Kapitänin der "Sea-Watch 3" in Italien festgenommen

"Schande für Europa"

Mit 40 Migranten an Bord steuerte Carola Rackete trotz Verbot den Hafen von Lampedusa an. Dabei kollidierte sie mit einem Patrouillenboot und wurde verhaftet. Der evangelische Ratsvorsitzende Bedford-Strohm ist "traurig und zornig".

Die "Sea Watch 3" im Mittelmeer / © Chris Grodotzki (dpa)
Die "Sea Watch 3" im Mittelmeer / © Chris Grodotzki ( dpa )

Die "Sea-Watch 3" ist in der Nacht zu Samstag in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa eingelaufen. Da sich keine Lösung für die 40 Migranten an Bord abzeichne, habe sie sich entschieden, selbstständig in den Hafen einzufahren, sagte Kapitänin Carola Rackete in einem auf Twitter verbreiteten Video. Sie wurde nach der Aktion festgenommen. Dem Sender Rai News zufolge können ihr zwischen drei und zehn Jahren Haft drohen. Die Migranten konnten schließlich von Bord – das Schiff wurde von den Zollbehörden beschlagnahmt.

Nachdem sie den Notstand ausgerufen hatte, fuhr Rackete mit der "Sea-Watch 3" der deutschen Organisation Sea-Watch gegen 1.50 Uhr in den Hafen Lampedusas. Bei dem Manöver gab es einen Zusammenstoß mit einem Patrouillenboot. Berichten zufolge wurde kein Insasse verletzt.

Keine Anlegerlaubnis trotz Aufnahmezusage

Die "Sea-Watch 3" hatte zuvor wochenlang vor Lampedusa auf eine Lösung gewartet. Zuletzt hatten sich unter anderem die Länder Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Portugal zur Aufnahme der Migranten an Bord bereit erklärt. Es gab jedoch aus Italien keine Erlaubnis, sie an Land zu lassen.

Die "Sea-Watch 3" war am Mittwoch ungeachtet eines Verbots in die italienischen Hoheitsgewässer um Lampedusa eingefahren. Am Freitag wurde Kapitänin Rackete wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung angezeigt. Zusätzlich wird ihr laut italienischen Medien ein Verstoß gegen das Seefahrtsrecht vorgeworfen, weil sie die Aufforderung eines nationalen Kriegsschiffes, zu stoppen, missachtet habe. Nach der erzwungenen Hafeneinfahrt kam demnach eine Anklage wegen Zerstörung und versuchtem Versenken eines Küstenschiffs hinzu.

Außenminister Milanesi: "Libyen ist kein sicherer Hafen"

Die Kapitänin hatte am Freitag erklärt, sie habe gemäß dem Seerecht gehandelt und Italien als nächsten sicheren Hafen angesteuert. Ein Rechtsverstoß wäre hingegen gewesen, wenn sie die Menschen zurück nach Libyen gebracht hätte, hieß es. Auch Italiens Außenminister Enzo Moavero Milanesi sagte laut italienischen Medienberichten am Freitag, Libyen sei kein sicherer Hafen.

Die Migranten waren vor mehr als zwei Wochen vor der libyschen Küste geborgen worden. Sie waren nach Angaben der Besatzung erschöpft. Zudem habe es zuletzt vermehrt Sorge um Selbstverletzungen gegeben.

Bedford-Strohm voller Trauer und Zorn

Die Festnahme der "Sea-Watch 3"-Kapitänin ist aus Sicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, eine "Schande für Europa". Er sei "traurig und zornig", erklärte der Landesbischof am Samstag in Hannover. "Eine junge Frau wird in einem europäischen Land verhaftet, weil sie Menschenleben gerettet hat und die geretteten Menschen sicher an Land bringen will. Eine Schande für Europa." Seine Gedanken und Gebete seien bei der Kapitänin Carola Rackete.

Heinrich Bedford-Strohm fährt mit einem Boot zum Schiff "Sea-Watch" / © Annette Reuther/EKD (dpa)
Heinrich Bedford-Strohm fährt mit einem Boot zum Schiff "Sea-Watch" / © Annette Reuther/EKD ( dpa )
Quelle:
KNA