Segnung der Kölner Rosenmontagswagen

Für ein friedliches und unfallfreies Fest

Langsam steuert die Karnevalssession auf den Höhepunkt, den Rosenmontagszug, zu. Damit alles glatt läuft, werden die Wagen in Köln vorher gesegnet - traditionell vom Stadtdechanten Robert Kleine, der auf gutes Wetter und beste Stimmung hofft.

Segnung mit Weihwasser / © Agenzia Romano Siciliani (KNA)
Segnung mit Weihwasser / © Agenzia Romano Siciliani ( KNA )

domradio.de: Ich vermute, dass dies einer der schöneren Termine für Sie in diesem Jahr ist, oder?

Msgr. Robert Kleine (Kölner Stadt- und Domdechant): Ja, das ist ein sehr schöner Termin in der Vorfreude auf den Rosenmontagszug. Alle sind hier in Köln schon gespannt und hoffen, dass es einen Rosenmontag mit schönem Wetter und schönen Umzugswagen gibt. Die werden heute der Öffentlichkeit präsentiert und eingesegnet.

domradio.de: Wie kann man sich das vorstellen? Wie läuft so eine Segnung ab?

Msgr. Kleine: Die Segnung findet am Karnevalsmusem, dem Sitz des Festkomitees Kölner Karneval, statt. Da sitzen dann die Präsidenten der Karnevalsvereine und diejenigen, die in den letzten Wochen und Monaten die Wagen entworfen und gebaut haben. Die feiern musikalisch untermalt mit dem Dreigestirn und dem Kinder-Dreigestirn. Dann werden die Wagen im Rahmen eines ökumenischen kleinen Wortbeitrags gesegnet. Es werden ein Psalm und ein Gebet vorgetragen und schließlich die Segnung meinerseits mit Weihwasser vorgenommen.

domradio.de: Es ist eine Tradition, dass diese Einsegnung ökumenisch stattfindet, oder?

Msgr. Kleine: Der Karneval hat ja mit der Kirche zu tun. Ohne Kirche und Aschermittwoch gäbe es keinen Karneval. Das bedingt sich. Wir sind in einem guten ökumenischen Miteinander. Bereits bevor der Gottesdienst mit den Karnevalisten im Kölner Dom ökumenisch wurde, gab es schon einen festen Programmpunkt mit dem Stadtsuperintendenten und dem Stadtdechanten, um den Segen Gottes für den Rosenmontagszug zu erbitten. Es geht ja bei dem Segen auch nicht wirklich um die Wagen, sondern um diejenigen, die darauf sind und diejenigen, die sie am Rand bestaunen.

domradio.de: Es ist eine große Verschlusssache, wie die Wagen beim Rosenmontagszug aussehen. Heute werden die Wagen der Presse präsentiert. Haben Sie im Vorfeld schon etwas über die Gestaltung der Wagen mitbekommen?

Msgr. Kleine: Es gab vor einigen Tagen erste Entwürfe und Zeichnungen. Nun sieht man sie also in ihrer Dreidimensionalität. Allerdings nicht alle, denn es gibt immer noch einen Wagen, der bis Rosenmontag vom Festkomitee verborgen ist. Es ist schon immer beeindruckend, die großen Prunkwagen zu sehen. Aber spannend sind sicher auch die einzelnen thematisch gestalteten Wagen. Ich denke, da könnte es um die Politik der USA und der Türkei, aber auch um das, was in Köln so los ist, gehen. Das ist ja das, was den Karneval auszeichnet: den Herrschenden, den Regierenden humorvoll den Spiegel vorzuhalten. Ich glaube, das wird auch in den kommenden Jahren so bleiben - nicht nur in Köln.

domradio.de: Letztes Jahr scheint der Segen ja gut gewirkt zu haben. Wir erinnern uns, es gab Sturmwarnung für den Westen, woraufhin Düsseldorf und Mainz die Züge abgesagt haben. Der Kölner Zug lief. Das hat also gut geklappt mit dem Segen, oder?

Msgr. Kleine: Das ist auch etwas, um das ich mich beim Segen zu erwähnen bemühe, da wir nämlich den heiligen Petrus auch als Patron unseres Domes haben. Der soll doch bitte ein Herz für die Jecken haben. Ich plädiere auch dafür, dass das Weihwasser die einzige Flüssigkeit bleibt, die die Wagen sehen müssen, weil auch so viel an Liebe, an Engagement und an Zeit hineingesteckt wurde. Da wäre es sehr schade, wenn der Zug verregnen würde. Denn dann kommen sicherlich auch nicht so viele Menschen an den Zug und die Stimmung ist nicht mehr ganz so ausgelassen. Grundsätzlich bezieht sich der Segen nicht nur auf das Wetter, sondern darauf, dass es unfallfrei bleibt. Es gab ja auch schon Rosenmontagszüge mit tragischen Unglücken. Wir hoffen doch sehr, dass am Rand nichts passiert. Über allem schwebt immer auch die Angst, dass etwas geschehen könnte. Da hat die Polizei mit dem Festkomitee sicherlich schon gute Vorarbeit geleistet. Es ist keine ganz unbekümmerte Stimmung, wenn man in diesen Zeiten in den Karneval hineingeht. Ich hoffe, dass es ein glückliches, friedvolles und gewaltfreies Fest für unsere Stadt wird. Das alles soll der Segen transportieren.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

Msgr. Robert Kleine, Stadt- und Domdechant / © Jörg Loeffke (KNA)
Msgr. Robert Kleine, Stadt- und Domdechant / © Jörg Loeffke ( KNA )
Kamelle fliegen vom Rosenmontagswagen in Köln / © Oliver Berg (dpa)
Kamelle fliegen vom Rosenmontagswagen in Köln / © Oliver Berg ( dpa )
Quelle:
DR