Politiker und Religionsvertreter würdigen Peres

"Brückenbauer für den Frieden im Nahen Osten"

Nach dem Tod von Israels früherem Präsidenten Schimon Peres haben Politiker und Religionsvertreter dessen Bemühungen um Frieden im Nahen Osten und den Staat Israel gewürdigt. Auch Papst Franziskus sprach seine Anteilnahme aus.

Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) empfängt am 26.01.1986 den israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres. / © Egon Steiner (dpa)
Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher (l.) empfängt am 26.01.1986 den israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres. / © Egon Steiner ( dpa )

Papst Franziskus hat Schimon Peres für dessen "unermüdlichen Einsatz für Frieden" gewürdigt. In einem am Mittwoch verbreiteten Telegramm an Israels Staatspräsident Reuven Rivlin schrieb der Papst über Peres: "Ich hoffe, sein Andenken und seine vielen Jahre des Dienstes inspirieren uns alle, mit noch größerem Nachdruck für Frieden und Versöhnung zwischen Völkern zu arbeiten."

Damit werde das Vermächtnis Peres' wahrhaft geehrt, so der Papst. Das Gemeinwohl, für das der frühere israelische Präsident "so sorgfältig gearbeitet" habe, werde so zu neuen Ausdrucksformen finden.

Gemeinsames Friedensgebet mit Peres und Abbas

Franziskus erinnerte an seine Begegnung mit Peres in Rom. Im Juni 2014, unmittelbar vor Ablauf seiner Amtszeit, war Peres gemeinsam mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zu einem Friedensgebet in den Vatikan gekommen.

Weiter schrieb der Papst, er bete für die Familie Peres und bitte um "den göttlichen Segen des Trostes und der Stärke" für die israelische Nation. Medien hatten am Mittwochmorgen spekuliert, Franziskus werde zum Trauerakt für Peres nach Israel reisen. Dies dementierte der Vatikan unter Verweis auf die am Freitag beginnende Kaukasusreise des Papstes.

Kardinal Marx nennt Peres "Brückenbauer für den Frieden"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würdigte Peres als "Brückenbauer für den Frieden im Nahen Osten" und erinnerte ebenfalls an den "Besuch bei Papst Franziskus, als er - Hand in Hand mit dem Papst und Präsident Mahmoud Abbas - in den Vatikanischen Gärten für den Frieden betete". 

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat den verstorbenen Shimon Peres als große Figur der Zeitgeschichte bezeichnet. "Mit Schimon Peres verlieren Israel und die Weltgemeinschaft einen Visionär, der mit all seiner Erfahrung und Tatkraft zum ersehnten Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn beitragen hat", erklärte Bedford-Strohm am Mittwoch in Hannover: "Sein Versöhnungswerk, das sich auf ein tiefes Vertrauen in den von Gott verheißenen Frieden stützen konnte, bleibt über seinen Tod hinaus als Hoffnungszeichen bestehen."

Folge eines Schlaganfalls

Peres war in der Nacht im Alter von 93 Jahren an den Folgen eine Schlaganfalls gestorben. Er war von 2007 bis 2014 Staatsoberhaupt und hatte zuvor zahlreiche andere politische Ämter bekleidet. 1994 erhielt Peres zusammen mit dem Palästinenserführer Jassir Arafat und dem israelischen Regierungschef Jitzchak Rabin für die Bemühungen um Aussöhnung im Nahen Osten den Friedensnobelpreis.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sagte, dass Peres' "legendärer Satz, dass es keine Alternative zum Frieden gibt", seine Gültigkeit behalten werde.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Frau drückten ihre tiefe Trauer aus. Bildungsminister Naftali Bennett erklärte: "Er schaute Geschichte nicht zu, sondern schrieb sie." US-Präsident Barack Obama erklärte, es gebe wenige Menschen, die den Kurs der Geschichte beeinflussen. "Mein Freund Schimon war einer dieser Menschen."

