Positives Fazit zum Festjahr "1.700 Jahre jüdisches Leben"

"Resonanz hat uns überwältigt"

Kurz vor dem Abschluss des Festjahres zu 1.700 Jahre jüdischen Lebens in Deutschland ziehen die Veranstalter ein positives Fazit. Das Festjahr habe dazu beigetragen, "dass jüdisches Leben in seiner Vielfalt sichtbarer geworden ist".

Das Schofarhorn wird auch beim Morgengebet des jüdischen Neujahrsfestes Rosch Haschana geblasen.  / © tomertu (shutterstock)
Das Schofarhorn wird auch beim Morgengebet des jüdischen Neujahrsfestes Rosch Haschana geblasen. / © tomertu ( shutterstock )

Es sei erfreulich, dass das Jahr mit seinen "vielfältigen Projekten, die so unterschiedliche Angebote wie einen Podcast, einen Online-Kochkurs, Puppentheatervideos für Kinder und einen Wettbewerb zum Laubhüttenfest 'Sukkot' umfassten, ein wirklich breites Publikum ansprechen konnte", sagte der evangelische Pfarrer Joachim Gerhardt, Vorstandmitglied des Vereins "321-2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Köln.

Pfarrer Joachim Gerhardt / © U. Pueschmann (Evang. Kirchenkreis Bonn)

"Das baut Vorurteile ab und hat Wirkung weit über das Festjahr hinaus". 

"Jüdisches Leben sichtbar gemacht"

So wurde das Laubhüttenfest "Sukkot" durch die Initiative des Trägervereins erstmals in Deutschland öffentlich gefeiert, 30 Veranstaltende in 13 Bundesländern haben über 40 Laubhütten im öffentlichen Raum errichtet. "Jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen, ist uns mit solchen Aktionen ganz konkret gelungen", erklärte Gerhardt.

Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Rosner (Erzbistum Köln)
Kolumba, Kunstmuseum des Erzbistums Köln / © Rosner ( Erzbistum Köln )

Wegen der Corona-Pandemie und ihrer Einschränkungen dauert das Jubiläumsjahr länger als eigentlich geplant. Das offizielle Ende ist der 31. Juli 2022.

Noch bis zum 15. August läuft zum Beispiel die Ausstellung "In die Weite. Aspekte jüdischen Lebens in Deutschland" im Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln. Und für den 23. Juni ist die große Abschlussveranstaltung des Festjahres im Jüdischen Museum in Berlin geplant.

Mehr als 2000 Veranstaltungen 

Seit Anfang 2021 hatte es über 2.400 Veranstaltungen (Stand: 3. Juni) gegeben. Damit sei die Zahl der Termine mehr als verdoppelt worden. "Wir sind anfangs von rund 1.000 Veranstaltungen ausgegangen. Diese positive Resonanz hat uns überwältigt", sagte der Pfarrer aus Bonn.

Auch das Feedback durch das Publikum sei positiv gewesen. "Die Angebote auf unserer Homepage, unser Podcast, die Online-Video-Ausstellung 'Jewersity' oder die "Bubales"-Puppentheater-Videos, in denen etwa jüdische Feiertage erklärt wurden, wurden intensiv genutzt", betonte Gerhardt. Während des Festjahres gab es pro Monat im Schnitt 28.000 Zugriffe auf die Website und auch während der Verlängerung ebbte die Nachfrage kaum ab.

Festjahr hat Menschen zueinander geführt

Gerade vor dem Hintergrund des weiterhin bestehenden Antisemitismus in Deutschland sei es wichtig, dass das Festjahr viel in "Bewegung gesetzt" und Menschen zueinander geführt habe, sagte das Vorstandsmitglied. Das Festjahr habe darüber aufgeklärt, "was jüdisches Leben in Deutschland heute eigentlich ausmacht".Es sei ein großer Wunsch aller Beteiligten, dass diese Dynamik nicht auslaufe. "Dazu braucht es den politischen Willen, weiter offen zu sein für die Impulse und Anliegen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland."

Das seit 2021 begangene Jahr der Begegnung erinnert an das Edikt des römischen Kaisers Konstantin, das im Jahr 321 den Juden den Zugang zu städtischen Ämtern im Kölner Stadtrat erlaubte. Das Schriftstück gilt als frühester Nachweis über jüdisches Leben in Mitteleuropa.

Verein 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.

Der Verein 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V. hat sich am 18. April 2018 im Gemeindehaus der Synagoge Köln gegründet.

Ziel des Vereins ist es, die Bedeutung der jüdischen Kultur und Geschichte für Deutschland und Europa wachzuhalten, auf ihr 1700-jähriges Bestehen hinzuweisen und dazu zentrale Feierlichkeiten im und rund um das Festjahr 2021 anzustoßen bzw. zu organisieren.

In Planung stehen neben einem Festakt in Köln zahlreiche bundesweite Kulturevents sowie die Herausgabe von Publikationen.

Ein jüdischer Mann mit einer Kippa / © Nelson Antoine (shutterstock)
Autor/in:
Michael Bosse
Quelle:
epd