Polnische und ukrainische Kirche rufen zu Solidarität auf

Beten für den Frieden

In der Krise mit Russland fordern die ukrainischen und polnischen Bischöfe der römisch-katholischen und griechisch-katholischen Kirche eindringlich die Abwendung eines Militäreinsatzes.

Protestteilnehmer in Tschechien halten eine große Fahne in den Farben der ukrainischen Nationalflagge hoch, um ihre Unterstützung mit der Ukraine deutlich zu machen. / © Petr David Josek/AP (dpa)
Protestteilnehmer in Tschechien halten eine große Fahne in den Farben der ukrainischen Nationalflagge hoch, um ihre Unterstützung mit der Ukraine deutlich zu machen. / © Petr David Josek/AP ( dpa )

In ihrem am Montag in Kiew und Warschau veröffentlichten Appell rufen sie die Regierungen zu Dialog und Verständigung auf und mahnen sie, Feindseligkeiten zu unterlassen. Zugleich betonen die Bischöfe: "Die derzeitige Situation stellt für die Länder Mittel- und Osteuropas und den gesamten europäischen Kontinent eine große Gefahr dar, die die Fortschritte vieler Generationen beim Aufbau einer friedlichen Ordnung und Einheit in Europa zerstören kann."

Bischöfe fordern Dialog statt Waffengewalt

Die Bischöfe haben nach eigenen Worten mit Besorgnis aufgenommen, "dass die jüngste Gesprächsreihe zwischen Russland und dem Westen nicht zu einer Einigung geführt hat". Staats- und Regierungschefs zahlreicher Länder hätten auf einen zunehmenden Druck Russlands auf die Ukraine hingewiesen, schreiben der Kiewer griechisch-katholische Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk und der Vorsitzende der römisch-katholischen Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki.

"Wir ermuntern die Staats- und Regierungschefs, unverzüglich Abstand davon zu nehmen, Ultimaten zu stellen und ein anderes Land als Druckmittel auszunutzen", so die Bischöfe in ihrem Appell. Alle Probleme sollten nicht durch Waffengewalt, sondern durch Vereinbarungen gelöst werden. Die Bischöfe unterstreichen, "dass jeder Krieg ein Unglück ist und niemals ein geeignetes Mittel zur Lösung internationaler Probleme sein kann".

Beten und Fasten für Frieden in der Ukraine

In Polen rief der Bischofskonferenz-Vorsitzende Gadecki für Mittwoch zu einem Tag des Betens und Fastens für Frieden in der Ukraine auf. Damit schloss er sich einer entsprechenden Bitte des Papstes an. Franziskus hatte am Sonntag auf dem Petersplatz ebenfalls seine Besorgnis um die Ukraine geäußert.

Schewtschuk, Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche der Ukraine, sagte, die Ukrainer lebten derzeit in großer Angst und Unsicherheit. Er dankte dem Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) für die Solidarität mit seinem Land. CCEE-Präsident Erzbischof Gintaras Linas Grusas hatte am Freitag erklärt, die gesamte internationale Gemeinschaft sehe das Vorgehen der russischen Streitkräfte als reale Bedrohung für den Frieden an. "Wir umarmen - in dieser Zeit der Angst und Ungewissheit über die Zukunft des Landes - unsere Brüder und Schwestern im Glauben und alle Menschen in der Ukraine", so Grusas, der Erzbischof der litauischen Hauptstadt Vilnius ist.

Russland hat an der Grenze zur Ukraine nach Angaben Washingtons und Kiews mehr als 100.000 Soldaten zusammengezogen. Moskau weist den Vorwurf zurück, einen Militäreinsatz gegen die Ukraine vorzubereiten. - Fast zehn Prozent der Ukrainer gehören der mit Rom verbundenen griechisch-katholischen Kirche an, etwa ein Prozent sind römisch-katholisch.

Autor/in:
Oliver Hinz
Quelle:
KNA