"Mr. Israel" und ein kluger Staatsmann

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, würdigte Peres als "Mr. Israel". Er sei ein kluger Staatsmann, ein großer Intellektueller und Stratege, ein bewährter Diplomat und ein Friedensstifter gewesen. US-Präsident Barack Obama nannte ihn einen Staatsmann, dessen Engagement für Israels Sicherheit und Frieden auf einer unerschütterlichen Moral und einem unermüdlichen Optimismus basiert habe.

Deutsche Politiker hoben besonders Peres' Verdienste um die deutsch-israelische Freundschaft hervor. Am Mittwochmorgen war der 93 Jahre alte Friedensnobelpreisträger gestorben. Medienberichten zufolge soll Peres, der an den Folgen eines Schlaganfalls starb, am Freitag beigesetzt werden. Laut der israelischen Zeitung "Haaretz" wollen an der Beerdigung unter anderem Papst Franziskus und US-Präsident Barack Obama teilnehmen.

Peres habe Deutschland die Hand gereicht

Peres habe Israel "geprägt wie kaum ein anderer Politiker", erklärte Bundespräsident Joachim Gauck. "Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübten", habe Peres Deutschland die Hand gereicht.

Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte Peres als "bedeutenden Staatsmann, einen Mann des Friedens und des Ausgleichs, der davon überzeugt war, dass sich Konflikte nachhaltig nicht mit Waffen, sondern nur diplomatisch lösen lassen".

Steinmeier: "Geschätzten Freund und Partner"

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: "Die Welt hat einen großen Staatsmann, Israel einen seiner Gründungsväter und Deutschland einen hoch geschätzten Freund und Partner verloren." Steinmeier würdigte wie Gauck die "einzigartige Freundschaft zwischen Israel und Deutschland". 1986 habe Peres als erster israelischer Ministerpräsident das damals geteilte Berlin besucht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Friedensvision des gestorbenen früheren israelischen Präsidenten Schimon Peres gewürdigt. "Israel hat einen seiner großen Staatsmänner verloren. Wir trauern mit dem israelischen Volk und der Familie von Schimon Peres um diesen großen Verlust", schrieb Merkel am Mittwoch in einem Kondolenztelegramm an Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Die drei Politiker erinnerten an Peres' Rede vor dem Bundestag am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Jahr 2010. "Die Brücke über dem Abgrund wurde mit schmerzenden Händen und Schultern, die dem Gewicht der Erinnerung kaum standhielten, aufgebaut, und sie steht auf starken, moralischen Grundfesten", zitierte ihn Steinmeier.

Peres, am 2. August 1923 im polnischen Wiszniew geboren, bekleidete in seiner langen politischen Karriere hohe politische Ämter in Israel. Unter anderem amtierte er mehrfach als Ministerpräsident und von 2007 bis 2014 als Staatspräsident. 1994 erhielt er mit Jitzchak Rabin und Jassir Arafat den Friedensnobelpreis für die Bemühungen um ein Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern.

Schimon Peres und Franziskus (dpa)
Schimon Peres und Franziskus / ( dpa )
Marx: Was ist die christliche Identität in der Flüchtlingsfrage? (DR)
Marx: Was ist die christliche Identität in der Flüchtlingsfrage? / ( DR )
US-Präsident Barack Obama / © Justin Lane (dpa)
US-Präsident Barack Obama / © Justin Lane ( dpa )
Bundespräsident Gauck / © Wolfgang Kumm (dpa)
Bundespräsident Gauck / © Wolfgang Kumm ( dpa )
Bundestagspräsident Norbert Lammert (dpa)
Bundestagspräsident Norbert Lammert / ( dpa )
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (dpa)
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu / ( dpa )
Stellte den Bericht vor: Außenminister Steinmeier / © Alexander Heinl (dpa)
Stellte den Bericht vor: Außenminister Steinmeier / © Alexander Heinl ( dpa )
Quelle:
KNA , epd