Schuster will KZ-Gedenkstättenbesuch für alle Schüler 

Erinnerungskultur ohne Überlebende schaffen

Mindestens einmal eine KZ-Gedenkstätte besuchen: Das fordert der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster für alle Mädchen und Jungen auf weiterführenden Schulen. 

Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers in der Gedenkstätte Sachsenhausen / © Paul Zinken (dpa)
Eingangstor des ehemaligen Konzentrationslagers in der Gedenkstätte Sachsenhausen / © Paul Zinken ( dpa )

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat eine stärkere Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und den Verbrechen des Nationalsozialismus angemahnt. "Eine historische Aufarbeitung, wie sie an der Spitze der beiden christlichen Kirchen geleistet wurde, vermisse ich in der Breite der Gesellschaft", sagte Schuster laut vorab verbreitetem Redemanuskript am Sonntag in Wiesbaden bei der Reformationsfeier der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Wenig Zeitzeugen übrig

Vor allem für jüngere Menschen und für die wachsende Einwanderungsgesellschaft in Deutschland müsse die Erinnerungskultur neue Formen finden. Für Schülerinnen und Schüler böten neben dem Unterricht Gedenkstätten die beste Möglichkeit, um Kenntnisse zu vermitteln und Empathie mit den Opfern zu entwickeln, sagte Schuster am Sonntag beim Reformationsgedenken der Evangelischen Kirchen Hessen-Nassau in Wiesbaden. Solche Besuche seien auch für Auszubildende in Polizei und Justiz zu empfehlen.

Für Schuster wächst die Bedeutung der Gedenkstätten mit dem Verschwinden der Zeitzeugen des Holocaust. Es gelte heute, eine Erinnerungskultur ohne Überlebende des millionenfachen Massenmordes zu entwickeln, die auch in einer Einwanderungsgesellschaft funktioniere.

"Israelbezogener Antisemitismus" 

Die beiden großen Kirchen in Deutschland sieht Schuster als Partner im Kampf gegen Antisemitismus. "Ihr Rückhalt in den vergangenen Jahren war wichtig und wird es in Zukunft noch mehr sein", sagte er wörtlich. Alle gewännen, wenn gemeinsam Respekt für Glauben und Religion eingefordert werde.

Antisemitismus und Rassismus seien die Todfeinde der Demokratie. Schuster kritisierte zudem einen zunehmenden "israelbezogenen Antisemitismus", der sich auch in kirchlichen Gruppen finde. Für Juden in Deutschland sei das "unerträglich".

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland / © Frank Rumpenhorst (dpa)
Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland / © Frank Rumpenhorst ( dpa )
Quelle:
KNA , epd