Rücktritte im Vorstand der Odenwaldschule nach Missbrauchsskandal

"Diese Schule war eine Täterinstitution"

Fünf Mitglieder des siebenköpfigen Vorstands der wegen Missbrauchsverdacht in die Kritik geratenen Odenwaldschule sind zurückgetreten. Sie zogen damit die Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal. Nur Schulleiterin Kaufmann und Geschäftsführer Salijevic verblieben auf ihren Vorstandsposten.

 (DR)

Für 29. Mai seien Neuwahlen angesetzt, sagte die bisherige Vorsitzende Sabine Richter-Ellermann nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung in der Schule. Es seien aber noch keine Kandidaten aufgestellt. Der bisherige Vorstand sei «nicht unbelehrbar», betonte Richter-Ellermann. Nötig sei nun aber ein Neuanfang. «An das, was hier passiert ist, wird sich die Schule immer erinnern.»

Der frühere Vorstand habe «in der Vergangenheit einiges versäumt», sagte der Sprecher des Trägervereins, Philipp Sturz. «Das war kein freiwilliger Rücktritt.» Die Verantwortlichen hätten in der Vergangenheit nicht ausreichend die Opfer sexuellen Missbrauchs angehört. «Diese Schule ist eine Täterinstitution gewesen», sagte Sturz. Der Trägerverein habe auf seinem Treffen am Samstag aber auch festgehalten, dass das Familiensystem als Teil des pädagogischen Konzepts der Privatschule «bewahrenswert ist».

Die Zeitspanne, in der die Missbrauchsfälle sich ereignet haben sollen, erstreckt sich von 1966 bis 1991. Beschuldigt werden acht ehemalige Lehrkräfte. Besonders unter Druck geraten ist der Pädagoge Gerold Becker, der die Odenwaldschule von 1972 bis 1985 leitete.