Scharfe Debatte um ehemaligen Papstsekretär Dziwsz

Polnischer Politiker nennt Kardinal einen "Betrüger"

In Polen wird die Kritik am Krakauer Kardinal und ehemaligen Papstsekretär Stanislaw Dziwisz lauter. Der Abgeordnete Bartlomiej Sienkiewicz nannte den 81-Jährigen einen "Betrüger und Menschen mit doppeltem Gesicht".

Kardinal Stanislaw Dziwisz mit einem Bild von Papst Johannes Paul II. / © Marcin Mazur (KNA)
Kardinal Stanislaw Dziwisz mit einem Bild von Papst Johannes Paul II. / © Marcin Mazur ( KNA )

Dziwisz habe Missbrauchstäter geschützt und seine Hilfeleistung verheimlicht, so der Politiker der liberalen Oppositionspartei Bürgerplattform am Mittwoch im Privatsender Radio Zet. Der Vatikan sei "zerfressen von Korruption und sexueller Leidenschaft", schimpfte Sienkiewicz. Auch in Polens katholischer Kirche gebe es einen "Sittenverfall".

Gegen Dziwisz demonstrierten am Dienstagabend in Krakau laut polnischen Medien rund 100 Menschen vor der Bischofsresidenz und der ebenfalls in der Altstadt gelegenen Wohnung des Kardinals. Dem Online-Portal Onet zufolge skandierten sie "Krakau dziwiszfrei", "Schande" und "jagt Bischöfe, nicht Bürger".

Anschuldigungen in TV-Reportage

Anlass war die Reportage "Don Stanislao - Das andere Gesicht von Kardinal Dziwisz" des Nachrichtensenders TVN24 von Montagabend. Darin wurde der 81-Jährige beschuldigt, Hinweise auf sexuellen Kindesmissbrauch ignoriert und vertuscht zu haben. Der US-Amerikaner James Grein sagte in der Sendung, der 2019 aus dem Klerikerstand entlassene Ex-Kardinal Theodore McCarrick (90) habe 1988 für eine Privataudienz mit Papst Johannes Paul II. (1978-2005) 10.000 Dollar an Dziwisz gezahlt. Grein wurde nach eigenen Angaben seit seinem elften Lebensjahr über fast ein Vierteljahrhundert von McCarrick sexuell missbraucht. Bei der gemeinsamen Papstaudienz im Juli 1988 habe er McCarrick, damals Erzbischof von Newark, entlasten sollen.

Dziwisz war während des gesamten Pontifikats von Johannes Paul II. dessen Privatsekretär und anschließend bis 2016 Erzbischof von Krakau, dem vormaligen Bischofssitz von Karol Wojtyla. Der heutige Erzbischof Krakauer Marek Jedraszewski warnte am Mittwoch bei einer Messe zum polnischen Nationalfeiertag in der Wawel-Kathedrale vor "Versuchen, in Polen eine antichristliche, neomarxistische Kultur einzuführen". Zu den Vorwürfen gegen Dziwisz äußerte er sich bislang nicht.

Dzwisz weißt Behauptungen zurück

Dziwisz hatte am Montagabend erneut eine unabhängige Untersuchungskommission zu den Anschuldigungen vorgeschlagen. "Ich möchte eine transparente Aufklärung dieser Fragen", so der Kardinal in einer schriftlichen Erklärung. In der TV-Reportage wies er alle Vorwürfe zurück. Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, sagte, er hoffe, dass alle in der Sendung angeführten Fragen durch eine Vatikan-Kommission geklärt werden.

Quelle:
KNA