Pater zur Rehabilitierung von Galileo Galilei vor 25 Jahren

"Viel zu spät"

Es war wohl dem naturwissenschaftlichen Interesse Papst Johannes Pauls II. zu verdanken, dass Galileo Galilei vor einem Vierteljahrhundert rehabilitiert wurde. Das sagt Benediktinerpater Christoph Gerhard bei domradio.de.

Galileo Galilei / © KNA (KNA)
Galileo Galilei / © KNA ( KNA )

domradio.de: "Und sie bewegt sich doch!" So ähnlich muss es Galileo Galilei formuliert haben, als er seine Lehre von der Erdbewegung um die Sonne gezwungenermaßen zurücknahm - und doch von ihrem Wahrheitsgehalt überzeugt war. Die Rücknahme rettete ihm damals das Leben. Gleichzeitig wurde Galilei zu einem Symbol der Spaltung von Naturwissenschaft und Kirchenlehre.

Erst heute vor 25 Jahren - nämlich am 2. November 1992 - kam es zur Versöhnung: Durch Johannes Paul II. erhielt Galilei seine formelle Rehabilitierung: Das Urteil wurde aufgehoben. Pater Christoph, Sie sind Hobbyastronom, verbinden also täglich Ihren Glauben mit der Wissenschaft. Aus Ihrer Sicht: Wieso kam die Rehabilitierung Galileis so spät?

Pater Christoph Gerhard (Wirtschaftschef der Abtei Münsterschwarzach und Hobbyastronom): Es hat wohl damit zu tun, dass es für die katholische Kirche - und lange Zeit auch für die Naturwissenschaften - kein Problem war, dass Galilei verurteilt worden ist. Die Gegenbewegung kam eigentlich erst Ende des 19. Jahrhunderts so richtig in Schwung.

Papst Johannes Paul II. war zudem ein naturwissenschaftlich interessierter Mensch. Deshalb wurde erst 1992 - viel zu spät - das Urteil aufgehoben.

domradio.de: Trotzdem: Der Vatikan hat rund 300 Jahre gebraucht. Hat die Kirche heute immer noch Angst vor der Wissenschaft?

Pater Christoph Gerhard: Ich glaube, sie hatte nie Angst vor der Wissenschaft. Das ist ihr immer nur nachgesagt worden. Sie hatte zum Teil Probleme, wissenschaftliche Ergebnisse in ihren Glauben zu integrieren.

Aber für mich ist das eher ein Konstrukt, dass die katholische Kirche Probleme mit den Naturwissenschaften hat - ganz im Gegenteil.

domradio.de: Inwiefern im Gegenteil?

Pater Christoph Gerhard: Im Gegenteil deswegen, weil die Erforschung der Welt, die Wissenschaft, immer etwas gewesen ist, was zum Glauben dazu gehört. Ein gläubiger Mensch, der das Wissen seiner Zeit nicht reflektiert - das kann man schon bei Augustinus nachlesen - glaubt eigentlich nicht richtig, weil er sich mit der Realität nicht auseinandersetzt.

domradio.de: Ein sowjetischer Astronaut hat mal gesagt: "Ich war im Weltall und habe Gott nicht gesehen." Wo finden Sie Gott denn in den Weiten des Weltraums?

Pater Christoph Gerhard: Das ist die Frage - wo suche ich Gott? Beim sowjetischen Astronauten Juri Gagarin würde ich sagen: Er hat an der falschen Stelle geschaut. Die Frage ist für mich: Woher kommt dies alles, was ich beobachte? Und welchen Gesetzen folgt es? Und woher kommen diese Gesetze? Und für mich hat Schöpfung wirklich viel mit Gott zu tun, mit der Erschaffung dieser Welt, die wir haben  - und die folgt auch naturwissenschaftlichen Gesetzen.

Und wenn ich Naturwissenschaft betreibe, spielt zunächst mein Glaube überhaupt keine Rolle. Da geht es um eine andere Methode. Und bei meinem Glauben kann dir die Naturwissenschaft erzählen, wie groß eigentlich Gott sein muss. Und von der Seite aus finde ich es ungemein spannend, Wisssenschaft zu betreiben. Es gehört einfach zu meinen Glauben mit dazu.

Das Gespräch führte Christoph Paul Hartmann.

Astrolabium von Galileo Galilei / © Katharina Ebel (KNA)
Astrolabium von Galileo Galilei / © Katharina Ebel ( KNA )
Quelle:
DR