Schavan bemängelt fehlenden Gottesbezug in EU-Verfassung

"EU hätte von Deutschland lernen können"

Nach Ansicht der deutschen Vatikan-Botschafterin Annette Schavan hat Europa sich mit der Weigerung, einen Gottesbezug in eine EU-Verfassung aufzunehmen, selbst geschwächt. Das sagte sie in der römischen Kirche San Pietro in Vincoli.

EU-Fahnen in Brüssel / © Thierry Monasse (dpa)
EU-Fahnen in Brüssel / © Thierry Monasse ( dpa )

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs hätten die "Väter und Mütter des Grundgesetzes" beschlossen, Deutschland als Fundament ein Grundgesetz mit dem Bezug auf Gott zu geben. Von dieser Haltung hätte Europa viel lernen können, so Schavan am Montagabend während einer Buchvorstellung.

Leider hätten die EU-Staaten es 2004 aber abgelehnt, einen wie auch immer formulierten Gottesbezug in den - später nicht ratifizierten - Vertrag über eine Verfassung für Europa aufzunehmen.

"Die Welt ist nicht schwarz-weiß"

Schavan kritisierte zugleich die zunehmende Unfähigkeit vieler Politiker, zuzuhören. Stattdessen herrschten häufig kurze und knappe Parolen vor. Die Welt sei aber nicht schwarz-weiß. Und oft fehle die Geduld, inmitten der vielen Grautöne auszumachen, was genau jeweils gefordert sei.

Schavan äußerte sich anlässlich der Vorstellung des Buches "Hunger nach Freiheit" des Generaloberen des Dehonianer-Ordens, Heiner Wilmer. Darin beschreibt dieser die Bedeutung des Mose für die abendländische Gesellschaft. Mose mit seinen Stärken, Schwächen und seinem Hunger nach Freiheit sei eine wahre Führungsperson gewesen: "Jemand, der Menschen befähigt, etwas zu tun, das sie nie tun würden, wenn man es ihnen befiehlt."

Kommt aus dem Vatikan: Annette Schavan / © Paul Sklorz (KNA)
Kommt aus dem Vatikan: Annette Schavan / © Paul Sklorz ( KNA )
Quelle:
KNA