Religiöse Menschen sind laut Umfrage spendenbereiter

Fast doppelt so viele ehrenamtlich aktiv

Religiöse Menschen sind laut einer Umfrage spendenfreudiger als andere. So spendeten im Jahr 2022 rund 71 Prozent der Christen und 69 Prozent der Muslime für wohltätige Zwecke - im Vergleich zu 59 Prozent ohne Religionszugehörigkeit.

Symbolbild Spende / © Andrei Korzhyts (shutterstock)

Das geht aus dem aktuellen Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung hervor, der der "Zeit" (Donnerstag) vorliegt. Auch die Bereitschaft, Flüchtlingen zu helfen, ist demnach groß. Allerdings lasse sich hier eine Bevorzugung von Schutzsuchenden der eigenen Religion ablesen. So gaben 82 Prozent der Christen an, vor allem Ukrainern helfen zu wollen, 88 Prozent der Muslime würden vor allem Syrer unterstützen.

Ehrenamtlich engagieren sich unter Religiösen 31 Prozent

Ehrenamtlich engagieren sich unter religiös gebundenen Menschen demnach 31 Prozent, fast doppelt so viele wie unter den
Nichtreligiösen (17 Prozent). Dabei sei für religiös orientierte Menschen die ehrenamtliche Arbeit von Natur aus näherliegend,
schreibt Studienleiterin Yasemin El-Menouar in der "Zeit". "Religiöse Gemeinden bieten niedrigschwellig und ganz selbstverständlich die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren."

Religionen wirkten sich oft positiver auf die Gesellschaft aus als gedacht, so El-Menouar. "Man kann sagen: Der Glaube fördert
solidarisches Verhalten." Zugleich warnte die Islamwissenschaftlerin davor, dass in einer zunehmend säkularen Gesellschaft die Vorbehalte gegen Religionen im Allgemeinen, aber auch gegen religiöse Gruppen verstärkt werden könnten.

"Negative Stereotype über Religion aufbrechen"

So handelten Debatten über Religionen - insbesondere den Islam - zumeist noch von Problemen. "Gelungene Beispiele für Religiosität und erfolgreiche (inter-)religiöse Initiativen müssen stärker sichtbar werden, damit negative Stereotype über Religion aufbrechen", forderte El-Menouar. Dadurch könne antidemokratischen Bestrebungen entgegengewirkt sowie der Zusammenhalt gestärkt werden.

Generell zeige die Befragung ein hohes Maß an Solidarität in der deutschen Gesellschaft. Insbesondere in Krisensituationen zeigten die Deutschen ein starkes solidarisches Verhalten. So gaben 73 Prozent der Befragten an, bei einer Flutkatastrophe wie der im Ahrtal wieder spenden zu wollen, 63 Prozent würden auch bei einem Erdbeben in einem anderen Land, wie in der Türkei und Syrien, spenden. Auch hier liege die Spendenbereitschaft bei religiösen Menschen jeweils etwa 10 Prozentpunkte höher.

Für den Religionsmonitor wurden den Angaben zufolge knapp 11.000 repräsentativ ausgewählte Menschen in Deutschland befragt. Die vollständige Studie veröffentlicht die Bertelsmann Stiftung am Donnerstag. 

Hintergrund: Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung

Die christlichen Kirchen verlieren einer Studie zufolge angesichts anhaltend sinkender Mitgliederzahlen weiter an gesellschaftlicher Bedeutung. Nach dramatischen Austrittszahlen für die evangelische und die katholische Kirche in den letzten Jahren spielen laut der Umfrage viele weitere Menschen mit dem Gedanken, der Institution den Rücken zu kehren. Überproportional von Austrittserwägungen betroffen ist die katholische Kirche, wie der "Religionsmonitor 2023" der Bertelsmann Stiftung ergab. Dafür hatte das Institut Infas 4363 Personen ab 16 Jahren bundesweit repräsentativ befragt.

Holzkreuz auf einer Bibel / © Elena Elisseeva (shutterstock)
Holzkreuz auf einer Bibel / © Elena Elisseeva ( shutterstock )
Quelle:
KNA