Krisen schüren nach Beobachtung der Würzburger Theologin Barbara Schmitz die Sehnsucht nach starken Erlöserfiguren. In Zeiten politischer, gesellschaftlicher oder ökologischer Not entstehe das Gefühl, mit den bisherigen Mitteln nicht mehr weiterzukommen, sagte sie am Freitag im Deutschlandfunk. Dann wachse der Wunsch nach einem Messias, der als Heilsbringer und gottgesandter Retter wahrgenommen werde und den Weg in eine neue, bessere Ordnung weise.
Schmitz ist Lehrstuhlinhaberin für Altes Testament und biblisch-orientalische Sprachen und wird ab 1. April eine der Leiterinnen des "Käte-Hamburger-Kollegs" an der Uni Würzburg. Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt soll sich mit messianischen Figuren und Prozessen der Menschheitsgeschichte befassen.
Trump, Putin und Greta Thunberg
Solche messianischen Erwartungen seien über Jahrhunderte, Kontinente und Religionen hinweg zu beobachten und oft eng an Notlagen gebunden, berichtete die Expertin im Deutschlandfunk.
Ein aktuelles Beispiel sei US-Präsident Donald Trump. Er sei von Beginn an von Teilen der christlichen Rechten mit biblischen Erlöserfiguren verglichen und als Retter verehrt worden, was seinen politischen Aufstieg maßgeblich gestützt habe.
Als weitere Beispiele nannte Schmitz den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der gerne in einem messianischen Licht inszeniert werde, sowie Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie sei gerade in der Anfangsphase von Fridays for Future als Retterfigur stilisiert worden: "Das unschuldige Kind, von dem eine alternative Sicht auf die Wirklichkeit ausgeht, die für eine andere Gesellschaftsordnung kämpft, die einen unverstellten Blick hat, die die Welt rettet und die die Wahrheit ausspricht gegenüber den Mächtigen."
Gefahren für Demokratie und Rechtsstaat
Viele solcher messianischen Zuschreibungen und Hoffnungen könnten sehr schnell in autokratische und monologische Herrschaftsvorstellungen kippen, fügte Schmitz hinzu. Dies gelte vor allem dann, wenn ein Führer Anspruch erhebe, alleine zu wissen, wie es zu laufen habe.
In einer demokratischen, rechtsstaatlichen Ordnung müssten politische Entscheidungen begründet und diskutiert werden. Gefährlich werde es, wenn Erlösungshoffnungen als Vorwand dienten, rechtsstaatliche Strukturen auszuhebeln und die Verantwortung an eine vermeintliche Heilsfigur zu delegieren.
In ihrem neuen Forschungsprojekt wolle sie messianische Bewegungen in Geschichte, Politik, Kunst und Religion vergleichend untersuchen, fügte die Theologin hinzu: Dabei gehe es auch darum, junge Menschen für die Risiken solcher Erlösererwartungen zu sensibilisieren.