eben schon gesagt: Die Beiträge sollen alle festgehalten werden. Ich stelle mir eine sehr dicke Akte vor. Verschwindet oder verstaubt die jetzt irgendwo? Wird darüber diskutiert? Es geht um die Zukunft des Glaubens und der Kirche. Wann kommt ein Punkt, an dem so etwas auch mal umgesetzt werden könnte?

Wallot: Weil es um die Zukunft geht, ist es uns ganz wichtig, dass das tatsächlich nicht irgendwo verschwindet, sondern weiter in der Diskussion wach bleibt. Da ist zum einen ein Blick in die sehr engagierte Arbeit dieser fünf Arbeitsfelder, die schon viele Stunden gearbeitet haben und auch noch weitere Stunden arbeiten werden.

Sie werden alles aufnehmen, was auf den Regionalforen gesagt worden ist. Dann soll es im nächsten Sommer in die Maßnahmenphase gehen, damit tatsächlich auch etwas von dem, was jetzt überlegt wird, umgesetzt wird.

Das Interview führte Andreas Lange.


Eindrücke vom ersten Regionalforum des pastoralen Zukunftswegs im Erzbistum Köln / © Beatrice Tomasetti (DR)
Eindrücke vom ersten Regionalforum des pastoralen Zukunftswegs im Erzbistum Köln / © Beatrice Tomasetti ( DR )
Quelle:
DR
Mehr zum Thema