Pax-Christi sieht Waffenlieferung an Ukraine kritisch

Frage nach "unangemessenem Schaden"

Der Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi in Deutschland, Peter Kohlgraf, sieht verstärkte Waffenlieferungen an die Ukraine kritisch. Eine pazifistische Stimme sei weiterhin wichtig, betonte der Bischof.

Ein Demonstrant am 24. Februar 2022 in Berlin mit einem Plakat mit der Aufschrift Waffen für die Ukraine! / © Jannis Chavakis (KNA)
Ein Demonstrant am 24. Februar 2022 in Berlin mit einem Plakat mit der Aufschrift Waffen für die Ukraine! / © Jannis Chavakis ( KNA )

Das Recht auf Selbstverteidigung in einem Krieg sei zwar friedensethisch legitim. "Die Frage ist aber: Richte ich durch die Art und Weise, wie ich mich wehre, am Ende größeren Schaden an", sagte der Mainzer Bischof am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Mainz.

"Ab wann beginnt das Ganze eine Form anzunehmen, wo die Gewalt, die ich ausübe, um mich zu wehren, einen unangemessenen Schaden anrichtet, indem sie mehr Menschen ins Elend stürzt als vielleicht ohne wehrhafte Gewalt ins Elend gestürzt worden wären?", erläuterte Kohlgraf mit Blick auf Tausende Tote in der ukrainischen Zivilbevölkerung, Millionen Flüchtlinge und zerstörte Städte.

Bischof Peter Kohlgraf / © Harald Oppitz (KNA)
Bischof Peter Kohlgraf / © Harald Oppitz ( KNA )

Frage nach "dem höheren Wert"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gebe zwar durchaus eine überzeugende Figur ab, sagte Kohlgraf. Er lese aber auch, Mariupol wäre heute vielleicht nicht so zerstört, wenn das ukrainische Militär sich rechtzeitig zurückgezogen - und damit kapituliert - hätte. "Ich kann aber auch verstehen, dass ein Volk sagt: Wir wollen unsere Freiheit verteidigen", so der 55-jährige Mainzer Bischof. Was letztlich "der höhere Wert" sei, könne er nicht sagen.

Zu fragen sei auch, was Waffenlieferungen an die Ukraine bedeuteten angesichts eines Gegners, der über Nuklearwaffen sowie möglicherweise über chemische und biologische Waffen verfüge. "Provoziere ich nicht sogar noch einen nuklearen Einsatz durch eine verstärkte Bewaffnung? Das sind auch für mich mehr Fragen als Antworten", sagte Kohlgraf. "Ab wann ist ein Schritt gegangen, wo ich eine Gewaltspirale weiter befeuere, die ich nicht mehr kontrollieren kann?"

"Weiter die Schraube anziehen"

Eine pazifistische Stimme sei weiterhin wichtig, betonte der Bischof. Er sei aber auch nicht naiv, sagte Kohlgraf. Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin könne man "nicht einfach eine Gesprächsrunde eröffnen". Der Pax-Christi-Präsident betonte, bei ökonomischen Konsequenzen müsse man "weiter die Schraube anziehen". Zudem müsse man alle diplomatischen Möglichkeiten ausschöpfen, "damit Präsident Putin gegebenenfalls ohne Gesichtsverlust aus diesem Krieg herauskommt". Diesen diplomatischen Weg gehe auch Papst Franziskus.

Zugleich mahnte Kohlgraf, behutsam bei Schuldzuweisungen an das russische Volk zu sein. "Wir müssen aufpassen, jetzt nicht 'die Russen' in Generalhaftung zu nehmen." Kohlgraf ist seit Oktober 2019 Präsident der deutschen Sektion von Pax Christi International.

Pax Christi

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. (pax christi)

Friedenstauben (dpa)
Friedenstauben / ( dpa )

 

 

Quelle:
KNA