Priester in Nicaragua in Haft

Papst und Kardinal solidarisch

Erneut Priester in Haft - Nicaraguas Regierung geht gegen die Kirche vor, Papst Franziskus und der Erzbischof der nicaraguanischen Hauptstadt sprechen ihre Solidarität aus. Derweil geht die "grausame Jagd" weiter.

Kirche Le Merced in Granada, Nicaragua / © takawildcats (shutterstock)
Kirche Le Merced in Granada, Nicaragua / © takawildcats ( shutterstock )

Nach weiteren Festnahmen von katholischen Priestern in Nicaragua haben Papst Franziskus und der Erzbischof von Managua den inhaftierten Geistlichen ihre Solidarität ausgesprochen. 

Beim Neujahrs-Gottesdienst auf dem Petersplatz versicherte Franziskus am Montag den Betroffenen und ihren Angehörigen sowie der Kirche in Nicaragua seine Nähe.

Aufruf zur Geschlossenheit

Der Erzbischof von Managua, Kardinal Leopoldo Brenes, rief nach der neuerlichen Verhaftungswelle zur Geschlossenheit auf: "Den Familien und Gemeinschaften, die in dieser Zeit die Abwesenheit ihrer Priester spüren oder andere Arten von Trauer erleben, möchte ich meine Verbundenheit mit ihnen ausdrücken", sagte Brenes laut Portal "Nicaragua investiga" in einem Gottesdienst zum Jahreswechsel in der Kathedrale von Managua. "Es ist eine Zeit, in der wir gemeinsam im Gebet den Trost Gottes und in der kirchlichen Einheit unsere Kraft suchen."

In Nicaragua geht das linksautokratisch-sandinistische Regime weiter gegen die katholische Kirche vor. Wie lokale Medien berichten, wurden unmittelbar vor dem Jahreswechsel weitere fünf Geistliche verhaftet. Damit stieg die Zahl der innerhalb einer Woche festgenommenen Kirchenvertreter auf 14 an.

Inhaftierte Geistliche aus dem Erzbistum der Hauptstadt

Wie das Portal "100% Noticias" unter Berufung auf den in den USA im Exil lebenden nicaraguanischen Weihbischof Silvio Baez berichtet, stammen die nun verhafteten fünf Geistlichen alle aus dem Erzbistum der Hauptstadt Managua.

"Die sandinistische Diktatur hat in dieser Woche eine grausame Jagd auf Priester entfesselt und mehrere von ihnen inhaftiert, zusätzlich zu zwei Bischöfen, die bereits im Gefängnis waren", wird Baez zitiert, der von Papst Franziskus aufgefordert wurde, Nicaragua 2019 aus Sicherheitsgründen zu verlassen. 

Die Wut der kriminellen Diktatur Ortegas, die sich gegen die Kirche richte, halte weiter an, sagte Baez, der den Rest der Welt bat, die Kirche in Nicaragua nicht alleine zu lassen und sich solidarisch zu zeigen.

Kirchenvertreter seien "Teufel, die Hass säen"

Die Verhaftungswelle erfolgte nach einer jüngsten Verbalattacke von Vizepräsidentin Rosario Murillo, der Ehefrau von Machthaber Daniel Ortega. In den von der Familie Ortega kontrollierten staatlichen
Medien sagte Murillo, Kirchenvertreter seien "Teufel, die Hass in der nicaraguanischen Gesellschaft säen".

Unmittelbar um die Weihnachtstage wurde Bischof Isidoro del Carmen Mora Ortega aus der Diözese Siuna von der Karibikküste von der Polizei festgenommen. Er soll sich in einer Predigt hinter den bereits inhaftierten und verurteilten Bischof Rolando Alvarez gestellt haben. 

Das UN-Menschenrechtsbüro für Zentralamerika verurteilte daraufhin im Kurznachrichtendienst X, ehemals Twitter, das "erzwungene Verschwinden von Bischof Isidoro Mora in Nicaragua vor acht Tagen und die neue Welle von Verhaftungen von Ordensleuten".

Schwere Krise in Nicaragua seit 2018

Die schwere Krise in Nicaragua begann 2018, als Studierende zunächst gegen eine mutmaßlich von der linksregierten Regierung geduldeten oder gar initiierten Brandrodung in einem Naturschutzgebiet auf die Straßen gingen. Schnell weiteten sich die Proteste landesweit aus. 

Das Ortega-Regime schlug die Demonstrationen mit brutaler Gewalt nieder, Pfarrer und Bischöfe öffneten ihre Kirchen, damit die Demonstrierenden Schutz vor den Polizeikugeln finden konnten.

Nicaragua kappt diplomatische Beziehungen mit Vatikan

Nicaragua hat wohl die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl gekappt. Grund ist ein Interview des Papstes, in dem er das Regime mit ehemaligen kommunistischen Diktaturen und dem Nationalsozialismus verglichen hatte. Das berichtet die Zeitung "La Presa" aus Managua unter Berufung auf diplomatische Kreise in Rom.

Fahne Nicaraguas / © BUTENKOV ALEKSEI (shutterstock)
Quelle:
KNA