Salesianerorden warnt vor Massenabschiebungen in Mexiko

Mexikanische Grenzstadt ruft Notstand wegen Abschiebungen aus

Sie kommen in der Nacht an, haben weder Kontakte noch Orientierung. Eine Abschiebung aus den USA nach Mexiko ist für viele Menschen traumatisch. Mit Trumps Amtsantritt werden die Zahlen weiter steigen, warnen Experten.

Flüchtlinge aus Mittelamerika vor ihrer Abschiebung (dpa)
Flüchtlinge aus Mittelamerika vor ihrer Abschiebung / ( dpa )

Vor dem Regierungsantritt von Donald Trump befürchtet die mexikanische Grenzstadt Tijuana Massenabschiebungen aus den USA. "Die Lage ist ernst", sagte Claudia Portela, Leiterin der Migranten-Aufnahmezentren des Salesianerordens, am Samstag der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress.

Der designierte US-Präsident, der an diesem Montag vereidigt wird, hatte bereits im Vorfeld Massenabschiebungen angekündigt. "Die Drohungen sind real. Schon seit Trump im November gewählt wurde, haben die Deportationen aus den USA zugenommen. Hier in Tijuana stellen wir uns auf ähnliche drastische Maßnahmen ein wie in seiner ersten Amtszeit oder sogar noch auf eine Verschärfung", so die Sozialexpertin.

Für die Abgeschobenen ist laut Portela die Rückkehr nach Mexiko oft ein traumatisches Erlebnis. "Viele wissen nicht, wohin sie gehen sollen. Sie landen oft mitten in der Nacht in Tijuana, ohne Orientierung, ohne Kontakte und mit großer Unsicherheit." Besonders problematisch sei die Situation für Familien mit Kindern, die Trumps Ankündigungen zufolge in Zukunft vermehrt betroffen sein könnten. "Die emotionale Belastung ist enorm. Sie fühlen sich verlassen, wissen nicht, wie sie ihre Zukunft gestalten sollen, und stehen vor einer völlig unbekannten Umgebung."

Die meistüberquerte Grenze der Welt

Die am Pazifik gelegene Stadt Tijuana, deren Grenzübergang zum kalifornischen San Diego der meistüberquerte der Welt ist, hat wenige Tage vor der Amtsübernahme Trumps den Notstand ausgerufen, um auf die drohende Krise vorbereitet zu sein. "Die Stadt plant Notfallprotokolle, etwa die Nutzung von Sporteinrichtungen als Unterkünfte, falls die regulären Kapazitäten überschritten werden. Doch wir wissen aus Erfahrung, dass die Infrastruktur schnell überfordert sein könnte", warnte Portela.

Ein Problem sei eine mangelnde Einbindung der Zivilgesellschaft in die Planungen. "Die Regierung hat Organisationen wie uns nicht konsultiert, obwohl wir an vorderster Front stehen. Das erschwert die Koordination und den effizienten Einsatz der Ressourcen", hieß es.

Kirche in Mexiko

Mexiko ist nach Brasilien das größte katholische Land der Welt. Nach Vatikanangaben sind mehr als 90 Prozent der rund 120 Millionen Mexikaner Katholiken. Andere Quellen nennen etwas niedrigere Zahlen.

Unter den spanischen Eroberern erfolgte die Christianisierung der indianischen Urbevölkerung im 16. Jahrhundert oft unter Zwang und mit brutaler Gewalt. Die Methoden wurden von der Inquisition weitgehend gebilligt oder auch angeordnet.

Kathedrale in Mexiko City / © Victor SG (shutterstock)
Quelle:
KNA