Schlussplädoyers im Deggendorfer Missbrauchsprozess

Staatsanwaltschaft fordert Höchststrafe für ehemaligen Priester

Im Deggendorfer Missbrauchsprozess kommt auf den angeklagten katholischen Ex-Priester möglicherweise die Höchststrafe zu. Am Montag wurden unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Schlussplädoyers gehalten. 

Modellhafte Nachbildung der Justitia / © Volker Hartmann (dpa)
Modellhafte Nachbildung der Justitia / © Volker Hartmann ( dpa )

Laut Mitteilung des Landgerichts beantragten Anklage und Verteidigung eine langjährige Haftstrafe sowie die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung. Andernfalls sei nach der Entlassung mit weiteren erheblichen Sexualstraftaten zu rechnen. Zum Schutz der Allgemeinheit forderte die Staatsanwaltschaft Sicherungsverwahrung nach der Haft. Das Urteil wird am Donnerstag erwartet.

Nach einem psychiatrischen Gutachten ist der 53 Jahre alte Angeklagte wegen einer pädophilen Veranlagung vermindert schuldfähig. Dieser Einschätzung hätten sich alle Verfahrensbeteiligten angeschlossen, hieß es.

Der Vorwurf: Vielfacher Kindesmissbrauch

In dem Prozess vor dem Deggendorfer Landgericht musste sich der Mann seit dem 18. Dezember 2017 wegen vielfachen Kindesmissbrauchs verantworten. Weitere Vorwürfe wie gewerbsmäßiger Betrug waren im Laufe des Verfahrens wegen der zu erwartenden Strafe fallengelassen worden.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte sich der Mann zwischen 1997 und 2016 im In- und Ausland an fünf Jungen unter 14 Jahren 110 mal sexuell vergangen und dabei auch Gewalt eingesetzt.

Angeklagter umging Berufsverbot

Wegen mehrerer Sexualverbrechen saß der in Polen zum Priester geweihte Mann bereits von 2003 bis 2009 in Karlsruhe im Gefängnis. In dieser Zeit entfernte ihn ein Kirchengericht in Freiburg aus dem Klerikerstand. Damit war ihm die Ausübung seines Berufes verboten. Trotzdem gab sich der Mann der Anklage zufolge weiterhin als Priester aus, kleidete sich entsprechend, fälschte seinen Dienstausweis und benutzte einen anderen Namen.

Vor seiner Festnahme im Herbst 2016 soll sich der Mann das Vertrauen eines Pfarrers in Niederbayern erschlichen haben und wohnte für mehrere Monate mit seiner Mutter in einem Pfarrhof im Landkreis Deggendorf. Von dort aus soll er sich als Aushilfsseelsorger weitere Opfer gesucht haben.

Quelle:
KNA