Studie belastet Kardinäle Höffner und Meisner

"Pflichtwidriges" Fehlverhalten

Der Missbrauchsfall eines inzwischen 87-jährigen Priesters hatte bereits Ende 2019 für heftige Kritik gesorgt. Nun wirft ein Sondergutachten den früheren Kölner Kardinälen Joseph Höffner und Joachim Meisner einen falschen Umgang in dem Fall vor.

Symbolbild Akten / © Harald Oppitz (KNA)
Symbolbild Akten / © Harald Oppitz ( KNA )

Höffner habe Pfarrer A. trotz Verurteilung wegen "fortgesetzter Unzucht mit Kindern" wieder in der Seelsorge eingesetzt, zitiert die "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (Donnerstag) aus einer unveröffentlichten Untersuchung der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW).

Ein kirchenrechtliches Verfahren gegen den erneut straffällig gewordenen Geistlichen habe Höffner "pflichtwidrig unterlassen", heißt es weiter. Auch sein Nachfolger Meisner habe um die Taten des Pfarrers gewusst, aber "pflichtwidrig sowohl auf jegliche Sanktionierung (...) kirchlicherseits als auch auf Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Kinder und Jugendlicher verzichtet". Beide Kardinäle sind bereits vor Jahren gestorben.

Gutachten im Auftrag des Bistums Essen

Der Fall des inzwischen 87-jährigen Priesters A. hatte schon Ende 2019 für heftige Kritik gesorgt. Trotz der beiden Verurteilungen war er in den Erzbistümern Köln und Münster sowie ab 2002 als Ruhestandsgeistlicher im Bistum Essen tätig. Die Diözesen haben Untersuchungen zu dem Fall in Auftrag gegeben.

Ein am Mittwoch veröffentlichtes Gutachten der Kölner Kanzlei Axis im Auftrag des Ruhrbistums bescheinigt den Verantwortlichen deutliche Fehler. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagte der Wochenzeitung: "Ich habe Schuld auf mich geladen." Als er Anfang 2010 kurz nach seinem Amtsantritt in Essen von dem Fall erfahren habe, habe er sich nicht die Personalakte kommen lassen. "Sonst hätte ich die Dimension des Falls vielleicht gesehen", so der Ruhrbischof.

Der Priester des Erzbistums Köln war seit 1960 in Köln und dann in Essen-Kettwig tätig, bevor er 1972 wegen "fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen" zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Danach war er ab 1973 im Bistum Münster eingesetzt, bis er 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen eine Bewährungsstrafe erhielt.

1989 kehrte A. als Altenheimseelsorger nach Köln zurück. Als Ruhestandsgeistlicher war er dann von 2002 bis 2015 in Bochum-Wattenscheid im Bistum Essen. 2019 verbot ihm der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki priesterliche Dienste. Inzwischen hat die Glaubenskongregation im Vatikan einen kirchlichen Strafprozess gegen Geistlichen begonnen, der heute in einem Pflegeheim lebt.

Overbeck schließt Rücktritt aus

Laut Overbeck sind bislang keine weiteren Taten von A. aus seiner Zeit im Bistum Essen bekannt. Er habe am Anfang seiner Zeit als Bischof in Essen seine Verantwortung "nicht richtig wahrgenommen".

Einen Rücktritt deswegen schloss er aber aus. "Verantwortung zu übernehmen heißt für mich lernen. Das halte ich in diesem Fall für angemessen." Allerdings könne es andere Fälle geben, so Overbeck, "da müsste ich vielleicht andere Zeichen setzen".

Der Bischof verteidigte, dass das Gutachten über den Umgang des Bistums Essen keine Namen von Verantwortlichen nennen wird. "Die Verantwortlichen der letzten Jahre können alle kennen", sagte der Bischof.

Der ehemalige Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner (Mitte) und sein Geheimsekretär Manfred Melzer  (Erzbistum Köln)
Der ehemalige Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Höffner (Mitte) und sein Geheimsekretär Manfred Melzer / ( Erzbistum Köln )
Joachim Kardinal Meisner wird am 12. Februar 1989 in sein Amt als Erzbischof von Köln eingeführt / © N.N. (KNA)
Joachim Kardinal Meisner wird am 12. Februar 1989 in sein Amt als Erzbischof von Köln eingeführt / © N.N. ( KNA )
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen / © Lars Berg (KNA)
Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen / © Lars Berg ( KNA )
Autor/in:
Andreas Otto
Quelle:
KNA