Schwere Verwüstungen durch Zyklon Mocha

Sorge um Rohingyalager

Der tropische Zyklon Mocha hat am Sonntag die Küsten von Myanmar und Bangladesch erreicht und schwere Verwüstungen angerichtet. In Bangladesch ist ein Rohingya-Flüchtlingscamp mit mehr als einer Million Menschen vom Sturm bedroht.

Autor/in:
Michael Lenz
 © India Meteorological Department/AP (dpa)
© India Meteorological Department/AP ( dpa )

Der tropische Wirbelsturm hatte nach Angaben der Behörde für Meteorologie von Bangladesch in Böen Spitzengeschwindigkeiten von 195 bis 210 Stundenkilometern. Mocha ist laut Wetterexperten der schwerste Zyklon seit 20 Jahren.

Medien und Soziale Netzwerke veröffentlichten Bilder, wonach Mocha sowohl in Bangladesch als auch in Rakhine in Myanmar zu schweren Schäden führte. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen, Häuser wurden beschädigt, Telekommunikations- und Stromversorgung beeinträchtigt.

Reihe an Krisen

"Es ist ein Albtraumszenario, wenn ein Zyklon ein Gebiet trifft, in dem schon vorher ein großer humanitärer Bedarf besteht", erklärte Ramanathan Balakrishnan, Koordinator für humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen in Myanmar, am Sonntag. Hunderttausende verletzliche Menschen seien betroffen, deren Bewältigungskapazität durch eine Reihe von Krisen schon stark beeinträchtigt sei, sagte er mit Blick auf die Folgen der Pandemie und den Bürgerkrieg in Myanmar.

In Bangladesch liegt das Rohingya-Flüchtlingscamp im Bezirk Cox's Bazar, in dem mehr als eine Million Menschen in Hütten aus Bambus und Plastikplanen leben, auf dem Weg des landeinwärts ziehenden Unwetters mit Sturm und schweren Regenfällen.

Gebäude mit Wellblechdächer

In Ermangelung spezieller Zyklonzentren in den Lagern seien befestigte Gebäude wie Schulen, Moscheen und Koranschulen in Notunterkünfte umgewandelt worden, berichtete das Nachrichtenportal Dhaka Tribune am Sonntag. Allerdings seien diese Gebäude wegen ihrer Wellblechdächer auch nicht hundertprozentig sicher.

In der Nacht auf Montag seien bis zu 300 Millimeter Regen in Cox's Bazar sehr wahrscheinlich, hieß es. Folglich bestehe in den Flüchtlingslagern ein hohes Risiko von massiven Überschwemmungen und Erdrutschen.

Katastrophen wahrscheinlich

Cox's Bazar ist einer der am stärksten von Katastrophen betroffenen Bezirke in Bangladesch und anfällig für Wirbelstürme, Überschwemmungen, Erdrutsche und andere Naturgefahren, die nicht nur Menschenleben, sondern auch wichtige Infrastruktur gefährden. Noch immer sind die Lager von den jüngsten verheerenden Bränden in Mitleidenschaft gezogen, von denen 20.000 Flüchtlinge betroffen waren.

Berichte über den Verlust von Menschenleben in Bangladesch und Myanmar gab es am späten Sonntagnachmittag (Ortszeit) noch nicht. In beiden Ländern waren am Samstag Hunderttausende Menschen evakuiert worden. In Myanmar wurden Schulen und buddhistische Klöster zu Notunterkünften.

Zyklonsaison

Die typische Zyklonsaison in der tiefliegenden Region am Golf von Bengalen hängt vom Sommermonsun ab. In den Monaten davor kann es im Mai und Juni und danach im Oktober und November zu heftigsten Stürmen kommen.

1970 ging der Zyklon Bhola als der weltweit tödlichste tropische Wirbelsturm in die Geschichte ein. In Ost-Pakistan, wie Bangladesch damals noch hieß, und im benachbarten indischen Westbengalen kamen am 12. November 1970 eine halbe Million Menschen ums Leben.

Quelle:
KNA