Priester Rothe zieht bei Münchener CSD-Parade mit

"Teile die Ziele des CSD uneingeschränkt"

Am Wochenende hat es in Städten wie Leipzig, Frankfurt und Rostock queere Paraden gegeben. Die Outfits waren oft bunt. Unter den Teilnehmern in München war auch ein katholischer Priester, der "die Ziele des CSD uneingeschränkt" teilt.

München: Wolfgang Rothe, katholischer Priester (r), nimmt an der Parade anlässlich des Christopher Street Day (CSD) in der Innenstadt teil / © Karl-Josef Hildenbrand (dpa)
München: Wolfgang Rothe, katholischer Priester (r), nimmt an der Parade anlässlich des Christopher Street Day (CSD) in der Innenstadt teil / © Karl-Josef Hildenbrand ( dpa )

Der katholische Geistliche Wolfgang Rothe hat beim Christopher Street Day in München Flagge gezeigt: Mit schwarzer Hose, schwarzem Hemd, weißem Priesterkragen und Regenbogenfahne lief Rothe am Samstag bei der Politparade des CSD mit, an der sich rund 140 Gruppierungen mit aufwendig geschmückten Umzugswagen beteiligten.

Seifenblasen werden während der Demonstration zum Christopher-Street-Day (CSD) in die Luft gelassen / © Sebastian Willnow (dpa)
Seifenblasen werden während der Demonstration zum Christopher-Street-Day (CSD) in die Luft gelassen / © Sebastian Willnow ( dpa )

Auch in Leipzig (etwa 20 000 Teilnehmer), Frankfurt am Main (13 500 Teilnehmer) und Rostock (10 000 Teilnehmer) gab es am Samstag Paraden für mehr Respekt. In Berlin begannen mit dem lesbisch-schwulen Straßenfest in Berlin-Schöneberg die Feierlichkeiten rund um den CSD in Berlin nächstes Wochenende.

Der Christopher Street Day findet jedes Jahr in vielen Städten in aller Welt statt und erinnert an Ereignisse vom 28. Juni 1969: Polizisten stürmten damals die New Yorker Schwulen- und Lesbenbar "Stonewall Inn" in der Christopher Street und lösten dadurch mehrtägige Proteste von Schwulen, Lesben und Transsexuellen aus. Der CSD soll an die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Intersexuellen und queeren Menschen erinnern.

"Ich teile die Ziele des CSD uneingeschränkt"

"Ich möchte für meinen Teil um Verzeihung bitten für das, was queeren Menschen in unserer Kirche angetan wurde", sagte Rothe, der Pfarrvikar in einer Münchner Pfarrei ist, vor dem Umzug in der bayerischen Landeshauptstadt. "Ich teile die Ziele des CSD uneingeschränkt".

Der Priester Wolfgang Rothe am 19. Januar 2022 auf dem Münchner Marienplatz. / © Dieter Mayr (KNA)
Der Priester Wolfgang Rothe am 19. Januar 2022 auf dem Münchner Marienplatz. / © Dieter Mayr ( KNA )

Bei der Parade zogen nach Polizeiangaben mehr als 25.000 Menschen bei angenehm sommerlichen Temperaturen durch München, viele in bunten, fantasievollen Kostümen.

Der offen schwule Pfarrvikar Rothe wollte mit seiner erstmaligen Teilnahme ein Zeichen setzen. 2021 segnete er homosexuelle Paare in einem katholischen Gottesdienst, gegen den Willen des Vatikan. Anfang des Jahres erschien ein Buch über katholisches Queer-Sein von ihm: "Gewollt. Geliebt. Gesegnet.".

Änderung kirchlichen Arbeitsrechts angekündigt

Einiges bewegt sich inzwischen: Im Januar outeten sich 125 queere Beschäftigte der Kirche und protestierten unter dem Motto #OutInChurch gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz. Und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Georg Bätzing, kündigte unlängst eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechtes an. In der katholischen Kirche kann es bislang den Job kosten, sich etwa zu einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft zu bekennen.

Rothe sprach von Schritten in die richtige Richtung. "Das sind Signale, die Hoffnung machen dürfen", sagte er. Aber: "Wie konsequent das am Ende ausfällt, das wird man sehen."

Kirchliches Arbeitsrecht

Die arbeitsrechtlichen Bedingungen für die rund 1,3 Millionen Mitarbeiter der Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände in Deutschland unterscheiden sich erheblich von den für andere Arbeitnehmer geltenden Bestimmungen. Grundlage dafür ist das Grundgesetz, das den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften ein weitgehendes Selbstverwaltungs- und Selbstbestimmungsrecht einräumt. So dürfen die Kirchen mit Blick auf die Glaubwürdigkeit ihrer Verkündigung von ihren Mitarbeitern bestimmte Loyalitätspflichten einfordern.

Kirchliches Arbeitsrecht / © Elisabeth Schomaker (KNA)
Kirchliches Arbeitsrecht / © Elisabeth Schomaker ( KNA )
Quelle:
dpa