Religionsgemeinschaften verurteilen Mordanschlag auf Passauer Polizeichef

Braune Gefahr nicht nur im Osten

Nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl haben die Religionsgemeinschaften in Bayern Maßnahmen gegen Rechtsradikalismus gefordert. Der Münchner katholische Erzbischof Reinhard Marx sagte, die Menschen seien gefordert, Toleranz zu bezeugen und die Menschenwürde in den Mittelpunkt ihrer Handlungen zu stellen.

 (DR)



Rechtsradikalismus richte sich gegen die Grundsätze des Christentums. In diesem Sinne müsse alles getan werden, solch radikale Bewegungen zu überwinden, sagte Marx am Montag in München.

Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich forderte die Bürger auf, im Widerstand gegen den Rechtsextremismus nicht nachzulassen. Das bayerische Bündnis für Toleranz, dem rund 20 Organisationen aus Kirchen, Politik, Wirtschaft, Bildung und anderen gesellschaftlichen Bereichen angehören, werde sich nachdrücklich für eine starke Demokratie einsetzen, so Friedrich.

«Sollte sich die Annahme bewahrheiten, dass der Attentäter aus der rechtsextremistischen Szene stammt, haben wir es mit einer neuen Form von Gewalt zu tun, die ein härteres Vorgehen gegen Neonazis erfordert», erklärte die Präsidentin des Zentralrates der Juden, Charlotte Knobloch. Sie fügte hinzu, es müssten parteiübergreifend alle Möglichkeiten geprüft werden, um den «braunen Umtrieben ein Ende zu setzen.» Sie begrüße die Absicht von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), das NPD-Verbotsverfahren erneut auf den Weg zu bringen.
Der Leiter der Passauer Polizeidirektion, Alois Mannichl, war am Samstag vor seinem Haus niedergestochen worden. Die Polizei vermutet einen Anschlag der rechtsradikalen Szene. Politiker forderten daraufhin ein härteres Vorgehen gegen Rechtsradikalismus. In Passau fand am Montag auf Initiative von Hochschulgruppen eine Demonstration gegen rechte Gewalt statt.