Pfeffer sieht katholische Kirche in existenzieller Krise

Priesteramt wird "überhöht"

Der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, sieht die römisch-katholische Kirche momentan in einer existenziellen Krise. Die katholische Kirche müsse ihr Amtsverständnis auf den Prüfstand stellen, forderte Pfeffer.

Klaus Pfeffer / © Fabian Strauch (dpa)
Klaus Pfeffer / © Fabian Strauch ( dpa )

"Der Missbrauchsskandal hat aufgedeckt, dass es nicht um eine Vielzahl von Einzeltaten geht, wie es manche verharmlosend darstellen", sagte Pfeffer in einem Interview des Magazins "Evangelische Perspektiven" der braunschweigischen Landeskirche. Studien belegten vielmehr einen Zusammenhang mit systemischen Ursachen.

Protest gegen kirchlichen Umgang mit Missbrauch / © Julia Steinbrecht (KNA)
Protest gegen kirchlichen Umgang mit Missbrauch / © Julia Steinbrecht ( KNA )

Pfeffer ist Stellvertreter des Essener Bischofs Franz-Josef Overbeck und Leiter der Bistumsverwaltung.

"Überhöhung des priesterlichen Amtes"

"Besondere Bedeutung hat unter anderem die Überhöhung des priesterlichen Amtes", sagte Pfeffer. In Verbindung mit weiteren Faktoren wie einer rigiden Sexualmoral und einer fehlenden Kontrolle von Macht berge dies große Gefahren. "Mich erschüttert, wenn Betroffene davon erzählen, wie Priester ihre Amtsautorität ausgenutzt haben", erläuterte der Generalvikar.

"Weil sie in ihren Gemeinden als unantastbare Autorität gelten, hatten Kinder keine Chance, ihren Fängen zu entkommen - niemand glaubte ihnen." Eine Betroffene habe ihm geschildert, wie ein Priester seine Übergriffe sogar spiritualisiert habe.

Klaus Pfeffer (Generalvikar im Bistum Essen)

"Es braucht in der katholischen Kirche die Öffnung des Amtes für Frauen und Männer, für Verheiratete und Zölibatäre"

"Untersuchungen lassen keinen Zweifel daran, dass die enge Begrenzung des Amtes auf ehelose Männer sowie die dogmatische Überhöhung klerikalen Machtmissbrauch begünstigt." So seien über viele Jahrzehnte Täter geschützt, Taten verharmlost und Opfer ignoriert worden.

Ein graues und ein weißes Collarhemd / © Cristian Gennari (KNA)
Ein graues und ein weißes Collarhemd / © Cristian Gennari ( KNA )

"Für mich ist klar: Es braucht in der katholischen Kirche die Öffnung des Amtes für Frauen und Männer, für Verheiratete und Zölibatäre", unterstrich der Generalvikar. Das bedeute natürlich eine Veränderung der Tradition. Deswegen befinde sich die katholische Kirche gerade in einer Zerreißprobe.

Den Befürwortern von Reformen stünden entschiedene Gegner gegenüber.

Über das Bistum Essen

Das Bistum Essen ist eines der jüngsten und kleinsten unter den 27 römisch-katholischen Bistümern in Deutschland. Auch in Nordrhein-Westfalen ist es mit 1.877 Quadratkilometern und rund 780.000 Mitgliedern das kleinste Bistum. Es wurde am 1. Januar 1958 aus Teilen der (Erz-)Bistümer Köln, Münster und Paderborn errichtet; damals zählte die Diözese noch rund 1,5 Millionen Mitglieder.

Blick auf den Essener Dom / © Borisb17 (shutterstock)
Quelle:
epd